Freudenstadt - Nach dem Tod eins mit der Natur zu sein, ist ein Wunsch, den die Stadt Freudenstadt vielleicht schon im Sommer 2013 erfüllen kann. Bereits 46 Bäume wurden im Ruhewald beim Kienberg kartiert. Eine Bestattung unter Bäumen – was zunächst recht einfach klingt, bedarf nach den Ausführungen des Bauamtsleiters Rudolf Müller vor den Mitgliedern des Ausschusses für Infrastruktur und Umwelt einer gründlichen Planung.

Von der Begehbarkeit der Wege über die Bestimmung geeigneter Bäume bis hin zum Ablauf des Regenwassers muss an vieles gedacht werden – auch von Seiten des Gemeinderats, der Schritt für Schritt die Umsetzung des Ruhewalds mit verfolgt.

Weil bislang nicht klar ist, wie intensiv die Möglichkeit der Urnenbestattung im Ruhewald im Bereich des Lauferbrunnens überhaupt nachgefragt wird, fällt auch die Kostenkalkulation schwer. Der Bauamtsleiter rechnet für die Bereitstellung des 0,7 Hektar großen städtischen Waldstücks bislang mit Gesamtkosten in Höhe von 40 000 Euro. Wie bei den städtischen Friedhöfen muss auch der Ruhewald kostendeckend sein. Bei der Berechnung spielen neben der Belegungzahl auch so genannte Liegezeiten, also die Belegungsdauer der Grabstelle, eine Rolle. "Hier werden wir noch Rechenbeispiele vorlegen", erklärt Müller.

"Dezentes" Wegenetz wird angelegt

Bislang sehen die Planungen wie folgt aus: Nach einem positiven Votum des Gemeinderats wird die für den Ruhewald vorgesehene Fläche zunächst durchforstet, also von Gestrüpp und störendem Geäst befreit. Müller: "Das Holz werden wir als normalen Holzertrag herausnehmen." Da eine Entwässerung der Anlage gewährleistet sein muss, wird eine Drainage angelegt. "Das lässt sich gut umsetzen, weil alte Gräben bereits vorhanden sind", so Müller. Die bestehenden Rückgassen, die auch künftig von den Forstmitarbeitern genutzt werden, müssen befestigt werden. Mit Holzschnitzeln wird ein "dezentes" Wegenetz angelegt, das aber nicht zu stark in die natürliche Umgebung eingreifen soll.

Eine genaue Kostenkalkulation soll der Ausschuss bis zum Frühjahr erhalten. "Dann kann bis zum Sommer 2013 der Ruhewald in Betrieb genommen werden", meint der Amtsleiter.

Bereits im Mai hatte der Gemeinderat grünes Licht für die Umsetzung eines Ruhewalds nahe des Kienbergs gegeben. Bei der Bestandsanalyse der dort wachsenden Bäume wurden 46 für geeignet befunden. Baumbestattungen wären zum jetzigen Zeitpunkt demnach unter 22 Weißtannen, 8 Rotbuchen, 7 Kiefern, 5 Fichten, einer Roteiche, einer Birke, einem Bergahorn und einer Lärche möglich. In Urnenplätzen ausgedrückt: Bei sechs bis acht Urnen je Baum bietet der Ruhewald Platz für 280 bis 360 Urnen. "Je nach Nachfrage müsste der erste Abschnitt für zehn Jahre ausreichen", sagte Oberbürgermeister Julian Osswald. Erweiterungsfläche gebe es zum einen innerhalb des Abschnitts durch nachwachsenden Bäumbestand, zum anderen rechter Hand direkt angrenzend in einem zweiten, 0,7 Hektar großen Teilabschnitt.

Andreas Bombel (CDU) begrüßte die Ausführungen des Bauamtsleiters, bemängelte aber, dass der beim Eingangsbereich zum Ruhewald vorgesehene Versammlungsplatz ungeschützt sei. "Ich sehe da ein Dächle", sagte der Stadtrat und bat Osswald darum, seine Bitte im Hinterkopf zu behalten. Für Osswald ist die Richtung allerdings klar – keine bauliche Einrichtung. Auch im Hinblick auf die Kirchengemeinden in Freudenstadt, die zwar gerne eine Angliederung der Baumbestattung an den städtischen Friedhof gesehen hätten, den Ruhewald als Bestattungsangebot aber mittragen würden, so der OB. "Der Platz soll von Menschen als Andachtsplatz angesteuert werden, Gottesdienste sollen hier nicht abgehalten werden." Hermann John (FWV) bemerkte hierzu: "Wenn schon Geld in die Hand genommen wird, dann aber lieber für unseren Friedhof."