Friesenheim - "Niemand hat das Recht, jemand anderem das Leben zu nehmen" ist seit gestern auf der Internetseite der Rockergruppe Hells Angels in Lahr zu lesen. Was vorgestern noch Spekulation war, bestätigen die Rocker nun selbst.

Bei dem 49-Jährigen, der am Dienstag von einer Spaziergängerin erschossen neben der Leutkirche im badischen Örtchen Friesenheim-Oberschopfheim gefunden wurde, handelt es sich um ein Mitglied der Hells Angels. Möglicher Hintergrund des Mordes: ein Rockerkrieg.

Gleich mehrere Polizeifahrzeuge waren noch gestern in Oberschopfheim geparkt. Polizeibeamte streiften um die Kirche. Auch einen Tag nachdem der Tote gefunden wurde, sichert die Polizei Spuren. Zumindest halten sich die Beamten in der Nähe der Kirche auf. Die Polizisten stehen vor einem Rätsel. Auch nach der Obduktion seien die Todesumstände unklar, hieß es. Wie viele Schüsse auf den Mann abgegeben worden waren, wollte die Polizei nicht sagen. Die Beamten schwiegen auch gestern noch. Hintergründe zum Mord wollten sie nicht geben. Aus Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen der 40-köpfigen Sonderkommission "Feld", die in alle Richtungen ermittle.

Die Dorfbewohner sind geschockt über den Mord, darüber dass ein solch grausames Verbrechen vor der eigenen Haustür geschehen ist. Schon gestern aber waren in Oberschopfheim selbst und auch im Internet auf verschiedenen Nachrichtenseiten erste Spekulationen aufgetaucht. Beim Mord an dem 49-Jährigen könne es sich um einen Streit im Rockermilieu handeln. Die Vermutung, dass der Mann Mitglied des Lahrer "Black Forest"-Chapters der Hells Angels war, stützten verschiedene Einträge im Online-Gästebuch des Motorradclubs. Beileidsbekundungen für "Tommys" Kameraden und seine Familie gingen dort ein. Zehn waren es gestern schon, einige weitere muss der Administrator noch freigeben. Und dann äußerte sich auch offiziell ein Sprecher der Rockervereinigung. Rudolf "Django" Triller bestätigte damit die Spekulationen. Der Tote sei Mitglied der Hells Angels gewesen, sagte er.

Die Polizei Offenburg wollte dies zunächst weder dementieren noch bestätigen.

Der Mann habe dem Hells Angels-Charter "Black Forest" angehört, sagte Triller weiter. Da die Rockergruppe aber unter ständigem Generalverdacht stehe, wolle sie sich zu keinen weiteren Details des Kriminalfalles äußern. Der Tote sei ihm persönlich nicht bekannt, sagte Triller noch.

Auch das Mordopfer selbst, Vater eines elfjährigen Sohnes, war in Oberschopfheim keineswegs offensiv mit seiner Mitgliedschaft bei den Hells Angels umgegangen. Vielmehr wird er als relativ unauffällig beschrieben. Er soll im Haus seiner Mutter gewohnt haben und zuletzt keiner geregelten Arbeit nachgegangen sein. Er habe nie "Stress gemacht" und sei eher ein umgänglicher, gesprächiger und geselliger Mensch gewesen, heißt es im Ort. Auf dem Weg, auf dem der Mann nun tot gefunden worden war, sei er gerne mit seinem Rottweiler spazieren gegangen.

Die Gründe für den gewaltsamen Tod des Oberschopfheimers bleiben vorerst im Dunkeln. Über Rocker-Rivalitäten, wie man sie aus anderen Teilen der Bundesrepublik kennt, ist in der Lahrer Gegend nichts bekannt. Ausgeschlossen werden kann ein Rockerkrieg als Mordhintergrund aber nicht. In Süddeutschland waren die Hells Angels in den letzten Jahren immer wieder wegen Auseinandersetzungen mit ihren Rockerrivalen "Outlaws MC" ins Visier der Polizei geraten. In Pforzheim ist die "Angels"-Gruppierung "Charter Borderland" seit Januar 2012 sogar rechtskräftig verboten.