Gäufelden Campino rockt die Feuerwehr im Gäu
Sarah Bebb, 20.04.2012 06:01 Uhr
Sänger Campino bei einem Jubiläumskonzert wenige Tage vor dem Auftritt in Nebringen.Foto: dpa
Gäufelden-Nebringen - Tapfer erschienen die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Gäufelden am Donnerstagmorgen zum Dienst. Müde und erschöpft waren sie, hatten doch am Abend zuvor die Düsseldorfer Punk-Rocker von den Toten Hosen beim Geheimkonzert das Feuerwehrhaus komplett auf den Kopf gestellt.
"Das dauert wohl noch eine ganze Weile, bis das Chaos hier aufgeräumt ist", sagt Feuerwehrmann Andreas Bühler mit Blick auf das Nebringer Feuerwehrhaus. "Aber es war das Ganze allemal wert, hier sieht es genau so aus, wie es nach einem Punkrockkonzert aussehen sollte."
Zum 30. Geburtstag auf "Magical Mystery"-Tour
Verantwortlich waren die Toten Hosen, die derzeit anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens in ganz Deutschland auf "Magical Mystery"-Tour sind, und dabei wie in alten Zeiten im ganz kleinen Kreis bei ihren Fans daheim spielen. Der 36-jährige Feuerwehrmann Bühler hatte aber eine ganz besondere Idee, um die Musiker nach Gäufelden zu locken. Gemeinsam mit drei Freunden schlug er seinem Kommandanten vor, ein Bewerbungsvideo in den Hallen der Feuerwehr zu drehen und stieß sofort auf Begeisterung. "Das Ganze war dann eine total spontane Sache." "Ohne auch nur einmal zu proben, hatten wir das Video gleich beim ersten Durchgang im Kasten."
Gefilmt wurde der Erhalt eines Briefs, der die Ankunft der Toten Hosen ankündigt. Sofort wird der Alarm ausgelöst und eine sechsköpfige Feuerwehrtruppe in filmreifer Dramatik gezeigt. Die Feuerwehrautos werden aus der Halle gefahren und mit ein paar schnellen Griffen durch Biertische ersetzt. Dann noch zwei Kästen Bier und die Jungs sind zufrieden mit ihrer Arbeit. "So, jetzt kennet se komma!", schließt das Video.
Überzeugt war davon vor allem Tote-Hosen-Tourleiter Kiki Ressler. Der kam im Februar persönlich vorbei, um sich die Location anzuschauen, kurz darauf folgte die Zusage. "Wir mussten die Neuigkeiten aber ganz schön geheim halten", sagt Bühler. Nur etwa ein Dutzend Leute waren eingeweiht. Sogar als letzte Woche die Einladungen an etwa 130 Feuerwehrleute und Freunde versendet werden, herrscht Geheimnistuerei, aber einige Hinweise für Fans sind dann schon darin versteckt: "Wir feiern bis zum bitteren Ende" und "Alkohol ist auch keine Lösung", lauten die Briefe und spielen damit auf zwei populäre Tote-Hosen-Hits an.
Als es dann am Mittwochabend soweit ist, sind die Gäufeldener perfekt vorbereitet. Die Musikanlagen wurden von einer örtlichen Band ausgeliehen, die Toten Hosen hatten dafür gezahlt. Nur Essen und Trinken musste die Feuerwehr selber stellen
Ein bisschen verspätet kommen dann auch endlich die Düsseldorfer Punk-Rocker an, aber dafür haben alle Anwesenden Verständnis, schließlich reist die Band direkt aus Island an. Die zweieinhalbstündige Show kann Bühler nur als "rattengeil" bezeichnen. Gespielt werden alle großen Hits, vom kommerziell erfolgreichen "Hier kommt Alex" bis hin zu "Eisgekühlter Bommerlunder", das bis heute auf kaum einer Party fehlen darf.
Die zirka 150 Gäste werden sofort von der Energie der Band mitgerissen. Als das Set zu Ende gespielt ist, wollen die Rocker aber noch längst nicht heim. "Irgendwie haben wir es geschafft, noch einen Nüchternen in der Truppe ausfindig zu machen", lacht Bühler. "Dann ging's auf Spritztour mit den Toten Hosen, die wollten unbedingt mal im Feuerwehrauto mitfahren."
Die Band musste dann gehen, am nächsten Tag hatte sie nämlich schon den nächsten Auftritt in der Schweiz, aber für die Feuerwehrtruppe aus Gäufelden ist die Nacht noch lange nicht zu Ende. "Bis um sechs Uhr waren wir noch am Feiern", erzählt Andreas Bühler. "Aber egal, wie viel Dreck, Schmutz und Scherben wir jetzt am nächsten Morgen beseitigen müssen: Das war es wert."



