Von Marion Selent-Witowski

Gechingen. Nicht nur in Calw wird über die Zukunft des Hallenbads nachgedacht, sondern auch in Gechingen.

Eigentlich sollte der dortige Gemeinderat am Dienstagabend nur die Jahresrechnung 2011 des Eigenbetriebs absegnen. Doch aus dem Rückblick wurde nicht nur eine Vorausschau, sondern fast gar eine Generaldebatte über die Zukunft der Freizeiteinrichtung. Der Eigenbetrieb lebt wie viele solche Einrichtungen andernorts vom Kernhaushalt der Gemeinde. Die Gewinn- und Verlustrechnung schließt 2011 mit einem Defizit von 255 000 Euro gegenüber 236 000 Euro im Vorjahr.

Ende 2011 betrug das Eigenkapital 274 000 Euro. Bei Verlusten der aktuellen Größenordnung und konstanten Verlustausgleichszuweisungen vom Verwaltungshaushalt über 200 000 Euro wird das Eigenkapital laut Kämmerer Joachim Kaufmann jährlich um 50 000 Euro sinken. Die Bilanzvorschau zeige, dass spätestens 2015 die Verlustzuweisung des Kernhaushalts von 200 000 auf 250 000 Euro angehoben werden muss, "sonst verschwindet rechnerisch das Eigenkapital unter der Nulllinie".

Neben dem öffentlichen Schwimmbetrieb wird das Bad durch Schul- und Vereinssport sowie Volkshochschulveranstaltungen und von auswärtigen allgemeinbildenden Schulen, Therapeuten, einer Tauchschule und der Bundeswehr genutzt. Dafür werden separate Mietverträge ausgehandelt. Schon seit längerem befasste sich der Hallenbadausschuss mit einem Maßnahmenpaket, um die zu erwartenden Verluste in Grenzen zu halten. Bereits im Frühjahr wurden höhere Eintrittspreise beschlossen. Demnächst soll im Gemeinderat die Vermietung an Schulen, Vereine und gewerbliche Anbieter auf der Tagesordnung stehen. Wie berichtet, werden in Calw derzeit Alternativen zur Renovierung des Carl-Schmid-Bads geprüft. Die Stadt hat auf Verwaltungsebene Kontakt zu den Nachbarkommunen Gechingen und Althengstett aufgenommen. Es wird ausgelotet, ob das Schul- und Vereinsschwimmen künftig gegen Kostenersatz in die beiden Gäugemeinden verlegt werden könnte.

Wie die Gechinger Gemeindeverwaltung betont, wird das eigene Hallenbad den Bürgern nur dann weiter offen stehen und Teil des Mottos "Gechingen – liebens- und lebenswert" sein können, wenn keine größeren Investitionen in die Freizeiteinrichtung anstehen. Wenn umfangreichere Renovierungs- oder Reparaturarbeiten notwendig werden, "muss sich Gechingen Gedanken machen, ob und wie das Bad betrieben werden kann", so die Verwaltung. Dazu gehöre auch die beabsichtigte energetische Untersuchung der Gebäudehülle einschließlich der Wärmeerzeugung.

Während sich Gemeinderat Bernd Wentsch bereits Gedanken über die Gäugemeinde ohne Hallenbad machte – "künftig haben wir vielleicht nicht mehr Bäder in Calw, Althengstett und Gechingen, sondern nur noch eines" – appellierte Ratskollege Tilman Schwarz an das Gremium, jetzt wegen der Zukunft das Bads keine falschen Signale an die Bevölkerung zu senden und sich wieder dem eigentlichen Tagesordnungspunkt, nämlich der Jahresrechnung des Eigenbetriebs, zu widmen. Das Zahlenwerk wurde einstimmig abgesegnet.