Von Gerhard Keck

Freudenstadt. Im vergangenen Herbst hat Christof Ruetz, Dirigent, Denker und Lenker der Formation Jazzfaktor 18 das "Züglein angehalten und die Landschaft betrachtet". Aus diesem Innehalten schälte sich die Überzeugung heraus, dass "die Struktur der Band einen Schnitt nach zehn Jahren für sinnvoll erscheinen ließ".

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Aber ein einfaches Herausschleichen aus der Musikszene sollte es nicht geben. Im Gegenteil: Das Abschiedskonzert im überfüllten Kurtheater wurde nochmals zu einem triumphalen Auftritt der 20 Musikverrückten. Angesichts des überwältigenden Publikumszuspruchs blieb selbst Christof Ruetz zunächst die Spucke weg. Mit einer launigen Moderation goss der Bandleader ein Füllhorn guter Laune über die Gäste aus, und mit seinen flapsigen Sprüchen überzog er sowohl die Bundeskanzlerin und das Stadtoberhaupt als auch die eigenen Musiker.

Wehren konnte sich die Regierungschefin dagegen nicht, denn sie hatte sich bei Ruetz vorsorglich "wegen einer Jazzallergie entschuldigt". Gleichwohl revanchierten sich Oberbürgermeister Julian Osswald und die Bandsprecher mit kleinen Spitzen, die belegten, dass sie selbst nicht auf den Mund gefallen sind.

Es sei "unglaublich, was Christof Ruetz alles leistet", hielt Osswald dem musikalischen Tausendsassa zugute. "Der Jazzfaktor 18 wird fehlen", gab er sich überzeugt. Gesungene Dankesworte an den Bandchef nach der Melodie von "Thank you for the Music" richteten die Sängerin Marianne Martin und Jan Lachhein. Sie gipfelten in der Feststellung: "Es war eine geile Zeit!". Die Bandsprecher Andy Geiger, Christian Pöndl und Bettina Moster, einzige Frau in der Truppe, verbanden ihre Dankadressen mit Präsenten. Dabei wurde Ulrike Ruetz, die Ehegattin des Bandchefs, mit Blumen bedacht.

Witz, Esprit und Können zeichneten Christof Ruetz aus, hieß es beispielsweise, und der Musiklehrer im Hauptamt trete den Beweis dafür an, dass Dirigenten keine gehirnamputierten Trompeter seien. Ruetz habe es hervorragend verstanden, ambitionierte Amateurmusiker und Profis so zusammenzuschweißen, dass sich als Resultat eine "supertolle Musik" ergeben habe.

Unter dem Eindruck solcher Lobeshymnen gab sich Ruetz bescheiden. "Der Held ist die Band!", formulierte er. Ein so guter Zusammenhalt wie bei Jazzfaktor 18 lasse sich nur durch fortwährendes Bemühen um Harmonie herstellen. Sein ausdrücklicher Dank richtete sich an eine Reihe von Mitstreitern, die für eine reibungslose Logistik sorgten, sowie die Sponsoren. Trost für die zahlreichen Fans hatte Ruetz schließlich noch parat: "Irgendwo wird etwas neu entstehen."

An die 20 Stücke hatte die Band im Repertoire. Sie belegte damit ihr breites musikalisches Spektrum von der klassischen Jazznummer über den Swing bis zu mitreißenden südamerikanischen Rhythmen. Viel Gelegenheit für rasante Instrumentensoli bot sich den Musikern, die dafür mit Beifallsstürmen überhäuft wurden.

Ruetz selbst beließ es nicht allein beim temperamentvollen Dirigat, sondern bewies seine Qualitäten auch als Posaunist und Sänger. Als akustisches wie optisches I-Tüpfelchen brachte sich die Sängerin Marianne Martin in den voluminösen Klangkörper ein. Dass spontan auch ehemalige Bandmitglieder auf Ruetz‘ Bitte hin zu den Instrumenten griffen, verlieh dem zweieinhalbstündigen Konzert noch eine besondere Note.