Freudenstadt Lokalpatriotismus steckt an

Schwarzwälder-Bote, 30.07.2012 22:04 Uhr

Von Tina Eberhardt Freudenstadt. Der neu gewonnene Lokalpatriotismus in Freudenstadt steckt an. In der Begeisterung über die Facebook-Gruppe "Du bist Freudenstadt, wenn…" rief ein gebürtiger Freudenstädter zur Demonstration vor dem Rathaus auf.Unter dem Motto "Ich bin überzeugter Freudenstädter und stelle mich deshalb auf den Marktplatz" waren leidenschaftliche und überzeugte Bürger eingeladen, sich vor dem Rathaus zu versammeln.

"Es war die Begeisterung über die Begeisterung in der Gruppe", erklärte Initiator Thomas Alf, die Idee, die ihn zur Veranstaltung gebracht hatte. Alf selbst lebt seit Jahren aus beruflichen Gründen in München, aber "Freudenstadt ist für mich die schönste Stadt in Deutschland". Als Exil-Bürger habe er begeistert in der Facebook-Gruppe herumgestöbert und wollte den Freudenstädtern auch in der Realität einen Anstoß geben, sich ihrer Stadt bewusst zu werden.

Die Aktion hatte sich Alf im Prinzip eines Flashmobs gedacht. Dabei handelt es sich um spontane Versammlungen auf öffentlichen Plätzen, die zuvor über Internet oder Smartphone bekannt gemacht werden. Zwar scheinen die Freudenstädter Feuer und Flamme für ihre Facebook-Gruppe zu sein, das mit dem Flashmob muss den Bürgern aber wohl doch noch ein wenig schmackhaft gemacht werden.

Es war ein gut gelauntes, aber übersichtliches Grüppchen, das schließlich vor dem Rathaus zusammenkam. Ein rotes Kleidungsstück sollte Erkennungszeichen für die Teilnehmer sein. Zwar tummelten sich angesichts des angrenzenden Beachvolleyball-Turniers zahlreiche rotgewandete Passanten auf dem Marktplatz. Den schwäbischen Flashmob bildeten letztendlich aber ganze fünf Personen: Thomas Alf, dessen Eltern und Tourismusdirektor Michael Krause mit seiner Frau Christina. Ob er von der mangelnden Resonanz enttäuscht sei? "Nein", meinte Thomas Alf. Es sei ein ganz spontaner Einfall gewesen, den er nur innerhalb der Facebook-Gruppe beworben hatte. "Ich hatte Angst, es als offene Veranstaltung zu bewerben", schmunzelte Alf, der die Schlagzeilen von ausufernden Jugendpartys im Kopf hatte. "Ich habe nicht das Geld für einen Polizeigroßeinsatz."

Diese Sorge war offenbar unnötig. "Hier braucht es etwas länger, bis so etwas funktioniert", gab sich Michael Krause gelassen. Er hatte zwar mit etwas mehr Teilnehmern gerechnet, seine Begeisterung über die Idee blieb aber ungebrochen. "Ich finde es toll, wenn eine Demonstration nicht gegen, sondern für etwas ist. Das ist unsere Stadt, sie hat viel zu bieten, und wir sind stolz drauf."

Was wäre der Höhepunkt der Aktion gewesen? "Wir hätten uns unter der Webcam aufgestellt, so dass die Versammlung nachher als roter Fleck heraussticht", erklärte Thomas Alf. Aus dem roten Fleck ist letztlich nichts geworden. Wiederholen möchten Alf und Krause die Aktion jedoch auf alle Fälle. "Nächstes Mal dann aber als offene Veranstaltung in Facebook", beschloss Thomas Alf.

 
 
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