Kreis Freudenstadt Sammelbecken für Neonazis der Region

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Foto: Hopp

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Kreis Freudenstadt - Die rechtsextremistische Kleinpartei "Der III. Weg" zeigt sich im Kreis Freudenstadt immer aktiver. Für die meisten Neonazis der Region scheinen sie das Sammelbecken geworden zu sein. Auch auf den Weihnachtsmärkten in Freudenstadt und Horb waren die Rechtsextremisten vertreten.

Horber Bürgern fiel am Samstag vor dem jüdischen Betsaal in Horb vier junge Männer auf. Und tatsächlich, es waren Neonazis, die für "Der III. Weg" Aufkleber an Laternenmasten und andere Orte klebten. Nicht zum ersten Mal kam es in Horb zu dieser nicht genehmigten Klebeaktion. Nach einer ersten Klebeaktion im Oktober war dies der vierte Vorfall, bei dem Neonazis rund um den Jüdischen Betsaal auffällig wurden. Auch ein Flugblatt der rechtsextremistischen Partei wurde bereits am 1. November in die Briefkästen des Hauses Jüdischer Betsaal gesteckt.

Blieben die "illegalen Kleber" bisher unbekannt und konnten auch nicht auf frischer Tat ertappt werden, so war das am Samstag das erste Mal anders. Die Polizei fing die Gruppe ab: Allerdings versteckten sich zwei der vier jungen Männer in Hauseingängen. Die Polizei nahm laut Pressestelle die Personalien auf und verwarnte die beiden vernommenen Männer. Ein Fall von Sachbeschädigung liege allerdings nicht vor, weil man die Aufkleber ja wieder abmachen könne, so der Polizei-Pressesprecher. Beide Männer seien keine Auswärtigen gewesen. Sie stammen aus dem Landkreis Freudenstadt.

Und tatsächlich ist in den letzten Wochen und Monaten eine vermehrte Aktivität des "III. Wegs" im gesamten Kreis Freudenstadt zu erkennen – nicht nur mit Aufkleber-Aktionen. Bei Bürgerversammlungen zu Flüchtlingsunterkünften in Horb-Dettingen oder Freudenstadt-Wittlensweiler versuchten sie, Stimmung gegen Flüchtlinge und die Unterbringung zu machen – allerdings erfolglos und mit Gegenwehr von Bürgern der Ortschaften.

Auch auf den Weihnachtsmärkten in Horb und Freudenstadt zeigten sie sich. Hier waren "nationale Weihnachtsmänner", wie die Neonazi-Partei auf seiner Homepage schreibt, im Einsatz. Ihre Einschätzung geben sie auch dort wieder: "Die Resonanz der Menschen auf die Verteilung fiel durchweg positiv aus. So freuten sich die Kleinen über die leckeren Plätzchen, während die Großen sich mit den Inhalten der Infoschrift befassten und oftmals augenscheinlich nachzudenken begannen."

Bundesweite Tierheim-Aktion

Zuletzt sorgten sie mit ihrer bundesweiten Tierheim-Aktion für Aufsehen. Auch das Tierheim in Horb-Talheim erhielt eine Futterspende. Die Tierheimleiterin hatte zunächst keine Kenntnis, von wem die Spende kam und zeigte sich erschüttert.

Ein Szenekenner geht davon aus, dass sich die zuvor in Erscheinung getretenen rechtsextremistischen Kameradschaften im Kreis Freudenstadt mittlerweile dem "Dritten Weg" angeschlossen haben. Viele sind in bekannten Unternehmen im Kreis oder in der Nachbarschaft beschäftigt, sind dort unauffällig. Auf Facebook allerdings machen sie ihre Gesinnung oftmals deutlich – und immer wieder führt die Spur zum "Dritten Weg".

2015 gründete die Partei ihren "Stützpunkt Württemberg" im Schwarzwald. Wo genau, das schreiben sie auf ihrer Homepage nicht. Einer der Protagonisten der Neonazi-Szene im Kreis ist der rechtsextremistische Liedermacher "Resistentia", der in Eutingen-Weitingen wohnende Patrick B. Auch er soll sich mittlerweile der Partei angeschlossen haben. Nach Recherchen des SWR-Politikmagazins "Zur Sache Baden-Württemberg!" breitet sich die rechtsextreme Partei "Der Dritte Weg" besonders im Gebiet zwischen dem Südschwarzwald und dem Bodensee sowie in der Region zwischen Göppingen und Esslingen aus.

Die Polizei hat derzeit keine aktuellen Kenntnisse über die Aktivitäten des "Dritten Weges". Diese würden sich eher im Dunkelbereich bewegen. Personen, so weit bekannt, seien erfasst. Von Horber Bürgern ist OB Peter Rosenberger gebeten worden, Anzeige gegen die Aufkleberaktionen zu erstatten. Er verspricht: "Wir werden alles tun, was möglich ist, um gegen rechtsextremistische Umtriebe vorzugehen."

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