Freudenstadt Gutachten zweifelt Nationalpark an

Tatjana Bojic und Sylvia Wiegert, 15.02.2013 10:48 Uhr

Freudenstadt/Hamburg - Kostet der geplante Nationalpark Nordschwarzwald Arbeitsplätze in der Säge- und Holzindustrie? Das behauptet eine neue Studie. Der NABU weist die Ergebnisse des Gutachtens als irreführend zurück.

Das Gutachten der Universität Hamburg Zentrum Holzwirtschaft zeigt: Der Nationalpark könnte allein in der Säge- und Holzindustrie 670 Stellen kosten. In der Holzwirtschaft ginge eine Wirtschaftsleistung von 46 Millionen Euro pro Jahr verloren. Hinzu kämen Kosten für die Errichtung sowie des Unterhalts eines Nationalparks.

Die Universität untersucht derzeit im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher (AGR), der Deutschen Säge- und Holzindustrie (DSH) und des Verbands der Säge- und Holzindustrie Baden-Württemberg (VSH) mögliche gesellschaftliche und wirtschaftliche Auswirkungen eines Nationalparks.

Ein Gutachten im Auftrag des baden-württembergischen Naturschutzministeriums zu einem möglichen Nationalpark soll am 8. April vorgestellt werden. Die Experten eines Beratungsunternehmens untersuchen derzeit, wie sich ein Nationalpark auf Tourismus, Wirtschaft und Naturschutz auswirken könnte. Das Gutachten soll dann öffentlich diskutiert werden. Danach will die grün-rote Landesregierung entscheiden, ob sie einen Gesetzentwurf zur Einrichtung des Nationalparks in den Landtag einbringt. »Wir warten unser Gutachten ab, gehen aber davon aus, dass neue Jobs beispielsweise für Förster oder im Tourismus entstehen könnten«, sagte ein Sprecher von Naturschutzminister Alexander Bonde (Grüne).

Die Hamburger Wissenschaftler schätzen, dass bis zu 100 000 Kubikmeter Holz aus heimischen Wäldern mit der Einrichtung eines Nationalparks pro Jahr langfristig verloren gingen. Laut Gutachten könne dieses Rohstoffvolumen nicht aus anderen Regionen bereitgestellt werden.

Der NABU Baden-Württemberg betonte, dass Nationalparks unter dem Strich Jobmotoren und keine Jobkiller seien. Dies zeige sich in anderen deutschen Nationalparks. »Eine reine sektorale Betrachtung ist dabei wenig hilfreich«, sagt der NABU-Landesvorsitzende Andre Baumann. »Richtig ist: Es können durch Nationalparks Stellen wegfallen, aber es können auch viele neue entstehen.«

Der NABU kritisierte auch den Zeitpunkt der Veröffentlichung des Gutachtens der Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher (AGR) als Stimmungsmache.

Irritiert über die Ergebnisse des Gutachtens zeigt sich Thomas Waldenspuhl von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt des Landes: »Wir wissen nicht, worauf sich diese Zahlen beziehen, daher müssen wir abwarten, bis wir das Gutachten in der Hand halten.« Im regionalen Arbeitskreis »Infrastruktur«, in dem Experten aus der Region dem Landesgutachten zum Nationalpark zugearbeitet haben, kam man laut Waldenspuhl jedenfalls auf andere Zahlen. Dort geht man beim Holzeinschlag von maximal 30 000 bis 40 000 Festmetern pro Jahr aus, die aus der Nutzung genommen werden.

Bestätigt sieht sich unterdessen Stefan Schmid, Chef eines Säge- und Hobelwerks in Bad Rippoldsau-Schapbach (Kreis Freudenstadt): »Die Zahlen erscheinen mir sehr realistisch«, sagt er, allerdings gebe es auch Untersuchungen, die noch höhere Einbußen der Branche errechnet haben. Was die Arbeitsplatzverluste anbelangt, geht Schmid davon aus, dass es die Waldarbeiter wohl am härtesten treffen wird. Zwar bringe ein Nationalpark auch neue Jobs, die sieht der Sägewerkschef aber kritisch: »Aus bislang sich selbst finanzierenden Arbeitsplätzen im Forst werden dann dauerhaft steuerfinanzierte Arbeitsplätze in der Nationalparkverwaltung.«

Bereits Anfang des Jahres plädierte die IHK Nordschwarzwald in einer Resolution dafür, die gesamtwirtschaftlichen Belange des Lebens- und Arbeitsraumes im Nordschwarzwald stärker zu berücksichtigen.

