Freudenstadt - Die Ärzte in der Notfallaufnahme des Freudenstädter Krankenhauses werden entlastet, die niedergelassenen Ärzte auch, und die Patienten werden schneller behandelt. Das alles verspricht die Notfallpraxis, die im Freudenstädter Krankenhaus am Samstag, 2. März, eröffnet.

Ab März betreiben die niedergelassenen Ärzte aus Bad Rippoldsau-Schapbach, Baiersbronn, Dornstetten, Freudenstadt, Glatten, Pfalzgrafenweiler, Schopfloch, Seewald und Waldachtal gemeinsam die Notfallpraxis im Freudenstädter Krankenhaus. Ab Juli kommen Loßburger und Alpirsbacher Ärzte dazu. Die Notfallpraxis als zentrale Anlaufstelle für Patienten hat an Wochenenden und Feiertagen von 9 bis 22 Uhr geöffnet.

Für die Patienten bedeutet das, dass sie sich an Wochenenden die Suche nach dem diensthabenden Arzt sparen und direkt – ohne Anmeldung – in die Notfallpraxis fahren können. Das kann dann natürlich längere Fahrzeiten bedeuten. Johannes Fechner, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, KVBW, bittet die Patienten ob dieser "schmerzlichen Nebenwirkung" um Verständnis und erklärt die Hintergründe: Um dem drohenden Ärztemangel besonders im ländlichen Raum entgegenzuwirken, versuche die KVBW, die Ärzte zu entlasten. Durch die zentrale Notfallpraxis hätten die Ärzte – zumindest in den Gemeinden rund um Freudenstadt – weniger Dienste am Wochenende. Somit verirrt sich vielleicht der ein oder andere Arzt mehr in eine Praxis im ländlichen Raum. Die Devise lautet also: Lieber am Wochenende etwas länger fahren, als unter der Woche gar keinen Arzt mehr in der Nähe zu haben, weil keiner mehr aufs Land will.

Peter Mast, Geschäftsführer des Krankenhaus Freudenstadt, sieht in der Notfallpraxis "viele Synergieeffekte" – von dieser Lösung profitieren seiner Meinung nach Ärzte wie Patienten. So kann der diensthabende Arzt der Notfallpraxis gegebenenfalls auf die Infrastruktur des Krankenhauses zurückgreifen und beispielsweise das Labor oder die Röntgengeräte mitbenutzen.

Ärzte der Notaufnahme entlastet

In der Notfallpraxis wird zu den Öffnungszeiten ein Arzt für die Patienten da sein, während ein zweiter Arzt eine 24-stündige Bereitschaft hat und sich um Hausbesuche kümmert. Der Bereitschaftsdienst ist über die Telefonnummer 018 05/ 19 29 21 18 zu erreichen. Christoph Caratiola, organisatorischer Leiter der zentralen Notaufnahme am Freudenstädter Krankenhaus, ist vor allem froh, dass die Notfallpraxis die Kernzeiten abdeckt, in denen die meisten Patienten kommen. Michael Fischer, Kreisbeauftragter für den Bereitschaftsdienst und ärztlicher Leiter der Notfallpraxis, ergänzt, dass viele Patienten direkt in die Notaufnahme fahren würden, obwohl sie ambulant behandelt werden könnten. Diese Fälle übernimmt nun die Notfallpraxis – und entlastet so die Ärzte der Notaufnahme.

Genau darauf wartet der stellvertretende ärztliche Direktor Erich Arnold "sehnsüchtig". In der Notaufnahme käme es immer wieder zu "unvertretbaren Stoßbelastungen", besonders für junge Kollegen sei das schwierig. Wenn die Notfallpraxis ab Samstag für Entlastung sorgt, könnten sich die Ärzte der Notaufnahme besser auf die einzelnen Patienten konzentrieren – und diese müssen nicht mehr so lange warten.

Künftig teilen sich knapp 100 Ärzte die Wochenend- und Feiertagsdienste in der Notfallpraxis. Das seien für jeden etwa vier oder fünf Dienste im Jahr, rechnet Fischer vor. Die einzelnen Dienste würden für die Ärzte zwar anstrengender werden, da durch die Bündelung der Patienten sicherlich mehr los sei, als in der heimischen Arztpraxis. Trotzdem sind sich alle Beteiligten einig, für Freudenstadt eine gute Lösung gefunden zu haben. Er sei "ganz sicher, dass das Modell funktionieren wird", erklärte Fechner.

Die Notfallpraxis in Horb bleibt unabhängig von der Freudenstädter Notfallpraxis am Wochenende und an Feiertagen von 9 bis 12 und 18 bis 20 Uhr geöffnet. Der Bereitschaftsdienst ist unter der Telefon 018 05/ 19 29 21 19 erreichbar. Im Hinblick auf die aktuelle Debatte um das Horber Krankenhaus erklärte Fechner, dass Notfallpraxen bevorzugt an Krankenhäuser angeschlossen würden. Entfalle Horb als Krankenhaus-Standort, sei die Notfallpraxis "automatisch höchst gefährdet".