Von Annette Selter-Gehring

Gechingen. Mit einem dreifachen "Schäppele hoi" wurden die Gechinger Hexengeister vor dem Rathaus von rund 300 Schaulustigen begrüßt.

In bewährter Manier sorgten die Narren am Schmotzigen Donnerstag mit ihren Zahnlücken, Zinkennasen, dicken Warzen und Ungeziefer im verfilzten Haar für Stimmung. Die Hexen entmachteten Bürgermeister Jens Häußler für einen Tag. Wieder einmal nahmen die Hexengeister, die von einer Kapelle lautstark in ihrem Treiben unterstützt wurden, ein kommunales Thema aufs Korn, denn, was die Schirme vor dem Rathaus sollen, fragten sich die Gechinger Hexengeister schon lange. Seit der Vorplatz vor Jahren neu gestaltet wurde, scheiden sich an den Schirm-Objekten aus Glas und Metall die Meinungen.

Mit großem Tamtam zogen die Narren auf dem Rathausvorplatz ein. Nachdem zwei von ihnen das Rathaus gestürmt hatten, verkündete die Oberste der Hexengeister aus dem Fenster vom ersten Stock die neueste Erkenntnis der umtriebigen Narren: "Jetzt wissen wir’ s, das waren die ersten Rettungsschirme in Europa." Gechingen sei Vorreiter gewesen, und was habe man nicht schon alles gerettet oder zu retten versucht. Vom Hallenbad bis hin zum schwäbischen Dialekt, zählten die Hexen die Verdienste auf. Am Schmotzigen sahen sie sich nun berufen, ihren Teil beizusteuern und den Schultes aus seinem Rathaus und vor seinen Mitarbeitern zu retten.

Doch Häußler hatte sich zu früh gefreut. Schließlich braucht die Gemeinde, um allerlei zu retten, auch das nötige Kleingeld. Die Hexengeister ernannten den Schultes zum Starverkäufer und er musste, ausgestattet mit einem eigenen kleinen Rettungsschirm auf dem Kopf, einen ganzen Korb voll unnützen Krimskrams zu Geld machen und an die Zuschauer verkaufen.

Nebenbei trieben die Hexengeister allerlei Schabernack mit den Zuschauern. Im Laufe des Nachmittags verteilten sich die Narren im Dorf, trieben mit Passanten ihre gutmütigen Späße und machten Straßen, Geschäfte und Lokale unsicher.