Nun aber gilt es zunächst einmal das Gutachten der grün-roten Landesregierung abzuwarten.

 
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FEB
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Martin Burster, 22:27 Uhr

Der Waldschrat kennt wohl nur Fichten-Stangenwälder ....

Tut mir leid, Waldschrat senior, aber den Wunsch kann ich ihnen nicht erfüllen. Da könnten ja auch die Palmölproduzenten in Indonesien oder die Mahagoni-Mafia im Amazonas-Regenwald kommen, und mich bitten, ich soll doch bitte sie in Ruhe den Urwald roden lassen. Denn letztendlich haben auch diese Gruppen „wirtschaftliche Interessen“ und geht es da um „Arbeitsplätze“. Und zu was wurde denn der Wald im Schwarzwald in den Jahrhunderten gemacht? Bis vor einigen Jahrzehnten noch zu artenarmen Fichten-Monokulturen, die mit den ursprünglichen artenreichen Buchenwäldern, die hier mal wuchsen, nichts mehr zu tun hatten. Entsprechend sind auch die Tier- und Pflanzenarten, die in diesen Wäldern mal heimisch waren, verschwunden. Doch der Schwarzwald gehört nicht nur der Forstwirtschaft und den Sägereien, er gehört auch der Natur. Und der sollten wir endlich wieder etwas mehr Platz einräumen. Auf den 99,3% der Schwarzwaldwaldfläche, die nicht in der zukünftigen Kernzone des NPs liegen, dürfen sie dann weiterhin gerne Forstwirtschaft betreiben. Die „Fachleute“, die den Schwarzwald um diese Fichten-Stangenwälder beneiden, müssen sie mir schonmal zeigen. Mir fällt da niemand ein, außer vielleicht die Harvester-Hersteller und die Baumärkten, weil es ihr Geschäft sichert. Viel wahrscheinlicher ist, dass die tatsächlichen Fachleute sich erstaunt fragen, weshalb Deutschland von anderen Ländern so vehement den Schutz der Wälder verlangt, wenn es noch nicht mal schafft, vergleichsweise kleine Flächen im eigenen Land unter Schutz zu stellen. Vor was haben sie Angst, Waldschrat? Dass sie in ihrer Sägerei etwas weniger Holz verarbeiten können? Dass wieder Wälder entstehen, die nicht einem Bestands- und Wirtschaftsplan unterworfen sind, sondern wo einzig und allein die Natur entscheidet, welcher Baum wann stirbt und als Lebensraum dient? Ich weiss, dieses Bild ist für Leute, die so fest in der Vorstellung verankert sind, Natur geht nur mit dem Menschen, schwer vorstellbar. Aber die verbliebenen Urwälder der Welt und die Bannwälder des Schwarzwaldes zeigen, dass die Natur auch ganz alleine wunderbare Dinge erschaffen kann. Vielleicht wird das dann ja sogar ihre „Spielwiese“, Waldschrat, falls sie es einmal schaffen sollten, ihre ideologischen Scheuklappen abzuwerfen.

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FEB
18
A R, 21:22 Uhr

N P

Ein paar Zeilen aus dem Buch von Hr. Burster lesen-ueberlegen -weglegen.

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FEB
18
Waldschrat senior, 09:52 Uhr

@Herr Burster

Lassen Sie doch endlich Ihre Herumhackerei auf den Leuten sein, die seit Jahrhunderten den Wald in unserer Gegend zu dem gemacht haben, wofür uns Fachleute aus der ganzen Welt beneiden. Geben Sie auch endlich Ihre scheinheiligen Sprüche auf, von wegen 'Natur Natur sein lassen'. Sie wollen doch nichts anderes als hier mit Ihren Freunden eine Spielwiese aufbauen, um auf Kosten der Allgemeinheit Ihrem Hobby nachzugehen und da ist Ihnen jedes Mittel recht.

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