Freudenstadt Nationalpark: Kirche kritisiert rauen Ton
Sylvia Wiegert, 24.01.2013 09:30 Uhr
Die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern des Nationalparks scheinen verhärtet: Der Vereins »Unser Nordschwarzwald« sammelt beim Kreisbauerntag vor der Iflinger Halle in Oberiflingen/Schopfloch Unterschriften gegen den Nationalpark. Foto: Ade
Freudenstadt - Treibt sie die Sorge vor einer Eskalation? Der Streit um den Nationalpark Nordschwarzwald ruft jetzt sogar die evangelischen Landeskirchen auf den Plan. In einer gemeinsamen Erklärung fordern sie dazu auf, die Diskussion "fair und respektvoll" zu führen.
"Mit großer Sorge nehmen wir zur Kenntnis, dass manche Kritiker im Umgang mit Andersdenkenden eine zunehmend unangemessene Schärfe bis hin zu persönlichen Anfeindungen praktizieren", schreiben die Landesbischöfe von Württemberg und Baden, Frank Otfried July und Ulrich Fischer, gestern in einer gemeinsamen Erklärung.
Einen konkreten Anlass nennen die Bischöfe allerdings nicht. Vor Ort indes registrieren viele Beobachter, dass nach einer vermeintlichen Phase der Beruhigung der Auseinandersetzung die Kontroversen wieder schärfer werden. Ein Stück weit liegt dies wohl in der Natur der Sache: Befürworter wie Gegner haben inzwischen öffentlichkeitswirksam ihre Positionen verdeutlicht, die Nervosität vor Bekanntgabe der Gutachten steigt, manche befürchten, wichtige Vorentscheidungen seien bereits gefallen.
Auch im Internet prallen die Positionen aufeinander. Dort ist dann schon mal schroff von "grüner Gesinnungs- und Bevormundungsdiktatur" die Rede. Und auf Youtube tauchen Cartoons über "die vier bösen Buben hinter den Kulissen auf: Kretschi, Bondi, Möhrli und Co", in denen der Ministerpräsident, sein Agrarminister sowie ein örtlicher Gastronom verballhornt werden. Auf der anderen Seite werden auf Facebook-Seiten die Nationalparkgegner gern auch mal als holznutzungsgesteuerte Minderheit bezeichnet.
Fortgesetzt wird freilich auch die Reihe von Informationsveranstaltungen: so gestern Abend mit der CDU-Landtagsfraktion in Baiersbronn, heute in Rust, wo es unter anderem um touristische Aspekte gehen soll oder beim "Forum der Vernunft" von Nationalparkgegner am Samstag wiederum in Baiersbronn.
Anregung zur Einmischung der evangelischen Kirche gaben die kirchlichen Umweltbeiräte aus Württemberg und Baden, die die Entwicklung der Nationalparkdebatte genau beobachtet haben, so der Sprecher der Landeskirche, Oliver Hoesch: "Wir haben festgestellt, dass die Diskussion schärfer wird", sagt er und weist darauf hin, dass die Landeskirche durch diese Erklärung keinerlei Position zum Nationalparkprojekt beziehen will, sondern lediglich zum Umgang von Projektgegnern und -befürwortern untereinander.
Der liegt auch dem Freudenstädter Dekan Werner Trick am Herzen: "Ich kann die Aufforderung der Bischöfe unterschreiben", sagt er und wünscht sich eine sachliche Abwägung der Argumente. "Wir müssen auch Personen schätzen und respektieren, die eine andere Position vertreten", so Trick.
Pfarrer Wolfgang Sönning arbeitet in Baiersbronn-Mitteltal, im Epizentren der Nationalparkdiskussion. Auch er hält den Aufruf der Landeskirche für wichtig: "Viele haben den Eindruck, dass hier weder fair noch respektvoll diskutiert wird", sagt er. Das Problem, so Sönnings persönliche Meinung, sei nicht der Nationalpark, sondern eine Stellvertreterdiskussion, die derzeit geführt werde. "Wir haben ein Strukturproblem im ländlichen Raum", sagt er, und die eigentliche Frage laute: "Was wird aus dem Nordschwarzwald?".
