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Von Marion Selent-Witowski
Gechingen. Helga Häberle, Karin Jackson und Lotte Weiss aus Gechingen verbindet eine große Leidenschaft: das Sammeln, Entwerfen, Bauen und Ausstatten von Puppenstuben.
In früheren Kindertagen war die Freude groß, wenn zu Weihnachten endlich wieder die Puppenstube aufgebaut wurde. Die Jungen hatten ihre Eisenbahn, und bei den Mädchen war es das kleine Zimmer oder sogar ein richtiges Puppenhaus. Die Miniaturwelt wurde nur über die Feiertage aufgestellt, dann wieder sorgfältig eingepackt und bis zum nächsten Christtag aufbewahrt.
Helga Häberle verwandelt jedes Jahr zu Weihnachten ihr Wohnhaus in Gechingen in eine regelrechte Puppenstubenausstellung. Das erste Exemplar bekam sie von ihrem Großvater, der das Modell in den 40er-Jahren baute.
Die 69-Jährige ist mit den Jahren zu einer passionierten Sammlerin der kleinen Wohnräume geworden, baut aber auch selbst und stattet sie bis ins kleinste Detail aus. Freunde und Bekannte bringen ihr von Reisen immer wieder Miniaturgegenstände mit und haben es leicht, wenn sie auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk für die Gechingerin sind.
Karin Jackson hat vor etwa zehn Jahren auf einem Basar in Sindelfingen damit angefangen, sich wieder mit Puppenstuben zu beschäftigen. "Jedes Mal sage ich mir, dass ist die letzte Puppenstube, die ich baue, aber auf Flohmärkten und Basaren finde ich immer wieder neue Anregungen", erzählt sie. Kurz vor Weihnachten hat sie ihr neuestes Projekt vollendet: eine äußerst detailgetreue Winterlandschaft.
Während andere vor den vielen kniffligen Handgriffen beim Basteln eher zurückschrecken, bieten diese Jackson regelrecht Entspannung: "Für mich ist das nach der Arbeit die beste Möglichkeit abzuschalten". Inzwischen nennt sie unter anderem eine Miniaturküche, ein Wohnzimmer, einen Kaufladen, ein Herren- und ein Spielzimmer sowie eine Bauernstube ihr eigen.
"Unser Hobby ist fast wie eine Sucht", sagt Lotte Weiss, die ihre Miniaturwelten ebenso hingebungsvoll hegt und pflegt. "Es macht mir Spaß, so ein Zimmer Detail für Detail zu richten. Das letzte Stück wird immer am schönsten", schwärmt die 87-Jährige von ihrem Hobby. Gemeinsam mit Jackson ist sie immer wieder auf Messen oder Basaren unterwegs, holt sich Anregungen und nimmt den einen oder anderen Einrichtungsgegenstand mit, betont aber: "Kaufen kann jeder, wir drei machen viel selbst".
Zu Weiss’ Schatz gehören unter anderem ein Fotoatelier, eine Apotheke, eine Konditorei, ein Näh- und Bügelzimmer sowie eine Spielwiese. Ein besonderes Händchen hat die Seniorin für das Schneidern, Häkeln, Stricken und Filzen der Puppenbekleidung. Zu ihrer Sammlung gehören echte Raritäten: "Eines meiner Püppchen ist 110 Jahre alt, ein Metallbettchen dürfte ebenso alt sein". An Selbstgemachtem hänge man mehr als an Gekauftem: "Ich würde es nie übers Herz bringen, Dinge, die mir einst meine Eltern geschenkt haben, einfach so wegzuwerfen", sagt Weiss.
Die drei Puppenstubenarchitektinnen sind immer wieder gegenseitig Ideengeber, haben aber ihren eigenen, unverwechselbaren Baustil entwickelt. Davon konnten sich erst vor kurzem rund 500 Besucher bei der Ausstellung im Heimatmuseum Appeleshof überzeugen.