Freudenstadt "Basta-Politik ist Ohrfeige für Bürger"
Hans-Peter Schreijäg, 15.11.2012 10:53 Uhr
Beim Besuch am Naturschutzzentrum Ruhestein im Nordschwarzwald war Winfried Kretschmann (links) einer Meinung mit Greenpeace-Aktivisten. Nun aber setzen ihm die Kritiker zu. Foto: Deck
Freudenstadt - Die Auseinandersetzungen um einen Nationalpark im Nordschwarzwald nehmen an Schärfe wieder zu: CDU-Politiker im Land werfen den Grünen inzwischen »Basta-Politik pur« vor.
Dabei hatte es noch am Sonntag so ausgesehen, als habe sich der Konflikt beruhigt. Bei einer publikumswirksamen Wanderung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Ruhestein bei Seebach im Ortenaukreis mitten im möglichen Nationalpark-Gebiet war kaum Kritik an dem Nationalpark-Projekt aufgekommen. Lediglich eine Delegation des Vereins »Unser Nordschwarzwald« wies auf die Unterschriftenliste hin, auf der sich inzwischen 25 000 Bürger gegen den Park aussprechen.
Kretschmann seinerseits hatte eindeutige Sympathien für das Projekt erkennen lassen. Doch eben diese Werbung des Regierungschefs für die Nationalpark-Idee könnte jetzt nach hinten losgehen. Jedenfalls meinen die beiden CDU-Landtagsabgeordneten Thomas Blenke und Norbert Beck »große Enttäuschung und Ernüchterung« in der Bevölkerung zu erkennen. Den Ministerpräsidenten, sagen sie, interessiere das Votum der Menschen gar nicht.
»Das ist perfekter Wortbruch«
Die Sichtweise der beiden Landtagsabgeordneten: Ursprünglich hat die grün-rote Landesregierung zugesagt, die Bürger an der Entscheidung zu beteiligen – mittels Begutachtung, regionalen Arbeitskreisen, Bürgerbefragungen und Diskussionen vor Ort. Jetzt aber sei die Katze aus dem Sack, die Landesregierung schaffe bereits Fakten, habe sich vorfestgelegt. »Das ist perfekter Wortbruch«, erklären Beck und Blenke. Sie sprechen von einer »Ohrfeige für die Bürgerinnen und Bürger in der Region«, von nicht mehr zu überbietender Arroganz.
Dabei gerät Ministerpräsident Kretschmann selbst ins Zentrum der Kritik. Der Grünen-Politiker nämlich hatte am Ruhestein gesagt, mit der Bevölkerung vor Ort werde auf Augenhöhe gesprochen, entschieden aber werde im Landtag. Wörtlich: »Da muss man nicht lange rummachen, das ist klar sortiert.« Diese Aussage lasse die Menschen im Nordschwarzwald zweifeln, ob sie von der Regierung »überhaupt ernst genommen werden«, wird kritisiert. Die Zuständigkeit des Landtags für die Nationalpark-Entscheidung freilich wird von den beiden Abgeordneten nicht ausdrücklich in Abrede gestellt.
Noch etwas allerdings passt Norbert Beck, dem früheren Bürgermeister der Gemeinde Baiersbronn, die unmittelbar vom Nationalpark betroffen ist, und Thomas Blenke (Calw) nicht: Zur Kretschmann-Visite seien sie noch nicht einmal eingeladen worden – »übrigens signifikant für den Umgang dieser Regierung mit kritischen Parlamentariern«, wie sie gallig anmerken. Dabei sei Kretschmann durch Protest ins Amt gespült worden, da müsse er Kritik schon aushalten: »Wir erleben die Ökofraktion in der politischen Auseinandersetzung derart dünnhäutig.«
Der barsche Ton von Blenke und Beck könnte indes auch damit zu tun haben, dass sich die CDU im Land mit ihrem eigenen Kurs in Sachen Nationalpark schwertut. In Diskussionen vor Ort geben sich CDU-Politiker park-kritisch, mehr und mehr finden sich aber innerhalb der Partei auch Befürworter. So wird morgen eine Gruppe um den früheren CDU-Umweltminister Erwin Vetter und den ehemaligen Staatssekretär Hans-Jochen Henke eine Erklärung »Christdemokraten pro Nationalpark Schwarzwald« vorstellen. Die Ausgangsidee stamme schließlich vom populären früheren Landwirtschaftsminister Gerhard Weiser. »Die Idee ist zutiefst konservativ, im Grund ist der Nationalpark ein CDU-Projekt«, sagt etwa Oliver Rastetter, Bürgermeister der Gemeinde Lauf im Ortenaukreis. Zudem sei der Widerstand der Bevölkerung vor Ort gar nicht so groß, wie es auf den ersten Blick erscheine.



