Gaggenau  - Er war einer der großen CDU-Hoffnungsträger im Südwesten. Und nicht wenige wollten ihn ganz oben sehen. Wie viele das waren, zeigte sich auch bei dem bewegenden Abschied und letzten Geleit für Thomas Schäuble in Gaggenau (Kreis Rastatt). Rund 1000 Menschen waren am Donnerstag zur Trauerfeier für den vor einer Woche gestorbenen früheren baden-württembergischen Innenminister und Rothaus-Chef gekommen, die wegen des Andrangs statt in der Kirche in der benachbarten städtischen Jahnhalle stattfand.

Fast alles, was einmal in der CDU Rang und Namen hatte, versammelte sich in der badischen Kleinstadt am Rande des Schwarzwaldes - darunter die früheren Ministerpräsidenten Stefan Mappus, Erwin Teufel und Lothar Späth, viele Ex-Minister und Weggefährten.

Fotostrecke21 Fotos

Dabei waren aber auch eine Reihe von Politikern, die angesichts der über Jahrzehnte währenden schwarzen Übermacht noch resigniert auf der Oppositionsbank saßen und jetzt an der Macht sind - wie SPD-Innenminister Reinhold Gall oder SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel. Andere, wie der amtierende Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), hatten einen prachtvollen Trauerkranz mit gelben Rosen geschickt.

1984 bis 1991 Oberbürgermeister von Gaggenau

Vor der Halle, die mit einem großen Holzkreuz, Kerzen, Tannen und Blumenkränzen geschmückt war, und am Rathaus war auf Halbmast geflaggt. Selbst der Himmel über dem 30.000-Einwohner-Ort schien zu trauern. Thomas Schäuble, der von 1984 bis 1991 Oberbürgermeister von Gaggenau war, gehörte für den heutigen parteilosen Stadtchef Christof Florus zu den „Vorbildern in der Politik“, der die Stadt vorangebracht habe - und er war offenbar auch im Volk beliebt.

Der örtliche CDU-Landtagsabgeordnete Karl-Wolfgang Jägel lobte seinen Freund als „begnadeten Analytiker“, der zugleich bescheiden und „fast anspruchslos“ gewesen sei. Das hat ihn aber nicht an einem rasanten Aufstieg zu verschiedenen Ministerämtern im Land gehindert und auch nicht daran, sich als Innenminister mit einer restriktiven Ausländerpolitik zu profilieren.

Der „kleine Schäuble“, wie der jüngere Bruder von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) immer wieder genannt wurde, hatte gute Aussichten, auch Ministerpräsident zu werden. „Er wäre für alles gut gewesen, es ist ein Jammer“, meinte am Rande der Trauerfeier die frühere Karlsruher Regierungspräsidentin Gerlinde Hämmerle (SPD). Doch die höchsten Weihen im Land soll ausgerechnet der verhindert haben, der Schäuble als Minister nach Stuttgart geholt hatte: Erwin Teufel.

Der "kleine Schäuble" klebte nicht an der Macht

Weil der hartnäckig an seinem Amt festhielt, soll Thomas Schäuble nach 13 Jahren als Verkehrs-, Justiz- und Innenminister genug von der Politik gehabt haben. Er habe gewollt, dass Schäuble in der Landespolitik bleibt, beteuerte Teufel bei der Trauerfeier. Er habe ihm aber seine Bitte, Chef der Rothaus-Brauerei werden zu wollen, „nicht abschlagen“ können - was manche Trauernde doch zu einem bitteren Grinsen veranlasste.

An der Macht klebte Thomas Schäuble jedenfalls nicht - das auch, weil er nach Einschätzung seines Freundes Jäger „viel zu klug war“, um verbissen und verbohrt zu sein. Der vielseitige Jurist, der Musik und dabei vor allem Brahms liebte, war auch ein begeisterter Wanderer. Dass er im Juli 2012 ausgerechnet bei einer Schwarzwaldwanderung einen Herzinfarkt erlitt, der jetzt zum Tod führte, ist nicht nur für seinen Freund Jäger „schicksalhaft“.