Furtwangen Uhrwerk erwacht aus dem Dornröschenschlaf

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Foto: Foto: Schwarzwälder-Bote

Die Pfarrkirche St. Andreas in Neukirch erstrahlt nach abgeschlossener Außenrenovierung in frischem Glanz.

Furtwangen-Neukirch. Seit wenigen Tagen tickt im Kirchturm ein historisches Uhrwerk, das der Neukircher Klaus Schonhardt in vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit wieder gangbar machte und im Turm installiert hat. Ein großes Projekt der Pfarrei Neukirch geht zu Ende. Die Außenrenovierung der Dorfkirche ist abgeschlossen und das Gotteshaus präsentiert sich wieder als wahres Schmuckstück. Die Außenfassade erhielt einen frischen Anstrich, die Sandsteineinfassungen der Fenster wurden erneuert und die Giebelfassade des Kirchenschiffs wurde mit Holzschindeln anstelle der wenig ansehnlichen Eternitplatten verkleidet.

Auf rund 330 000 Euro belaufen sich die Gesamtkosten und liegen damit nur unwesentlich über der ursprünglichen Kostenschätzung. Augenfälligste Veränderung ist die Neugestaltung des Kirchturms. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs durch eine Fliegerbombe getroffen, brannte die Kirche am 20. April 1945 ab. Beim anschließenden Wiederaufbau wurde der Kirchturm in vereinfachten, schlichten Formen wieder hergestellt.

70 Jahre lang bliebt der Turm ohne Uhr

Damals wurde auf die Gaupen am Spitzhelm des Turmes und auf die Wiederherstellung der Turmuhr verzichtet. Über 70 Jahre lang blieb der Turm ohne Uhr. Frühere Anläufe, dem Turm wieder sein ursprüngliches Gesicht zu geben und eine Uhr zu installieren, konnten nicht realisiert werden. "Bei der aktuellen Renovierung kam das Thema wieder auf den Tisch und dieses Mal hat es geklappt", freut sich Armin Laule, Mitglied im Pfarrgemeinderat und treibende Kraft der Renovierung.

Im Zuge der Arbeiten, fiel die Entscheidung, den Turm in seiner ursprünglichen Vorkriegsgestalt wieder herzustellen. Die Gaupen am Turmhelm wurden nach alten Vorlagen rekonstruiert und bieten nun Platz für die Zifferblätter der Turmuhr. Nach allen vier Himmelsrichtungen wurde je ein Zifferblatt mit einem Durchmesser von 1,20 Meter installiert. Zifferblätter und Zeiger mussten neu angefertigt werden.

Eine besondere Bewandtnis hat es mit dem Uhrwerk, das seit wenigen Tagen im Turm tickt. Es wurde nicht, wie heute meist üblich, ein modernes, elektronisches Werk installiert, sondern ein großes mechanisches Werk hielt Einzug auf dem Kirchturm.

Nach 50 Jahren wieder im Einsatz

Aus welchem Jahr das gute Stück genau stammt, kann nicht mehr mit Bestimmtheit festgestellt werden. Die Bauweise lässt jedoch eine Entstehung in den 20er-Jahren vermuten. Ursprünglich sorgte das Werk für die Zeitangabe auf dem Kirchturm von Grafenhausen im Hochschwarzwald.

Als die dortige Kirchengemeinde wie damals vielerorts üblich in den 60er-Jahren ein modernes Uhrwerk anschaffte, wanderte das alte Werk auf den Dachboden der Turmuhrenfabrik Schneider in Schonach. Runde 50 Jahre lang fristete es dort seinen Dornröschenschlaf, ehe Klaus Schonhardt ihm wieder neues Leben einhauchte.

In 80 Stunden Einzelteile wieder zusammengesetzt

Schonhardt war über viele Jahre bei der Turmuhrenfabrik Schneider beschäftigt und ist zwischenzeitlich im Ruhestand. Als es um die Beschaffung einer Turmuhr für Neukirch ging, kam die Idee auf, das alte historische Uhrwerk vom Speicher in Schonach zu holen und auf den Neukircher Turm zu bringen.

Viel ehrenamtliche Arbeit steckte Klaus Schonhardt, der in Neukirch wohnt, in das Projekt. In rund 80 Stunden zerlegte er das Werk in seine Einzelteile, die er gründlich reinigte, wieder auf Hochglanz brachte und anschließend wieder zu einem funktionstüchtigen Werk zusammensetzte. Kürzlich war es dann soweit. Schonhardt transportierte das gute Stück in den Kirchturm, wo es nun seinen Dienst tut. Neben dem alten Uhrwerk hielt auch moderne Technik Einzug. Damit das alte mechanische Werk immer die exakte Zeit anzeigt, wurde eine Synchronisation eingebaut.

Jede Stunde wird das Werk mit einer Funkuhr abgeglichen und bei Bedarf entsprechend vor- oder zurückgestellt. Auch zum Aufziehen der schweren Gewichte muss niemand eigens auf den Kirchturm steigen. Alle sechs Stunden zieht ein Elektromotor die Gewichte wieder nach oben. Noch fehlen die Schlaghämmer, die künftig für den Viertel- und den Stundenschlag sorgen werden.

Diese sollen in den kommenden Wochen installiert werden, sodass die Neukircher dann wieder hören, was die Stunde geschlagen hat.

Glocken mit neuen Holzjochen ausgestattet

Auch hier wird Klaus Schonhardt wieder in Aktion treten und das Schlagwerk in ehrenamtlicher Arbeit installieren. Und noch ein weiteres Projekt ist erst kürzlich fertiggestellt worden. Alle vier Glocken haben neue Holzjoche anstelle der alten aus Stahl erhalten und auch die Klöppel von 1953 wurden nach 63 Jahren gegen neue ausgetauscht.

Die Neukircher können stolz sein auf das gelungene Werk und auch Armin Laule ist die Freude über die gelungene Renovierung "seiner" Kirche anzumerken. "Es ist wirklich schön geworden und die Leute aus dem Dorf freuen sich über ihre schmucke Kirche", blickt Laule zufrieden auf das große Projekt zurück.

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