
Von Gabriele Adrian Freudenstadt. Bis heute hat die gregorianische Musik nichts von ihrer Faszination verloren. Dies wurde schon an der beachtlichen Besucherzahl beim Konzert in der Freudenstädter Taborkirche sichtbar. Die Schola Gregoriana der Taborkirche hatte unter Leitung und Orgelbegleitung von Regionalkantor Karl Echle eingeladen.
Der Gregorianische Choral gilt als Wurzel abendländischer Kirchenmusik, seine Entstehung geht auf das siebte und achte Jahrhundert zurück. Er erinnert die Zuhörer an den Gesang der Mönche in Klöstern. Man muss aber kein Ordensgelübde abgelegt haben, um die Wirkung und Kraft dieser Gesänge zu erleben und nachzuempfinden.
Auf dem Programm standen Orgelwerke von Georg Böhm, Francois Couperin und anderen Komponisten, deren Werke im 17. und 18. Jahrhundert entstanden. Eine Ausnahme machte Jean Langlais, ein Komponist aus dem 20. Jahrhundert. Die 13 Männer der Schola boten einen Hörgenuss der besonderen Art. Die einstimmigen Melodien der Choräle erklangen bewegend und ertönten fast perfekt miteinander harmonierend. Meditativ anmutende Gesänge, auch in Form eines Psalms oder Gebets, lateinisch gesungen in frei fließendem Rhythmus, erklangen in wunderbarer Harmonie. Schon immer hatte Orgelbegleitung in der Form, dass Schola und Orgel sich abwechseln – bekannt als Alternatim-Praxis im 17. und 18. Jahrhundert – diese Musikform geprägt.
Aus der Messe Solemnelle von Couperin sangen die Männer besonders schön, homogen und mit großer Hingabe das Sanctus. Die Orgelbegleitung mutete fast modern an und nicht wie aus dem 17. Jahrhundert stammend. Im "Te deum laudamus" (Herr, dich loben wir) wurde ein Lobgesang aus dem vierten Jahrhundert geboten, der sich abwechselte mit einem solchen von Jakob Kortkamp, um 1630 geschrieben. Ein Musikstück, bei dem sowohl die Orgel als auch die Schola Anbetung, Verehrung und schließlich das Gotteslob eindrucksvoll zu Gehör brachten. Den Konzertabend schloss Karl Echle mit einer "Te deum"-Hymne von Jean Langlais ab, pompös anmutend, mit wirkungsvollem Fortissimo und kräftigem Pedaleinsatz. Insgesamt war es ein Abend, der der gregorianischen Musik gewidmet war, einer jahrhundertealten Kunstform, deren Zauber und Schönheit ungebrochen zu sein scheint.