Seit Ende Mai lebt Julia Baiker in Shanghai, im Osten Chinas. Zweimal im Jahr kommt sie nach Hause ins heimatliche Empfingen. Einen Heimaturlaub hat sie in diesem Jahr extra so gelegt, dass sie am 11. November am Hohenzollern Berglauf teilnehmen kann. Es wird ihr 20. Lauf zur Burg infolge sein.

Um es vorweg zu sagen: Papa Hans-Peter Baiker hat seine Tochter infiziert. Er hat sie angesteckt mit dem Laufvirus, den er selber seit dem zwölften Lebensjahr in sich trägt. Kein Wunder, dass der Herr Papa Vorbild und Trainer zugleich wurde. Mit sieben Jahren lief die Kleine als jüngste Teilnehmerin mit ihrem Vater zum ersten Mal beim Hohenzollern Berglauf mit und erhielt einen Pokal. "Da musst du immer mit mir hochlaufen, egal wie alt du wirst", meinte Klein-Julia begeistert.

Ein ganz großes Vorbild des Mädchens war der äußerst erfolgreiche Langsteckenläufer und Olympiasieger über 5000 Meter, Dieter Baumann. Der sei halt ihr Vorbild, meinte einmal die Zehnjährige auf die Frage eines Fernsehreporters, "mein Vater ist mir einfach zu langsam". Dieser war absolut nicht eingeschnappt, freute sich über den Ehrgeiz der Tochter und dachte wohl an das alte Sprichwort "Das Bessere ist der Feind des Guten".

Als beginnender Teenager, in einem durchaus heftigen Alter, kristallisierte sich für Julia die Bedeutung des Laufsportes heraus. "Ich kann mir ein Leben ohne Laufen nicht vorstellen", sagte Baiker – und behielt damit bis heute Recht. "Sie hat zwar in all den Jahren nie hoch professionell trainiert", erklärt ihr Vater, "aber zeitweise fünf bis sechs Mal pro Woche Training waren schon drin".

Im Jahre 2003 hat Julia Baiker mit dem Sommer-Biathlon und mit Triathlon begonnen und es in den folgenden Jahren zu einigen vordersten Plätzen und Meisterschaften gebracht. Nicht genug damit, hat sie sich im Alter von zwölf Jahren auch dem Kampfsport Karate gewidmet. Auch hier scheint der Vater als Kampfsportler Vorbild gewesen zu sein. Die Sportart hat sie zwar dann zurückgestellt, mittlerweile aber wieder damit angefangen.

Für den am 11. November stattfindenden Lauf würde Hans-Peter Baiker gerne für eine Überraschung sorgen. "Ich würde mich sehr freuen, wenn Läuferinnen und Läufer, die schon mit Julia gelaufen sind, wieder als Begleitmannschaft mit von der Partie wären". Selbst wenn das nicht klappen sollte, wäre Hans-Peter Baiker froh, fänden sich an der Strecke einige Schlachtenbummler ein, die die "Heimkehrerin" entsprechend anfeuerten. Ob in Shanghai die Möglichkeit zum Training bestand, wird vermutlich die Laufzeit zur Burg zeigen. Mit 00:43:29 belegte die für "Sommerbiathlon, SV Empfingen" startende Läufern 2011 den zweiten Platz in ihrer Klasse. Mit ihrer Zeit war sie zehn Minuten schneller als ihr Vater. Der ist allerdings Baujahr 1955 und denkt auch nicht im Ernst daran, mit seiner 31 Jahre jüngeren Tochter konkurrieren zu wollen.