Freudenstadt Wohnungssuche ist fast aussichtslos

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Von Hartmut Breitenreuter

Der größte Weihnachtswunsch wird für Timo und Swetlana Kais nicht in Erfüllung gehen. Sie leben mit ihren fünf Kindern in drangvoller Enge. Doch sie finden in Freudenstadt keine größere Wohnung, die dringend notwendig wäre.

Freudenstadt. Dass in Freudenstadt Mietwohnungen und vor allem bezahlbare Mietwohnungen Mangelware sind, ist nicht neu. Die Stadtverwaltung hat schon Hausbesitzer angeschrieben, um freien Wohnraum dem Markt zur Verfügung zu stellen. Doch für eine Großfamilie scheint es fast unmöglich zu sein, eine adäquate Wohnung zu finden.

Die Familie Kais ist ratlos. Alle Möglichkeiten hat sie genutzt, um eine größere Wohnung zu bekommen. Angefangen bei Zeitungsanzeigen, über Facebook oder einen Immobilienmakler – alles vergeblich. In Facebook habe es nur blöde Kommentare wie "Flüchtlinge gehen vor" gegeben, schildert Timo Kais.

Große Hoffnungen setzte das junge Ehepaar auf den Kontakt zur Stadtverwaltung Freudenstadt. "Doch da bekamen wir nur die Antwort, dass keine Wohnungen zur Verfügung stehen und dass uns die Stadt nicht weiterhelfen kann", sagt Timo Kais. "Wir sind barsch abgewiesen worden".

Bis zum Oberbürgermeister seien sie erst gar nicht vorgedrungen. Als das Ehepaar erfuhr, dass die Städte und Gemeinden jetzt vermehrt Wohnungen für die Anschlussunterbringung von Flüchtlingen benötigen, sank die Hoffnung auf ein größeres Domizil weiter. Bürgermeisterin Stephanie Hentschel gibt auf Anfrage unserer Zeitung zu, dass vor allem große Mietwohnungen in Freudenstadt fehlen. Die Stadt habe zwar eigene Wohnungen, doch die seien alle vermietet. "Die Familie müsste sich vielleicht nach einem Haus umsehen", sagt Hentschel, wohl wissend, dass in Freudenstadt auch Miethäuser schwer zu bekommen sind.

Das Thema Mietwohnungsbau werde bei der Stadt gerade beraten und diskutiert. "Wenn wir selbst Häuser bauen würden, wären die Wohnungen auch nicht größer als fünf Zimmer", so Hentschel. Eine Familie mit fünf Kindern müsste dann wohl zwei Wohnungen suchen.

Doch ob es eine städtische Wohnungsbaugesellschaft geben wird, hält Stephanie Hentschel für fraglich. "Es ist die Frage, ob wir uns das leisten können", meint sie. Freudenstadt sei dazu fast zu klein. Außerdem könne man mit Mietwohnungen kaum mehr eine Rendite erzielen. Die Stadt bemühe sich, Wohnungen zu akquirieren. Doch in der Wohnungsbörse auf der Internetseite der Stadtverwaltung gebe es derzeit kein Angebot.

Die Stadt habe über die Wasserrechnungen erneut alle Immobilienbesitzer angeschrieben, damit sie freien Wohnraum melden. Bei der letzten Aktion dieser Art habe man immerhin 50 Wohnungen auf den Markt gebracht. Der Familie Kais kann Bürgermeisterin Hentschel nur eins raten: "Sie müssen einen langen Atem haben."

Drei Jahre wohnen Timo und Swetlana Kais mit ihren fünf Kindern nun in der Straßburger Straße in einer Wohnung auf 110 Quadratmetern. Die drei Mädchen und zwei Jungen sind elf, sieben, sechs, und drei Jahre alt. Die kleine Lea kam vor sechs Monaten auf die Welt. Vier Kinder müssen in einem Zimmer mit Stockbetten schlafen, die Kleinste schläft im Elternschlafzimmer im Kinderbettchen. Besonders für die elfjährige Jana wünschen sich die Eltern ein eigenes Zimmer, denn sie benötige dringend etwas Privatsphäre, meint Swetlana Kais. Als die Familie in die Straßburger Straße zog, waren es drei Kinder, die Swetlana Kais in die Ehe mitgebracht hatte. "Schon damals war es schwierig, etwas zu finden", schildert Timo Kais. Es war eine frühere Arztpraxis.

Im Alltag der Großfamilie muss viel improvisiert werden. In Küche und Esszimmer herrscht drangvolle Enge. "Eigentlich bräuchten wir einen größeren Tisch", sagt Timo Kais. Doch der passt nicht in das Zimmer. Da es keine Waschküche gibt, musste auch die Waschmaschine in der Küche untergebracht werden. Kühlschränke und Gefriertruhe sind in verschiedenen Zimmern verteilt. Rückzugsmöglichkeiten gibt es für die Kinder kaum.

"Wir wollen keinen Luxus", betont das Ehepaar. Der siebenjährige Brendan braucht einen Schreibtisch, ebenso sein Bruder und seine Schwester. Es hat aber nur ein Schreibtisch in der Wohnung Platz. "Die Geschwister müssen sich immer um den Schreibtisch streiten", weiß Swetlana Kais. Inzwischen kann sich die Großfamilie auch vorstellen, in die nähere Umgebung, beispielsweise nach Loßburg, zu ziehen. Doch wenn möglich, sollen die Kinder in ihren Schulen bleiben. Einen Lichtblick gab es kürzlich, als in der Murgtalstraße eine Fünf-Zimmer-Wohnung ausgeschrieben war. "Doch als der Vermieter hörte, dass wir fünf Kinder haben, hat er gleich abgewunken", so Timo Kais. Seit zwei Jahren ist die Familie nun auf Wohnungssuche und wird Weihnachten in der Straßburger Straße verbringen.

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