Freudenstadt Die Leiden zweier Fußballspieler aus dem Kreis in Liga 3
Schwarzwälder-Bote, 10.08.2012 19:26 Uhr
Tim Kübel muss sich in einem Zweikampf behaupten. In der 3. Liga wartet er aber noch auf seinen Einsatz. Foto: LudewigFoto: Schwarzwälder-Bote
Von Michael Stock
Und wenn der Satz im Fußball noch so abgedroschen klingt, weil ihn vermutlich jeder Spieler in seinem Wortschatz beherbergt und nicht selten rauslässt: Mahir Savranlioglu nimmt man ihn nach dem Spiel sofort ab: "Wir hatten so gute Chancen, doch dann kam einfach Pech dazu." Dabei wäre es dem aus Horb stammenden Mittelfeldspieler zu wünschen gewesen, endlich ein Tor für die Stuttgarter Kickers zu erzielen. Und das nicht einmal unverdient: Im Duell gegen den forschen Mitaufsteiger FC Halle in Liga 3 setzte sich Savranlioglu vor heimischer Kulisse gleich mehrmals gut in Szene. Mit einem sehenswerten Distanzschuss kurz vor der Halbzeit vergab der 27-Jährige nur knapp. Als in der 68. Spielminute der Ball dann im Halleschen Gehäuse zappelte und Savranlioglu sich feiern ließ, wurde der Jubel durch das Heben der Fahne jäh unterbrochen. Das Unparteiischengespann entschied auf Abseitsstellung – eine höchst knifflige Entscheidung, wie auch die Kamerabilder im Nachgang belegten. Die Partie endete 0:0.
"Seit vier Spielen geht das nun so. Es ist wie verhext", ärgert sich der Rexinger über seine Torflaute. Doch im Gespräch ist er sich sicher, dass der Knoten bald platzen wird. Überhaupt scheint der sympathische junge Mann auf dem Boden geblieben zu sein, strahlt Ruhe aus, auch zweieinhalb Jahre nach seinem Karrierebeginn bei den Kickers und nun auf Rasenplätzen in einer Profiliga arbeitend.
Nach einjährigen Stationen in Uerdingen, Gütersloh und Schalke II fühle er sich beim Sportverein im Stuttgarter Stadtteil Degerloch am wohlsten. Obwohl er sich nicht ganz von seiner Heimat trennen kann: "Ich wohne noch in Rexingen, deswegen pendle ich. Ich fühle mich meiner Heimat, Familie und Verwandten verbunden", sagt Savranlioglu. Umgekehrt zieht es Eltern und Geschwister immer wieder ins Gazi-Stadion. "Ich bin richtig stolz auf Mahir", sagt die jüngste Schwester. Ihr Interesse an dem Ballsport reicht sogar soweit, dass ihr ihre Sommerferien schnuppe sind, lieber guckt sie ihrem Bruder beim Spielen zu.
Mittlerweile konzentriert sich der Kicker voll auf eine Karriere im Profisport. Rückendeckung erhält er nicht nur von seinem Trainer Dirk Schuster. Der attestiert ihm, "ein richtig guter Spieler zu sein, der zu uns reinpasst und der Mannschaft unwahrscheinlich hilft.
Einziges Manko: Er trifft leider nicht", meint er nicht ganz ernst gemeint. Auch der Fußballweltmeister von 1990 und Präsidiumsmitglied der Kickers, Guido Buchwald, ist voll des Lobes. "Ehrgeizig, dribbelstark, Position im linken Mittelfeld gefunden", sprudelt es aus dem ehemaligen Mittelfeldspieler nur so heraus. Mahir werde sein Tor schon machen.
Vielleicht ja ausgerechnet im Spiel gegen die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund. Dort trifft er dann auf einen Abwehrspieler, der ganz aus der Nähe Savranlioglus stammt. Für die Westfalen spielt mittlerweile der Pfrondorfer Tim Kübel – in Liga 3 kam er allerdings bisher nicht zum Einsatz. Sein Spiel erlernte er hauptsächlich in der Jugend des TuS Ergenzingen.
Savranlioglu kann sich nur dunkel an ihn erinnern, auch aufgrund des Altersunterschieds. Aber er meint, ihn einmal in Oberndorf bei einem Turnier gesehen zu haben.
"Wir sind auf Tim durch seinen ehemaligen, leider kürzlich verstorbenen Ergenzinger Trainer Walter Baur aufmerksam geworden", sagt der Nachwuchskoordinator des BVB, Lars Ricken. Die Trainerikone Baur trainierte seinerzeit auch Meister-Trainer Jürgen Klopp.
Tim Kübel sei zum Probetraining eingeladen worden und habe überzeugt. Der Dortmunder U-23-Trainer Dave Wagner lobt "die Vorzüge in Tims Dynamik, er ist ein richtig guter Junge". Was seinen ersten Einsatz anbelangt, rät er Kübel zu Geduld. Aber bis zum Spiel gegen die Kickers ist es ja noch ein bisschen hin – die Teams spielen am 16. September gegeneinander.



