Freudenstadt - In Fußfesseln wurde der Angeklagte dem Freudenstädter Schöffengericht von zwei Vollzugsbeamten aus der Untersuchungshaft vorgeführt und auch während der vierstündigen Verhandlung bewacht. Geldfälschung lautete der Vorwurf, für den er sich zu verantworten hatte.

Staatsanwalt Michael Groß verlas die Anklageschrift. Im Oktober vergangenen Jahres waren im Zeitraum von drei Tagen zwei gefälschte 100-Euro-Scheine in einem Einkaufsmarkt im Landkreis aufgetaucht. An einem Freitag bemerkte die Kassiererin abends, dass ein 100-Euro-Schein, mit dem an ihrer Kasse am Nachmittag bezahlt worden war, gefälscht war. Anhand des gespeicherten Kassenbelegs konnten Uhrzeit und auch die gekauften Waren belegt werden. Am darauffolgenden Montag tauchte wiederum ein 100-Euro-Schein auf, der einer anderen Kassiererin wegen seiner ungewöhnlichen Papierqualität sofort auffiel. Auf die Frage, was mit dem Schein passiert sei, habe der Verdächtigte geantwortet, dass der Schein sei versehentlich gewaschen worden sei. Die Polizei wurde benachrichtigt, der verdächtigte Mann konnte noch auf dem Parkplatz festgenommen werden.

Auf Befragung des Leiters des Amtsgerichts, Richter Axel Benz, sagte der 34-jährige Angeklagte aus, er sei an besagtem Montag vor dem Einkauf am Bahnhofsgelände von einer dunkelhaarigen Frau angesprochen worden, die ihn bat, ihr einen 100-Euro-Schein zu wechseln, was er angeblich auch tat. Er händigte der Frau zwei 50-Euro-Scheine aus. Daraufhin hätten sich die Wege der beiden getrennt.

Um die Angelegenheit vor Gericht zu klären, waren 15 Zeugen geladen worden. Die Kassiererinnen, zwei Taxifahrer, die am Bahnhof gestanden hatten sowie Männer, allesamt – wie auch der Angeklagte – aus Osteuropa stammend und die zusammen des Öfteren gesehen worden waren. Zudem waren Arbeitskollegen, Marktbesucher, die Verkäuferin am Bahnhofskiosk, der Inhaber der Bahnhofsgaststätte sowie ein Polizeibeamter geladen worden.

Allerdings konnte keiner der Zeugen Licht ins Dunkel bringen. Die Kassiererinnen konnten nicht bestätigen, dass der Mann, der das Geld gezahlt hatte, der Angeklagte war. Zu viel Betrieb sei im Markt gewesen. Den Taxifahrern war nichts Verdächtiges aufgefallen und auch die Dame am Kiosk und der Besitzer der Bahnhofsgaststätte hatten nichts Verdächtiges bemerkt. Ein Marktbesucher, der mit seinem Sohn eingekauft hatte, habe zwar den verdächtigen Käufer bemerkt. Er erzählte, er habe einen Pullover mit der Aufschrift "Gerüstbau" wahrgenommen. Der Angeklagte und seine Arbeitskollegen sagten aber aus, auf den Pullovern habe der Name der Firma gestanden, zudem besäße der Beschuldigte selbst kein solches Outfit.

Viele Fragen blieben offen, sodass Richter Benz die Verhandlung auf 31. Januar vertagte. Dann sollen weitere Zeugen gehört werden. Darunter der Arbeitgeber, zwei Polizeibeamte und noch einmal eine Vertreterin des Einkaufsmarkts.