Furtwangen - Die Fasnetferien sind vorbei und die Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums mit Realschule müssen wieder zur Schule. Besonders schwer haben es derzeit die "Laufschüler" vom Kussenhof.

Die erste Herausforderung ihres Schulmorgens besteht in der Bewältigung des Schulwegs. Offiziell führt dieser durch die Stadt.

Tatsächlich aber gehen nach einer aktuellen Erhebung von Realschullehrers Oliver Gibson jeden morgen 49 der 69 am Kussenhof wohnenden Schüler des OHG über den Ilben auf den Raben zum höchstgelegenen Gymnasium Westdeutschlands. Auf dem Ilben stoßen weitere 52 Schüler hinzu.

Der Weg führt größtenteils über unbefestigte, nicht geräumte Fußwege, aber auch die Alternative, der Weg durch die Stadt, würde für die Schüler aus dem Bereich Kussenhof über die ungeräumten und oft stark vereisten Treppe führen, die Friedlandweg und Neue Heimat verbindet oder, in diesem Fall, trennt.

Deshalb entscheiden sich die Schüler in der Regel für den in der Hälfte der Zeit zu bewältigenden Fußpfad, der an der Langeck beginnt und steil den Berg hinunter auf die Weiherstraße führt.

Dabei macht der Trampelpfad im Laufe des Winters einen immer größeren Bogen um den stetig wachsenden Schneeberg, der vom Räumdienst oben am Berg auf den Weg geschoben wird. "Bei viel Schnee führt der Weg sogar unter der Schaukel des, neben dem Weg liegenden privaten Grundstückes hindurch", berichtet Andreas Schulte, Schüler des OHG.

"Diejenigen, die als erstes den Weg hinunter gehen, müssen nach jedem nächtlichen Schneefall einen neuen Weg stampfen", erzählt er weiter. Und dabei kann es schon mal vorkommen, dass der Schnee hüfthoch liegt. Unten am Berg führt der Fußweg unter einer riesigen Fichte hindurch. "Hier ist es oft vereist und der Weg wird sehr steil", meint Andreas.

Mit dem Rutschteller den Berg hinunter

Da haben einige Grundschüler der Anne-Frank-Grundschule ihre eigene Lösung gefunden: Sie fahren mit dem Rutschteller den Berg hinunter.

"Das Problem ist aber nicht nur der Berg, sondern die Treppen, besonders die Treppe zum Raben", sagt Andreas. Hier geht er bei besonders miserablen Verhältnissen außen herum über die Straße .

Auch Tina Schirmaier, Siebtklässlerin, beschreibt diesen Abschnitt als "sehr rutschig und glatt". "Da hangeln sich die Schüler an den Sträuchern und Ästen hoch. Und wenn einer ausrutscht, wird auch mal eine Kettenreaktion ausgelöst", ergänzt Julia Löffler. Wer es dann die Treppe hinauf geschafft hat, findet sich auf einem meterhohen Schneebord wieder, das steil auf auf die Straße abfällt.

Nicht nur in diesem Sinne findet Julia die "Siedle-Treppe" äußerst gefährlich. Denn aus dem Schnee schauen zusätzlich Eisenstifte heraus, die die hölzernen Treppenstufen halten.

Noch schwieriger als das Hochkommen, ist aber das Runterkommen. "Vor allem weil die jüngeren Schüler immer die Treppen hinunterrutschen, wird der Weg extrem glatt", beschwert sich Andreas.

Unverständlich finden die Schüler außerdem, dass die Treppen unterhalb des OHG, die direkt zum Neubau führen, lediglich bis zum Hausmeisterhaus geräumt werden.

Auch Lehrer Oliver Gibson kann die Schulwegsituation im Winter nicht nachvollziehen: "Es ist eine Katastrophe. Den Autos wird die Straße wunderschön geräumt, und die Schüler bräuchten im Winter eigentlich Steigeisen, um den Weg zur Schule zu erklimmen. Ganz wichtig wäre wieder ein Geländer bei den Siedle-Treppen."

In einem sind sich die Schüler jedoch einig: Trotz des schweren und mühsamen Schulwegs im Winter gehen sie gern zu Fuß zur Schule. Andreas Schulz schlussfolgert: "Ich muss nie in der Kälte auf einen Bus warten, komme auch bei stärkstem Schneefall, wenn die Busse auf der Rabenstraße hängen, zur Schule hoch und die frische Luft jeden morgen macht einfach wach."