Freudenstadt - Im Westkreis entwickelt sich die Stimmung bei der KLF-Sanierung gegen ein Akut-Krankenhaus in Horb. Politiker haben es offenbar satt, hier weiter viel Geld zu versenken. Sie halten es für sinnvoller, die Mittel für eine zukunftsfähige Klinik in Freudenstadt zu verwenden.

Dieses Stimmungsbild entstand bei der Info-Veranstaltung zu der Zukunft der Krankenhäuser im Freudenstädter Kursaal am Mittwochabend. Einer, der dies so deutlich zu verstehen gab, war Ulrich Krauth, Kreisrat aus Bad Rippoldsau-Schapbach: "Ich habe vollstes Verständnis für die Horber Position. Ich spreche für die über 60 Prozent der Bürger, die nicht in den Städten wohnen. Die können von einer Versorgung wie in Horb nur träumen. Lasst uns dafür kämpfen, dass das Krankenhaus in Freudenstadt nicht auf die Abschussliste kommt." Freudenstadts Oberbürgermeister Julian Osswald wurde deutlich: "Ketzerisch gesagt: Während die Horber sich aussuchen können, welches Krankenhaus sie in 30 Minuten erreichen können, haben viele Bürger im Landkreis nicht diese Alternativen. Die haben eine Stunde Fahrtzeit, ehe andere Krankenhäuser außer Freudenstadt zu erreichen sind." Kreisrat Gerhard Müller, Bürgermeister in Seewald, erklärte: "Für uns ist es sehr bedeutend, dass Freudenstadt ein leistungsfähiges Krankenhaus bekommt."

Landrat Klaus Michael Rückert hatte zwei Gutachten zur Zukunft der KLF erstellen lassen. Ergebnis: Wenn Horb Akut-Klinik mit 45 Betten wird, so wie 2010 im Kreistag beschlossen, liegt das Defizit der Krankenhäuser jährlich drei Millionen Euro höher, als wenn Horb in eine geriatrische Reha umgewandelt wird. In Freudenstadt müssen durch eine fünfprozentige Leistungssteigerung und Sanierungen oder Neubauten jährlich fünf Prozent mehr Leistung und drei Prozent mehr Umsatz gebracht werden, um dort 2016 eine schwarze Null zu schreiben. Horbs Oberbürgermeister Peter Rosenberger beharrt auf der Akut-Klinik und machte diesen Standpunkt auch am Mittwochabend deutlich: "Die Horber haben auf den Kreistagsbeschluss vertraut. Wir wussten, wo es bei den Folgekosten und Fallpauschalen hingeht. Die Entscheidung, Horb in eine geriatrische Reha umzuwandeln, macht der Raumschaft sehr zu schaffen. Und ob man mit drei Millionen Euro, die man so sparen will, den Kreishaushalt von 120 Millionen Euro sanieren kann, kann man auch nicht behaupten. Die Menschen vertrauen darauf, eine Anlaufstelle zu haben."

Freudenstadts OB Osswald hielt dagegen: "Davon zahlen 25 Millionen Euro jeweils Freudenstadt und Horb. Ein KLF-Minus von acht Millionen Euro ist von beiden Kommunen nicht zu bezahlen." KLF-Geschäftsführer Peter Mast führte noch aus, dass die geriatrische Rehabilitation in Horb bald in schwarze Zahlen kommen könnte: "Wir bekommen derzeit 168 Euro Tagessatz pro Bett. Calw bekommt 178 Euro. Die Kassen haben signalisiert, dass es möglicherweise mehr für Horb gibt. Deshalb rechnen wir damit, dass sich die Reha dort bald rechnen könnte."

Rainer Klinger, Vorsitzender der Horber Bürgerinitiative Pro Krankenhaus Horb, warf der ehemaligen KLF-Führung Missmanagement vor: "Jede Frittenbude wurde besser geführt als die KLF in der Vergangenheit. Um die Fallzahlen in Freudenstadt zu steigern, müssen die Patienten östlich von Schopfloch gewonnen werden, indem man sie in Horb mit einer Akut-Klinik abholt!" Landrat Klaus Michael Rückert: "Wir werden dort Patienten binden durch die Freudenstädter Ärzte, die in Horb ambulante Operationen machen." Um 22.25 Uhr endete die Info-Veranstaltung. Das Fazit von Landrat Rückert: "Wir müssen einen Weg finden, so viel wie möglich für die Gesundheit anzubieten. Aber auf Füßen, die der Landkreis sich finanziell langfristig leisten kann." Durch die KLF-Diskussion wird sich die Einbringung des Haushalts 2013 "zum ersten Mal in der Geschichte" auf Januar verschieben, so Rückert.