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Freudenstadt - Mit einer mitreißenden Aufführung feierte das Sommertheater in Freudenstadt vor voll besetzten Rängen Premiere seines Stücks "(Die) Räuber". Es wird bis 21. August jeweils dienstags bis samstags ab 20 Uhr beim Hotel Waldlust unter freiem Himmel aufgeführt.
Es stimmte so ziemliche alles beim Premiereabend: Die großartige Kulisse des alten Hotels und später der Wiese auf dem Kienberg, wo der Waldrand klug mit ins Spiel einbezogen wurde; der Spaziergang durch das Hotel und über den Serpentinenweg hinauf zur Bühne; das Stück selbst und seine fantasievolle Inszenierung; die eindrucksvolle Gesamtleistung von Laienspielern, Musikern und Technikern unter der Regie von Paul Siemt und nicht zuletzt das Wetter.
"Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral". Die eine oder andere Anleihe bei Bertold Brecht war gestattet bei den Gaunergeschichten aus dem Schwarzen Wald von Peter Höfermayer. Auf der einen Seite die Frauen und Männer, die aus Hungersnot zu Räubern werden und doch von einem ganz bürgerlichen Leben träumen, auf der anderen Seite die satten, selbstgerechten Bürgersleut’.
In diesem Spannungsfeld sind jede Menge Szenen angesiedelt. Mal lustig, mal pfiffig, mal turbulent, mal anrührend, aber nie oberflächlich. Die Laienschauspieler füllen das mit prallem, sattem Leben, allen voran Uwe Kotschner als schöner Fritz und Lena Bartholomä als dessen Braut. Sie haben ihre beste Szene im Gefängnis, als sie von einer weißen Weste träumen. Doch die ist leider nur geklaut.
Geschickt überbrücken die tapsigen Dorfbüttel Peter Honecker und Lorenz Schneider die einzelnen Szenen und den mit eindrucksvollen Bildern bestückten Spaziergang auf den Kienberg. Und herrlich sind die Überfälle im Kuschelbett mit Karen Arnold und Hans Lambacher. Die Drei-Personen-Kapelle unterstreicht Schlüsselszenen mit prägnanten Kompositionen von Susan Jones als musikalische Ausrufezeichen.
Paul Siemt ist mit den "Räubern" und einer prächtigen Ensembleleistung ein großer Wurf gelungen. Das Stück wirkt authentisch durch seine Kulisse, ist gespickt mit schlitzohrigen Regietricks, die von den Darstellern genüsslich ausgespielt werden und geht dennoch unter die Haut. Es hat das Zeug, ein Erfolg wie das "Kalte Herz" zu werden. Den herzlichen, geradezu stürmischen Applaus hatte das Ensemble am Premiereabend wohl verdient.