Freudenstadt Zuschauer-Flaute bei Rockfestival
Peter Morlok, 14.05.2012 09:01 UhrFreudenstadt - Mutig, mutig, auf was sich die Verantwortlichen der ersten Black-Forest-Invasion da eingelassen hatten. Zwei Tage lang – Freitag und Samstag – stand Rock aus deutschen Landen auf dem Programmzettel.
Da wurde nicht gekleckert, sondern richtig geklotzt. Nicht nur Bands, die in der heimischen Szene seit Jahren bekannt sind, sondern auch echte Mega-Stars der deutschen Rockszene heizten den Fans im großen Zelt, das im Gewerbepark Sulzhau aufgestellt war, ein.
Den Anfang machte am Freitagabend die Sulzer Formation "Fraglicht", gefolgt von der ehemals als Projektgruppe gegründeten Indie-Band "Mikroboy", die mit treibendem Sound und viel Synthesizer schon mal die musikalische Messlatte relativ hoch hängten. "Bring mich irgendwo hin – wo die Wunden verheilen und ich einfach verschwinde", heißt es in einem ihrer Songtexte, der in keineswegs als Anspielung auf den recht mäßigen Zuschauerbesuch am frühen Freitagabend zu werten war. Nach den "Microboys" gaben sich zwei der aktuellsten deutschsprachigen Rockinterpreten das Mikro in die Hand. Zuerst eroberte Johannes Strate, bekannt als Frontmann der Hamburger Band "Revolverheld" die Bühne und die Herzen der rund 250 Besucher.
Alltags-Sehnsüchte als gemeinsamer Nenner
Goldene Schallplatten, Echo-Nominierung und ausverkaufte Tourneen sind für Strate fast schon Alltag. Dass da also ein echter Star auf der Bühne stand, ließ er jedoch nicht raushängen. Ohne Spur von Allüren spielte er mit und für seine Fans. "Wir sind derzeit auf Klassenfahrt", kündigte er locker seine Solo-Tour an und rockte anschließend den schwarzen Wald mit eigenen Songs, die durch lyrische Texte und reich instrumentierten Schmusesound überzeugen. Als Überraschungsgast hatte er Greg Holden, einen US-amerikanischen Songwriter aus New York, mitgebracht, mit dem er zusammen zwei Stücke spielte, die von den Fans sofort mitgesungen wurden. Es war Spaßmucke pur.
Noch einen Tacken bekannter als Johannes Strate ist der in Mannheim lebende Pop-Musiker und Produzent Laith Al-Deen. "Hey – die ersten vier Lieder sind stark gefühlsbetont. Sie rufen geradezu zum Verzeihen auf – lasst uns also zusammen ein Massenverzeihen machen", scherzte er ins Mikro, um dann sein neues Repertoire in Ausschnitten vorzustellen. Vier Bands, die ihre Muttersprache nutzen, um Gefühle und Erlebtes auszudrücken, die sie in völlig unterschiedliche Rhythmusansätze verpacken, um sich doch irgendwie in den Sehnsüchten des Alltags zu treffen – das war schon ein recht ungewöhnlicher Auftaktabend zu einer wunderbaren Invasion.
Am zweiten Tag wurde der Sound etwas härter. Die Lokalmatadoren von "Accused Drug" aus Horb sowie "Funkskirt" und "Crekko" aus Freudenstadt, aber auch "Luis und Laserpower", die vielen Musikbegeisterten noch von ihren Auftritten im legendären Club "Seewald" recht gut in Erinnerung sind, spielten die grauen Wolken über dem Wald einfach weg und sorgten mit Groove und Instrumentenbeherrschung für beste Laune.
Selbst Oberbürgermeister Julian Osswald ließ es sich nicht nehmen, zusammen mit seinem Sohn bei der Veranstaltung vorbeizukommen. Natürlich schaute er nicht nur der Musik willen vorbei, sondern überzeugte sich auch davon, wie die Mittel des Jugendforums, mit dem die Veranstaltung gesponsert wurde, investiert wurden. Die großen Melodienbögen und brachialen Riffs von "The Intersphere" verpasste er jedoch ebenso wie die schaurig-schöne Horror-Inszenierung "Götter- Dämmerung" von "Megaherz". Die fünf Münchner Jungs boten eine recht rockig angehauchte Vorstellung der "neuen deutschen Härte". Sie trafen den Geschmack der Festivalgäste mit düsteren Texten, wummernden Basslinien und treibenden Drums. Ein Sound, der sich in den Gehirnwindungen festfrisst.
Ein guter Schluss ziert alles, sagt zumindest ein Sprichwort, und dass es stimmt, das bewies Marta Jandova mit ihrer Rockband "Die Happy". Vom Klischee "Junge Dame singt Balladen und Schmusesongs" war nichts zu hören. "Die Happy" drehten zum Ende des Lineup die Lautsprecherregler nochmals auf volle Lautstärke, fegten wie ein Orkan über die Bühne und ließen doch noch so etwas wie Open-Air-Stimmung aufkommen.
Die Invasion auf diese Veranstaltung aber blieb aus. Keine 800 Leute fanden an beiden Tagen den Weg ins Industriegebiet. Die Organisatoren rechnen deshalb mit einem ordentlichen Defizit, wie Frank Würth, Geschäftsführer der BlackForest Veranstaltungs GmbH, unserer Zeitung sagte. Ob das Festival in eine zweite Runde geht, vermag er darum jetzt noch nicht zu sagen.




Schade
Wirklich schade, dass es nicht erfolgreich war. Lag sicherlich zum Teil am Wetter und zum Teil an der mageren Bewerbung und an der Lautstärkebegrenzung. Gut, und Laith Al Deen ist halt sicherlich nicht jedermanns Geschmack.