Einbindung der Öffentlichkeit wird gelobt
Der Nationalpark, so Sönning weiter, könnte daher dem politischen Frust und den wirtschaftlichen Ängsten der Leute in der Region zum Opfer fallen. Für seine Gemeinde wünscht er sich, dass der Appell der Bischöfe ernst genommen wird und die Nationalparkgegner mit den Befürwortern ins Gespräch kommen.
Ausdrücklich gelobt wird in der Erklärung der Bischöfe die Öffentlichkeitseinbindung der Landesregierung: "Wir nehmen wahr, dass die Landesregierung durch einen breit angelegten Partizipationsprozess den Menschen der Region die Diskussion um einen Nationalpark in allen Facetten ermöglicht hat", schreiben sie in ihrer Erklärung. Das habe insgesamt zu einer "Versachlichung in der Auseinandersetzung um das Projekt" beigetragen, so die Einschätzung der Bischöfe.
Die wird vor allem mit Blick auf das Gutachten zum Nationalpark vonnöten sein. Im April soll es der Öffentlichkeit vorgestellt werden, und dann, so die Forderung der Bischöfe, "bitten wir im Namen der evangelischen Landeskirchen alle Betroffenen, besonnen zu agieren, um der Region eine gemeinsam getragene Entwicklung zu ermöglichen".



Kirche oder nicht,Politik oder nicht
Im Grundprinzip bin ich gegen jegliche Einmischung entweder politischer oder religioeser Ab - Anhaengigkeiten ,hier -sind andere Fachleute gefragt, ehrliche alte Fachlaeute ,keine Bleistiftspitzer. Beruhigende und zur Besinnung fuehrende Worte tun aber immer gut.
Der Luchs gehört in den Schwarzwald
Lieber „ich“, ich bin kein Fachmann, aber bin doch etwas besser informiert als sie. Der erste Luchs wurde nicht „angesiedelt“, sondern ist von alleine zugewandert, weil der Lebensraum für Luchse prinzipiell geeignet ist. Ich kenne den Flächenbedarf von Luchsen, er ist wesentlich größer als der geplante NP. Sie kennen offensichtlich nicht die Tatsache, dass der Luchs durchaus auch die Umgebung des NPs als Lebensraum nutzen kann und wird. Im Schweizer Jura gibt es keinen NP, das Gebiet ist kleiner als der Schwarzwald und ähnlich dicht besiedelt. Trotzdem gibt es da eine stabile Luchspopulation. Also wieso nicht auch im Schwarzwald? Das Argument mit den Straßen ist einfach nur albern. Werden nur Luchse überfahren? Nicht nur für Luchse sollten an Stellen mit viel Wildwechsel Grünbrücken errichtet werden, damit alle Wildtiere ohne Überfahren zu werden die Straßenseite wechseln können. Wo ist hier die Unterstützung der NP-Gegner beim Schutz der Schöpfung? Laut meinem christlichen Verständnis ist auch der Luchs eine Schöpfung Gottes und hat damit im Schwarzwald genauso ein Lebensrecht wie der Mensch. Das gestehen ihm die Gegner aber nicht zu. Wo sind denn ihre Bibelstellen, die dies rechtfertigen?
..besser ist sich genau zu informieren
Lieber Burster, haben Sie sich wirklich schon einmal richtig mit dem Thema beschäftigt. Den Gegnern wird von Menschen wie Ihnen immer vorgeworfen, Sie wären nicht kompromissbereit. Was hat die grüne Landesregierung bislang für Kompromisse vorgeschlagen? Warum werden Sie mir vor, dass ich der Meinung bin, ich müsste mir sämtliche Geschöpfe untertänig machen. Das zeigt die Taktik der Befürworter. Wer nicht dafür ist, wird madig gemacht. Sachargumente werden einfach übergangen. Kritische Stimmen nicht gehört. Schade eigentlich. Ich bin der Meinung von Herrn Schäfer, Alternativlösungen gemeinsam auszuarbeiten wäre sinnvoller als an der NaPa Idee kleben zu bleiben. Aber dazu gehört die von Ihnen vorgeschlagene Kompromissbereitschaft der Landesregierung und der Umweltverbände dazu. Vielleicht können Sie ja in Ihrem Lager dazu beitragen. Das würde die Region nach vorne bringen. Persönliche Angriffe, wie Sie es in mehreren Kommentaren bereits getan haben, tragen zur Verschärfung der Diskussionen bei. Wollen Sie das????