Magenerkrankungen sind ein weit verbreitetes Leiden. Die Hälfte der über 50-Jährigen leidet an chronischer Magenschleimhautentzündung.

Nahezu die Hälfte der Bundesbürger leidet zeitweilig unter Oberbauch- und Magenbeschwerden. Dauern diese länger an, müssen Art und Ursache abgeklärt werden und eine geeignete Therapie ist einzuleiten. Die Drüsenzellen der Magenwand produzieren den stark sauren Magensaft (pH 0,9 bis 1,5), der keimabtötend wirkt. Damit die Magenwand nicht selbst angedaut wird, schützt sie sich durch eine dünne alkalische Schleimschicht. Der Zusammenbruch dieser Schleimhautbarriere hat eine wesentliche Bedeutung bei der Entstehung einer Gastritis (Magenschleimhautentzündung). Es sind akute und chronische Formen mit jeweils charakteristischen Ursachen und Symptomen zu unterscheiden. Nachdem es gelang, als Ursache der häufigsten chronischen Gastritis, nämlich des Typ B, den Keim Helicobacter pylori zu identifizieren, wurden dessen Verbreitung und dessen Rolle bei verschiedenen Erkrankungen in verschiedenen Studien untersucht. Laut offiziellen Angaben des umweltmedizinischen Informationsdienstes liegt bei etwa 35 Prozent der deutschen Bevölkerung eine H.- pylori-Infektion vor, die aber nicht in jedem Fall Beschwerden bereitet und gut behandelbar ist.

Gastritis - Symptome / Diagnose


Eine akute Gastritis tritt heftig und plötzlich auf, heilt aber in der Regel vollständig aus. Die chronische Gastritis ist charakterisiert durch einen wochen-, häufig auch jahrelangen Verlauf mit weniger deutlichen Beschwerden. Chronische Formen werden nach ihren Ursachen anhand des ABC-Schemas weiter unterteilt in

  •     Typ A (Autoimmungastritis)
  •     Typ B (mit H.-pylori assoziierte Gastritis)
  •     Typ C (chemisch-toxische Gastritis)
  •     seltene Sonderformen


Daneben existiert die Sydney-Klassifikation, die die chronischen Formen nach Ursache, histologischen und endoskopischen Kriterien unterteilt.

Um eine Aussage darüber treffen zu können, ob eine Gastritis (und wenn ja, welche Form) für die Beschwerden verantwortlich ist, muss eine Magenspiegelung (Gastroskopie) eventuell mit Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) durchgeführt werden. Dabei deuten bestimmte typische Kennzeichen und Testergebnisse auf einzelne chronische Formen hin.

Bei der Typ-A-Gastritis sieht die Schleimhaut verkümmert aus. Zur genaueren Diagnose dieser Form eignet sich der Schilling-Test. Der Nachweis von oral eingenommenem, radioaktiv markiertem Vitamin-B12 im Urin ist dabei ein Beweis für das Vorliegen einer Typ-A-Gastritis, bei der die Vitamin-B12-Aufnahme im Dünndarm typischerweise gestört ist. Zusätzlich wird Blut abgenommen, um eine mögliche Blutarmut nachzuweisen. Die Blutarmut kann die Folge einer Blutung der Magenschleimhaut oder eines Vitamin- B12-Mangels sein. Außerdem empfiehlt sich die Bestimmung von Antikörpern gegen die Belegzellen der Magenschleimhaut zum Nachweis einer autoimmunen Gastritis.

Vereinzelte fleckige Rötungen oder kleine knotige Schleimhauterhebungen weisen auf das Vorliegen einer Gastritis vom Typ B hin; bei einer H.-pylori-Gastritis kann zusätzlich zur Schleimhautentzündung ein Magengeschwür vorliegen. Eine genaue Diagnose kann nur die feingewebliche (histologische) Untersuchung einer Gewebeprobe ergeben. Für den Ureaseschnelltest wird die Schleimhautprobe in eine Testflüssigkeit gegeben, die einen Farbindikator und Harnstoff enthält. H.-pylori produziert das Enzym Urease und ist in der Lage, Harnstoff zu spalten. Ist H.-pylori in der Gewebeprobe enthalten, wird sich die Testflüssigkeit durch die Spaltung des Harnstoffs rot verfärben. Der Test gilt als positiv, wenn die Verfärbung nach 24 Stunden eingetreten ist. Bei hoher Keimbesiedlung erfolgt die Verfärbung bereits nach 15 Minuten. Eine weitere Möglichkeit, H.-pylori nachzuweisen, ist der Atemtest. Da sich mit dieser Untersuchungsmethode eine Magenspiegelung umgehen lässt, wird dieser Test bevorzugt bei Kindern eingesetzt. Eine Beurteilung der Magenschleimhaut ist aber mit dem Atemtest nicht möglich.

Bei der Typ-C-Gastritis ist die Magenschleimhaut angeschwollen und mit blutdurchsetzten dunklen Flecken übersät. Dieses Erscheinungsbild findet man bei Entzündungen, die durch Schmerzmedikamente verursacht wurden. Ist die Erkrankung weit fortgeschritten, kann bereits die Berührung dieser Bezirke mit dem Endoskop eine Blutung auslösen.


