Von Michael Stock

Zig Kämpfe hat der Horber Roman Starcenko in seiner langen Karriere bereits ausgefochten. Doch das Gesicht des rot-schwarzen Gürtelträgers im Taekwondo ziert nicht ein einziger Kratzer. Sein Wissen in der Kampfsportart gibt er seit Kurzem an den Nachwuchs weiter.

Gewaltprävention, Integration und die Stärkung des Selbstbewusstseins: Das sind die obersten Ziele von Starcenkos Training beim ASV Horb. "Ich verknüpfe Inhalte des Taekwondo mit einem Selbstbehauptungstraining. Das Training verbessert Koordination, Beweglichkeit, Kondition und Konzentration, aber auch soziales Verhalten lernen die Kinder dabei", erklärt der 19-Jährige, dessen Abteilung beim ASV keinerlei Nachwuchssorgen plagen. Bis zu 60 Kinder schauen bei ihm, wenn auch gottlob nicht alle auf einmal, regelmäßig vorbei.

Starcenko liebt die Arbeit mit den Kindern mehr als mit Erwachsenen, "man sieht förmlich, wie sich mit der Zeit ihr Selbstbewusstsein stärkt, sie werden lockerer, entspannter, die Übungen wirken befreiend auf die Entwicklung von Jugendlichen". Wer also meint, die Kinder würden zu Kampfmaschinen erzogen, die keine Schulhofschlägerei mehr fürchten müssen oder wollen, liegt weit daneben. Starcenko weiß wovon er redet, als junger Schüler litt er selber eine Zeitlang unter Mobbingattacken: "Ich will den Kindern vermitteln, wie man würdevoll einem Streit aus dem Weg gehen kann."

Sein Konzept wird er nun ausbauen: Der Kampfsport wird ab Januar 2013 zu einem festen Bestandteil an der Rexinger Grundschule, eine Kooperation mit der Horber Grundschule existiert bereits, dort trainiert sein Kollege Olaf Saeger, die Resonanz sei großartig. Starcenko wird die Grundschule in Rexingen übernehmen.

Auch wenn sich die ASV-Abteilung landes- beziehungsweise bundesweit eher klein ausnimmt, gehört sie im Kreis zu einer festen Größe. "Viele wechseln auch zu uns. Sie kommen aus Pfalzgrafenweiler oder Haiterbach, weil sie hier besser klarkommen. Manche kommen sogar nach jahrelanger Pause wieder zurück, die haben uns nicht vergessen, das ist schön", erklärt Starcenko.

Der gebürtige Kasache fing mit zehn Jahren an, sich für Taekwondo zu interessieren, "mit Bällen habe ich es nicht so, vielleicht liegt das auch an meinem Vater, der war Boxer", verrät der Abiturient. Er rät aber dazu, noch früher zu beginnen, sieben sei optimal, um später auch an großen Wettkämpfen wie Europameisterschaften teilzunehmen.

Ein echtes Nachwuchstalent hat er in den eigenen Reihen schon ausgemacht, Starcenko schwärmt förmlich von der achtjährigen Jessica-Pires Lucas. Kürzlich hat sie erstmals Wettkampfluft schnuppern dürfen "und sich beim Vollkontaktturnier blendend verkauft", sagt Starcenko. In ihren jungen Jahren wüsste sie schon, worauf es in der Sportart ankäme.

Der Erfolg der Abteilung resultiert nach Meinung Starcenkos auch aus dem insgesamt harmonierenden Verein: "Wir verstehen uns, gehen gemeinsam weg, solche Dinge. Das schweißt zusammen." Ob und wenn ja, wo es ihn nach dem Abitur zum Studium zieht, weiß der talentierte Kämpfer noch nicht. "Ich weiß nur, dass ich weitermache. Nachdem, was ich alles gelernt habe und mir der Verein gegeben hat – das kann man nicht einfach wegschmeißen." Sein nächstes Ziel hat er auch schon vor Augen: den schwarzen Gürtel und vielleicht sogar die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften – hoffentlich weiter ohne Kratzer.