Kreis Freudenstadt - Der Zustrom von Asylsuchenden stellt auch den Kreis Freudenstadt vor große Probleme. Alle drei Gemeinschaftsunterkünfte in Freudenstadt, Alpirsbach und Hallwangen sind voll belegt. Jetzt müssen Wohnungen angemietet werden.In Sachen Asylbewerber hat der Kreis zurzeit zwei Baustellen. Da ist zum einen die Forderung von Bewohnern der Unterkünfte nach Geld oder Gutscheinen statt Essenspaketen, zum anderen weiß das Landratsamt nicht mehr, wo es die Menschen unterbringen soll, die derzeit von der Landesaufnahmestelle in Karlsruhe zugewiesen werden.

Benjamin Geigl, Sachgebietsleiter für die untere Aufnahmebehörde beim Sozialamt des Landratsamts Freudenstadt, hat derzeit keinen leichten Job. Obwohl der Landkreis im April dieses Jahres in Alpirsbach eine weitere Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber eröffnet hat, reichen die insgesamt 207 Plätze an den drei Standorten nicht mehr aus.

"Es sind verstärkt Armutsflüchtlinge"

Anfang dieses Jahres kamen pro Monat noch rund 400 bis 500 Asylsuchende nach Baden-Württemberg. Laut Geigl waren es im August 800, im September 1000 und im Oktober und November sogar 1300 Menschen. Ein großer Anteil (im September waren es über 40 Prozent) kommt aus den früheren jugoslawischen Ländern Serbien, Mazedonien, Kosovo oder Bosnien/Herzegowina. Den Grund für den Anstieg vermutet Benjamin Geigl im Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Juli dieses Jahres, mit dem die Leistungen für Asylbewerber wesentlich erhöht wurden. "Es sind verstärkt Armutsflüchtlinge", so Geigl.

Die Asylsuchenden werden den Landkreisen nach ihrer Bevölkerungszahl zugewiesen. Obwohl der Kreis Freudenstadt ein kleiner Landkreis ist, musste er im November 24 Personen aufnehmen, für die es in den Gemeinschaftsunterkünften laut Geigl bereits keinen Platz mehr gab. Zimmer in Pensionen mussten angemietet werden. Im Dezember müssen nochmals 35 Asylbewerber aufgenommen werden, für die der Kreis "händeringend" Unterkünfte sucht.

Nur wenig Entspannung gibt es durch die Möglichkeit der Anschlussunterbringung, für die Personen in Frage kommen, die nicht anerkannt wurden, aber noch geduldet sind. Diese Menschen kann der Landkreis an die Gemeinden zuweisen, die dann nach einer Unterkunft suchen müssen, die vom Landkreis bezahlt wird. Dies ist aber nur eine Verschiebung des Problems. "Es ist eine heikle Lage", sagt Benjamin Geigl.

Wie lange die angespannte Situation anhält, vermag der Sachgebietsleiter derzeit nicht zu sagen. Nach dem Winter rechnet er eventuell mit einer gewissen Entspannung. Doch nach wie vor ist der Kreis nicht nur auf der Suche nach Wohnungen, Ferienwohnungen oder Pensionszimmern, sondern auch nach einer weiteren Gemeinschaftsunterkunft. Doch das wird geraume Zeit in Anspruch nehmen. Diese Erfahrungen hat der Landkreis bereits in Alpirsbach gemacht. Nicht nur dass es schwierig ist, ein geeignetes Objekt zu finden, es werden auch hohe Anforderungen an den Brandschutz in einer Gemeinschaftsunterkunft gestellt.

Eine Containersiedlung, wie es sie in den 90er-Jahren beim Landratsamt gab, wäre nach Ansicht von Benjamin Geigl das Äußerste und könnte nur eine Übergangslösung sein. Doch daran denkt man beim Landkreis im Moment noch nicht.