Welche Öffentlichkeit??
Auch wenn ich ihnen nichts unterstellen will, „ich“, dann ist es doch zumindest verwunderlich, dass man trotz der angeblich zahlreichen NP-Gegner mit dem Zählen von Unterschriften „nicht nachkommt“. Ich muss da leider einen Widerspruch konstatieren. Können die vielen Gegner keine Unterschriften zählen, oder woran scheitert es? Ihre Aussage mit den „mehr Gegnern als mehr Befürworter“ kann ich aus meiner Erfahrung nicht bestätigen. Die Facebook-Seite hat (noch) mehr Likes, was aber auch einfach daran liegen kann, dass die Gegner viel früher als die Befürworter aktiv geworden sind. Soviel zu der gern geforderten Neutralität und Unvoreingenommenheit beim Projekt. Ansonsten haben sie für diese Behauptung keine Belege. Die repräsentative Umfrage in ganz BW belegt eine stark überwiegende Zustimmung zum Projekt, sogar bei einer Umfrage hier im Boten hatten die Befürworter eine kleine Mehrheit. Auch bei den Info-Ständen, bei denen ich dabei war, gab es wesentlich mehr Befürworter als Gegner. Oder wollen sie Greenpeace jetzt auch noch unterstellen, die Unterschriften auf den Bannern aus ganz BW wären selbst darauf geschreiben worden? Von daher empfehle ich „ich“, vor dem Schreiben eines Beitrags sich die Argumente gut zu überlegen. Viele der angeblichen „Argumente“ der NP-Gegner entpuppen sich bei genauer Betrachtung nämlich als haltlos. Vielleicht liegt das daran, dass das Projekt schon abgelehnt wurde, bevor sich die Gegner damit wirklich beschäftigt haben, und sie auch nicht bereit sind, einmal gefasste Meinungen zu revidieren. Die Beiträge hier sprechen in dieser Beziehung Bände.
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Herr Burster...entschuldigen sie, dass ich es so sagen muss...aber manchmal hilft es vor dem Schreiben zu Denken...hätten Sie aufmerksam gelesen, würden Sie wissen, dass über 25000 Unterschriften gesammelt wurden und man mit dem Zählen nicht nachkommt...aber ich denke Sie Hören/Lesen nur das was sie wollen...es geht hier nicht um etwas der Grünen kaputt zu machen oder nicht...es geht hier um viel mehr aber das scheinen Sie offensichtlich nicht akzeptieren zu wollen....ihre haltlosen Argmunte, die sie jedes Mal aufs neue niederschreiben zeugen nicht gerade von überragendem Wissen....komisch, dass sich in der Öffentlichkeit, in Facebook, auf Homepages immer mehr Gegner als Beführworte äussern?!?
Nichts in der Sache beizutragen, aber Parteipolitik machen
Es ist schon erstaunlich, dass zu dem Artikel über das Bekenntnis von CDU-Politikern für den NP kein einziger NP-Gegner seinen polemischen, ablehnenden Kommentar gesetzt hat, bei Kretschmann aber gleich so viele. Das zeigt, um was es den Kommentatoren hier wirklich geht: Nicht den Schwarzwald oder ihre Heimat zu 'schützen', sondern ein sinnvolles und wichtiges angeblich grünes Projekt zu zerstören. Sachargumente wie immer Fehlanzeige. Aber die Entwicklung geht eindeutig pro NP, den CDU-Politikern und Hoteliers werden noch mehr folgen, die sich von ideologischen NP-Gegnern nicht weiter einschüchtern lassen. Es ist auch interessant, dass es bei 25.000 Unterschriften gebleiben ist. Wenn mich nicht alles täuscht, war das schon der Stand schon vor einem halben Jahr. Ob diese 25.000 Leute auch heute noch unterschreiben würden, nachdem die Polemik der Gegner mehr und mehr in sich zusammenfällt? Und interessant wäre es auch zu erfahren, ob jetzt plötzlich alle CDU-Politiker Reiseveranstalter geworden sind. Vielleicht mag mir das einer der NP-Gegner beantworten. Sie kennen sich ja angeblich so gut aus im Gebiet ....