Gastritis - Behandlungsmöglichkeiten

Ein gewisser Prozentsatz (bis zu 40 Prozent) der Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre bildet sich spontan zurück. Der Heilungsprozess wird anscheinend durch eine Änderung der psychisch-vegetativen Konstellation des Patienten gefördert. Für diese Annahme sprechen auch wissenschaftliche Studien, nach denen etwa 40 bis 50 Prozent der Patienten durch Placebos (Scheinmedikamente ohne Wirkstoffe) geheilt werden. Die Wirksamkeit von säurebindenden Medikamenten (Antazida) übersteigt die Erfolgsquote von Placebos kaum.

Therapie der akuten Gastritis
Bei der akuten Gastritis ist oftmals keine Behandlung notwendig. Sie heilt meistens auch ohne Therapie relativ schnell aus. Die akute schmerzhafte Phase dauert etwa 24 Stunden. Wegen dieses kurzen Zeitraums wird meistens auf Medikamente verzichtet. Sind äußere Einflüsse (z.B. übermäßiger Alkoholkonsum) der Auslöser, kann es hilfreich sein, für 24 Stunden nichts zu essen. In dieser Zeit beruhigt sich die Magenschleimhaut wieder und kann sich erholen. Ist die Ursache in der Medikamenteneinnahme (z.B. Rheumaschmerzmittel) zu sehen, wird die akute Gastritis mit die Magensäureproduktion unterdrückenden Protonenpumpenhemmern oder Prostaglandinderivaten behandelt.

Therapie der chronischen Gastritis
Zur Behandlung der Vitamin-B12-Blutarmut wird das Vitamin gespritzt. Da bei der Typ-A-Gastritis ein erhöhtes Magenkrebsrisiko besteht, sollte eine regelmäßige, jährliche endoskopische Untersuchung mit der Entnahme von Gewebeproben der Magenschleimhaut durchgeführt werden. Bei der Typ-B-Gastritis (H.-pylori-Infektion) wird auf die Ausrottung des Erregers mit Medikamenten gezielt. Diese Behandlung wird Eradikation genannt. Heutiger Standard ist die Kombination von Antibiotika und Protonenpumpenhemmern. Nur mit dieser Kombinationsbehandlung gelingt es, den Erreger direkt zu bekämpfen. Die Medikamente müssen für eine sichere Wirkung mindestens sieben Tage lang eingenommen werden. Frühestens nach vier Wochen werden bei einer erneuten Magenspiegelung weitere Proben aus der Magenwand entnommen, um den Therapieerfolg zu überprüfen. Wenn der Ureasetest negativ ausfällt, dann war die Eradikationsbehandlung erfolgreich. Die wirksamste Therapie der Typ-C-Gastritis ist die Reduktion der Magensäureproduktion, damit die Magenschleimhaut ausheilen oder nicht weiter geschädigt werden kann. Hierzu werden heute vor allem die Protonenpumpenhemmer eingesetzt. Medikamente, die bekanntermaßen eine Gastritis auslösen können, sollten wenn möglich für die Dauer der Behandlung ausgesetzt werden. Zusätzlich zur Behandlung kann bei einer durch Gallensäfte ausgelösten Gastritis die Magenentleerung beschleunigt werden, um die Zeit, während der die Gallensäfte mit der Magenschleimhaut in Kontakt sind, zu verkürzen. Dies lässt sich durch bestimmte, Prokinetika genannte Medikamente erreichen.

Gastritis - Nebenwirkungen und Komplikationen


Die autoimmune Gastritis begünstigt die Entstehung von Magenkrebs. Weiterhin sind starke Blutungen aus der Magenschleimhaut möglich. Als Folge kann es zu einer chronischen Blutarmut mit Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Schlappheit etc. kommen. Im schlimmsten Fall führt die Magenblutung zum Kreislaufschock. Gelingt es in dieser Situation nicht, die Blutung sofort über eine Magenspiegelung zu stoppen, droht der Betroffene zu verbluten.

Eine weitere Komplikation ist die Entstehung von Magen- (Ulcus ventriculi) oder Zwölffingerdarmgeschwüren (Ulcus duodeni). Beide Ulkusarten sind durch krampfartige, drückende, kneifende oder stechende Schmerzen im Oberbauch gekennzeichnet. Beim Magengeschwür treten die Schmerzen und das Druckgefühl meist kurz nach dem Essen, beim Zwölffingerdarmgeschwür dagegen vorwiegend bei nüchternem Magen auf. Nach dem Essen verschwinden hier die Schmerzen für ein paar Stunden. Dies muss aber nicht immer so sein. Häufig treten die Schmerzen auch während der Nacht auf. Bei manchen Ulkuspatienten fehlen diese typischen Symptome; es bestehen lediglich uncharakteristische Verdauungsbeschwerden, Aufstoßen und Sodbrennen, manchmal auch Übelkeit mit Erbrechen.

Gastritis - Prävention

Damit eine Gastritis gar nicht erst auftritt, gilt es, folgende Ratschläge zu befolgen:

  •     Achten Sie auf Ihre psychosoziale Gesundheit.
  •     Nehmen Sie nie auf Dauer und auf eigene Faust Schmerzmittel ein. Besprechen Sie Dosis und Dauer einer Schmerzmitteleinnahme mit Ihrem Arzt.
  •     Übermäßiger Gebrauch von säurefördernden Wirkstoffen wie Alkohol, Kaffee, Tee, Nikotin oder Zitrusfrüchten ist nicht ratsam.

In den letzten Jahren wird tierexperimentell an einer Impfung gegen H.- pylori gearbeitet. Mit einem Impfstoffeinsatz beim Menschen ist aber frühestens in einigen Jahren zu rechnen.
 

 
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