Freudenstadt Fehleranalyse hat begonnen
Schwarzwälder-Bote, 20.08.2012 22:00 Uhr
Einmal mehr auffälligster Freudenstädter Offensivspieler war Sebastian Braun, der hier aber auch an Hannes Friedrich hängen bleibt. Foto: BurkhardtFoto: Schwarzwälder-Bote
Von Herbert Hug
Völlig daneben ging der Saisonstart für die SpVgg Freudenstadt. Gleich fünf Tore bekamen die Mannen von Jens Bertiller binnen 45 Minuten vom klar überlegenen FV 08 Rottweil eingeschenkt.
Der neue Coach stand nach dem Spiel etwas abseits der Trainerbank und machte sich über die Blamage wortlos Gedanken wie einst Franz Beckenbauer, dieser allerdings nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft in Rom. So richtig fand er aber die Ursachen für den Klassenunterschied über weite Strecken der Partie aber auch nicht.
Allein an der Hitze kann die unterirdische Leistung seiner Mannen aber nicht gelegen haben, denn die Sonne strahlte für die Gäste ja genau so heiß an diesem Nachmittag. Wer den ehemaligen Stützpunkttrainer kennt, der weiß, dass er in der Vorbereitung bestimmt auf den Punkt trainiert hat und die Spieler fit sein müssten. Augenfällig war aber, dass das Spiel gegen den Ball schlichtweg katastrophal ausfiel. Beim ersten Treffer standen beispielsweise gleich fünf Akteure im Halbfeld und vergaßen den Rückwärtsgang einzulegen.
Da das Deckungszentrum mit dem agilen Valerij Bogdanov und den nachschiebenden Rottweilern Yannick Scheidel und Jörg Holik alleine überfordert war, dazu die defensiven Außenspieler vor allem den schnellen Sascha Mauch nie zu halten vermochten, konnte man schon recht früh ahnen in welche Richtung die Partie laufen könnte. So täuschte das 0:0 zur Pause schon etwas über den Spielverlauf hinweg.
Ein weiterer Fakt war, dass die jungen Freudenstädter Spieler in der Offensive an diesem Tag zum einen schlecht angespielt wurden. Sie waren andererseits aber auch selbst nicht in der Lage, einmal den Ball zu sichern um dann gefährlich in den gegnerischen Strafraum zu kommen. Alleine Sebastian Braun sorgte wieder einmal bis zu seiner Verletzung wenigstens für etwas Gefahr. Ganz bezeichnend, dass die einzigen zwei Freudenstädter Tormöglichkeiten durch ihn heraufbeschworen wurden.
Dazu war ein Fakt des Auftaktspiels der neuen Saison, dass die Wechsel bei den Gastgebern überhaupt nicht fruchteten, die "Neuen" bei den 08ern jedoch gleich für viel Wirbel sorgten. "Von der Bank kamen Levent Üner, Arber Krasniqi und Mathias Kammerer. Sie haben Betrieb gemacht, neue Qualität ins Spiel gebracht und waren an vier Toren beteiligt", sagte Gästetrainer Marc Digeser. Wobei Üner noch Nachwirkungen einer Zahn-OP spürte und deswegen nicht von Beginn an spielte. Ihm gelang dennoch ein sehenswerter Treffer und Arber Krasniqi war unmittelbar am 0:4 beteiligt.
Marc Digeser zeigte sich in zahlreichen Feinheiten zudem schon sehr überzeugt von seinem Team, "wie zum Beispiel in der Pause: Da haben wir ein paar Dinge angesprochen und gleich zum Anpfiff der zweiten Halbzeit haben die Jungs es umgesetzt." Insgesamt fünf Neuzugänge standen auf dem Feld, drei von Beginn. Riccardo Spataro, Jörg Holik und überraschend U19-Spieler Andreas Haas begannen. "Haas hat in den Trainingseinheiten und Testspielen voll überzeugt", so Digeser.
Eitel Sonnenschein also bei den Gästen, Frust bei der Heimmannschaft. Was der jungen Truppe jetzt aber bestimmt nicht hilft, ist nach dem miserablen Start gleich mit der verbalen Keule draufzuhauen, was einige Tribünenbesucher lautstark taten. Man hat gerade einmal einen Spieltag hinter sich und der gewissenhaft arbeitende Jens Bertiller wird die Fehler sicher analysieren und versuchen abzustellen. Nur all zu lange darf das natürlich auch nicht dauern, zumal die nächsten Gegner SV Nehren und VfL Sindelfingen heißen. Zwei Teams, die als Sieger eines ersten Spieltages ohne ein einziges Unentschieden natürlich andere Ambitionen als den Nichtabstieg haben und nur darum dürfte es bei der SpVgg Freudenstadt auch in dieser Saison wieder gehen.



