Freudenstadt Bescheiden, rührig, Harry Blum

Schwarzwälder-Bote, 27.04.2012 19:03 Uhr

Von Gerd Braun

Mit seiner bescheidenen Zurückhaltung ist Harry Blum eher ein unauffälliger Typ. Nicht die Spur extrovertiert. Keine auffällige Kleidung, keine Designerbrille oder ähnliches.

Im Gespräch aber ist der schlanke 63-Jährige auf Anhieb sympathisch und selbstsicher. Und doch fällt es ihm fast etwas schwer, über seine unzähligen Verdienste zu berichten.

Ohne Harry Blum gäbe es vielleicht bis heute keine baden-württembergischen Tischtennisspieler beim bundesweiten Wettbewerb "Jugend trainiert für Olympia". Durch ihn ist der Südwesten hier führend. Ohne Harry Blum gäbe es beim TSV Altheim wohl keine Tischtennis-Abteilung. Mit ihm aber wächst diese in Größe und Qualität ihrer Mitglieder. Ohne Harry Blum gäbe es gewiss keine Horber Tischtennis-Stadtmeisterschaften. Er aber wagt am heutigen Samstag den Versuch, um 10 Uhr geht's los in der Altheimer Turn- und Festhalle.

Dass er seit 1973 als Landesbeauftragter schon hunderte von Lehrern, Trainern und Studenten in Tübingen in der Fachrichtung Tischtennis ausgebildet hat, erwähnt der pensionierte Lehrer eher beiläufig, und das von ihm verfasste Lehrbuch "1014 Spiel- und Übungsformen im Tischtennis" würde er möglicherweise auch nicht von sich aus ansprechen.

Das 1986 entstandene Fachwerk für Tischtennis-Training, ein 322 Seiten dicker Wälzer, überarbeitet Harry Blum derzeit – hinkt seinem eigenen Zeitplan aber hinterher, da er wegen personeller Probleme nach wie vor zwei Tage in der Woche an seiner Schule, einem technischen Gymnasium in Stuttgart, Mathematik- und Sportunterricht erteilt. So ist er froh, dass er vom Verlag eine neue Frist bis 2013 erhalten hat, um das Buch auf einen neuen Stand zu bringen.

Der Ruhestand, in den er zum Beginn des Jahres eintrat, ist für den vielseitig erfahrenen Sportler tatsächlich ein Unruhestand. In Altheim an der Schule sowie am Horber Martin-Gerbert-Gymnasium leitet Harry Blum die Tischtennis-AG. Freitags ist er grundsätzlich vom Nachmittag an bis in die Abendstunden in der Altheimer Halle, um dort die Vereinsspieler zu fordern und zu fördern.

Seit 2003, als Blum von seinem vorübergehenden Wohnsitz in Hochdorf wieder in den Horber Stadtteil zurückgekehrt ist, entstand praktisch aus dem Nichts eine Abteilung mit inzwischen neun Mannschaften im Rundenspielbetrieb – wobei im Nachwuchsbereich einige Talente den sportlichen Sprung bis auf Landesebene geschafft haben. Gerade die vier Ambitioniertesten unter ihnen, Sebastian Dürr, Antonio Jung, Caterina Meintel und Manuel Meintel, fordern verstärkt einen zweiten Trainingstag in der Woche, um ihr Niveau den Möglichkeiten anzupassen. Für dieses zweite Training sucht Harry Blum, der mit Heinz Scheible einen treuen, aber auch schon 80 Jahre alten Partner hat, nun einen jüngeren Trainer, der diese Übungseinheit leiten kann.

Weitere Aufgaben hat der gebürtige Ludwigsburger, auch sonst noch genug. Er kümmert sich sich nicht nur um die Ausbildung der Spieler kümmert und organisiert den praktischen Teil des Spielbetriebs, sondern sich auch um die ganz grundsätzlichen Dinge. Die sechs Tische, auf denen in Altheim gespielt wird, beschaffte Harry Blum in Reutlingen, wo sie schon Schauplatz hochklassiger Matches waren.

Am heutigen Samstag werden an den sechs Tischen die Horber Stadtmeister ermittelt, und damit die Konkurrenz möglichst groß ist, kontaktierte Blum intensiv die insgesamt vier Horber Vereine, die Tischtennis spielen. Ein Anfang ist aber gemacht, und vielleicht wächst die Horber Tischtennis-Stadtmeisterschaft ähnlich gut wie die in den anderen Sportarten.

 
 
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