Freudenstadt "Die Perle Anna" – Gewitzte Ulknudel zieht die Fäden

Schwarzwälder-Bote, 27.04.2012 20:00 Uhr

Von Gerhard Keck Freudenstadt. Sie versteht ihr Handwerk, die Komödiantin und Ulknudel vom Dienst, Anita Kupsch. Die Rolle als Haushälterin Anna in dem Boulevardstück "Die Perle Anna" in einer Aufführung der Komödie am Kurfürstendamm ist ihr auf den Leib geschrieben. Mit lebhaftem Beifall honoriert das Publikum im gut besetzten Kurtheater ihre Leistung und die des gesamten Ensembles.

Das Stück von Marc Camoletti unter dem Originaltitel "La bonne Anna" datiert aus dem Jahr 1958. Mit ihm legte er den Grundstein für seine Karriere als französischer Boulevardautor. Weltweiten Erfolg feierte er kurz darauf mit der Komödie "Boeing, Boeing". Situationskomik und flotte Sprüche kennzeichnen diese Art Unterhaltungstheater. Dabei ist die Handlung austauschbar und zielt stets auf die Lachmuskeln des Publikums. So auch in der "Perle Anna". Der gute Geist sorgt im Haushalt von Claudia und Bernhard für geordnete Verhältnisse, nicht nur in Beziehung auf die Reinlichkeit. Eine solche Vertraute weiß auch um die Verwicklungen ihrer "Herrschaft" und genießt ihre Unverzichtbarkeit. Das führt dazu, dass sie immerzu eine kesse Lippe riskieren kann. Zu großer Form läuft Anna auf, als sie gefordert ist, die wechselseitigen Liebschaften ihrer "Herrschaft" mit großem logistischem und verbalem Aufwand in letztlich unschädliche Bahnen zu lenken.

Zuvor jedoch geht es in der "sturmfreien Bude" turbulent zu. Den richtigen Durchblick verschafft sich die "Perle" auch mit Hilfe ihrer Schwäche für geistige Getränke. So ganz uneigennützig gibt sich Anna dann doch nicht und nutzt die Gunst der Stunde. Für ihre Arrangements hält sie ordentlich die Hand auf, gilt es doch, dafür zu sorgen, dass die beiden Paare Bernhard und Jasminka sowie Claudia und Erkan unter dem gemeinsamen Dach einander nicht in die Quere kommen. Bernhards Frau Claudia (Adisat Semenitsch) hat eine Liaison mit dem Ringer Erkan (Aykut Kayacik) aufgenommen, aber der Kleiderschrank mit dem Beinamen "Orkan" erweist sich in Liebesdingen bloß als laues Lüftchen. Bernhard (Marcus Ganser), er hat sich den Kosenamen "Wauwau" eingehandelt, ist in ein Techtelmechtel mit der Russin Jasminka (Nina Juraga) verstrickt, leugnet aber beständig seine eheliche Bindung: "Ich verheiratet – ja, sehe ich denn so aus?" In der allgemeinen Verwirrung verzapfen die Protagonisten manchen haarsträubenden Blödsinn, aus dem sich die eigentliche Komik des Stückes speist. Die Moral bleibt schließlich gewahrt, denn die ständig neuen Widrigkeiten verhindern das geplante Schäferstündchen. Und so findet am Ende doch jedes Töpfchen sein richtiges Deckelchen.

 
 
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