Von Alexandra Alt Freudenstadt. "Ich hab keinen Strom" – kurz vor der Öffnung des Weihnachtsmarkts geht es rund um die Holzbuden und Stände geschäftig zu. Schnee wird geschaufelt, die Deko zurechtgerückt, der Grill angeworfen. Mittendrin Marktmeister Hermann John, der delegiert, hier ein Pläuschchen hält und dort mit anpackt – immer im Stress, nie gestresst. Der Dame, in deren Hütte der Strom ausgefallen ist, geht der Marktmeister umgehend zur Hand. Er fühlt sich verantwortlich.

Vom Aufbau der ersten Hütte an, stehe der Freudenstädter Handels- und Gewerbeverein (HGV) in der Pflicht, die Verkehrssicherung zu gewährleisten, erzählt John. "Das ist schon eine ganze Menge Aufwand", betont er. Da muss der Schnee zwischen den Marktgassen geräumt werden, die Treppen vom Eis befreit und wenn nötig auch gestreut werden. Natürlich lässt der HGV den Marktmeister nicht die ganze Arbeit allein machen – eine Handvoll Unternehmen sowie der Bauhof und die Stadtwerke unterstützen ihn vom Aufbau vor zwei Wochen bis zum Abbau am kommenden Wochenende. Das kostet natürlich auch etwas. "Ich schätze 4000 bis 5000 Euro", meint John.

Der Weihnachtsmarkt sei ein Erfolg: "Das Startwochenende war bombastisch. Vor allem der Samstag. Blauer Himmel, Schnee – toll", sagt John. Das sagen auch die Händler. Jürgen Ehrich aus Vaihingen verkauft bereits im dritten Jahr seine Einlegesohlen aus Zedernholz auf dem Freudenstädter Weihnachtsmarkt. "Ich hab hier eine kleine Fangemeinde", sagt er. Die Stammkunden kämen jedes Jahr. John Kurze – oder besser gesagt, seine Frau – kommen seit 18 Jahren auf den Markt. Mit einem Kinderkarussell und zwei Hütten sind sie breit aufgestellt. "Hier ist es einfach schön", sagt der Freiburger, der sich auch am Weihnachtsmarkt in seiner Heimatstadt mit Ständen beteiligt. Er wohne während des Markts im Hotel, "das ist für mich wie Urlaub, wegen der schönen Atmosphäre", schwärmt er – auch wenn er und seine Frau auf dem Markt hart arbeiten müssen.

So wie Kurze ist ein Großteil der Händler mit Herzblut in Freudenstadt dabei. Anders gehe das auch nicht, sagt John und verweist auf die Mitglieder des HGV, die seit nunmehr 29 Jahren auf ehrenamtlicher Basis dem Weihnachtsmarkt wie man ihn heute kennt, ein Gesicht geben. Viel wurde ausprobiert, zuletzt mit Erfolg die neue LED-Beleuchtung. Am Ende angekommen ist man aber noch lange nicht: Wenn sich die Hütten des Weihnachtsmarkts am morgigen Sonntag ein letztes Mal öffnen, geht der Budenzauber wenige Tage später mit dem Weihnachtsdörfle unter Federführung von HGV-Mitglied Claus-Dieter Wetzel auf dem Marktplatz in die zweiten Runde (wir berichteten).

"Wir werden zwei Tage zum Abbau brauchen, dann wird der Platz an Herrn Wetzel übergeben", sagt der Marktmeister. 26 Stände werden vom 20. bis 23. Dezember auf dem Oberen Marktplatz rund ums Café Pause für weihnachtliche Stimmung sorgen.

"Wir werden, ähnlich wie der Weihnachtsmarkt, Veranstaltungen auf der Bühne bieten", erläutert Wetzel das Programm. Nachwuchskeyboarder Steffen Langenmeier gehört hier genauso dazu wie die Taborspatzen oder Schlagersängerin Sandy Rose, für die Wetzel besondere Pralinen fertigt. Ein Höhepunkt werde das offene Adventssingen für Kinder sein. Für jeden kleinen Sänger gebe es zum Dank einen Essensgutschein sowie eine Karussellfahrt.