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Freudenstadt AfD-Vize Beatrix von Storch zu Gast

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Foto: Müssigmann

Freudenstadt - Leise dringen die Pfiffe und der Lärm einer Gegendemo in den Saal des Kurhauses. Draußen wird gegen Rassismus und gegen rechts demonstriert, drinnen stellt die AfD ihr Wahlprogramm vor. Vor allem für Thesen gegen Zuwanderung gibt es Applaus.

Die stellvertretende Bundesvorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD), Beatrix von Storch, war am Samstagabend nach Freudenstadt gekommen, um den hiesigen Kandidaten Uwe Burkart im Bundestagswahlkampf zu unterstützen. Nach zurückhaltender Werbung für die Veranstaltung waren laut Polizeizählung 110 Besucher gekommen. Viele Stühle im Saal blieben leer.

Die Vorredner von Beatrix von Storch wollte so mancher Besucher gar nicht hören, nicht einmal die eigenen Parteifreunde. "Herr Burkart, können wir bitte Frau Storch hören?", ruft der Sprecher des AfD-Kreisverbands, Günther Schöttle, bereits 20 Minuten nach Beginn der Veranstaltung aus dem Publikum seinem eigenen Parteikollegen zu, der am Mikrofon für sich als Bundestagskandidat wirbt.

Das Thema des Abends, "Scheitert die EU an ›uns‹?", griff zunächst Peter Boehringer, Euro-Experte der Partei, auf. "Der Euro wird irgendwann unter seiner Fehlkonstruktion zusammenbrechen, selbst wenn es uns böse Populisten gar nicht gäbe", sagte er voraus.

Das Spiel mit dem Image der Partei nahm auch Beatrix von Storch später auf. "Sie wissen ja, die AfD ist böse und die anderen sind gut, weil die so ein großes Herz haben, weil die die Migranten aus aller Welt hierher holen wollen", sagte sie und fragte nach solchen "Guten" im Saal. In der Fragerunde sollte sich später ein Mann als Engagierter in der Flüchtlingspolitik outen und der Rednerin und dem Publikum schlechte Manieren vorwerfen. Es gehöre sich nicht, andere Menschen auszulachen.

"Poller müssen an die Außengrenze"

Inhaltlich fing von Storch in ihrer Rede mit einer Antwort auf die Frage im Motto des Abends an. "Scheitert die EU an uns? Selbstverständlich nicht!", sagte sie. Die AfD sei die einzige Partei, die es verstanden habe, den Kurs "wieder auf Richtig zu drehen". "Vielleicht scheitert die EU doch an uns, nicht an der AfD, sondern an Deutschland, weil das, was wir machen, so irre ist." Irre, dieses Wort sagte Beatrix von Storch oft. Den ersten lauten Applaus erntete sie für ein Beispiel zu dieser These. Besonders belebte Orte in Deutschland würden jetzt durch Poller geschützt, aus Sicherheitsgründen, damit keine Fahrzeuge in Menschenmengen rasen, wie bei mehreren terroristischen Anschlägen geschehen. "Ich will den Damen und Herren Verantwortlichen zurufen: Meine Damen und Herren, Deutschland insgesamt ist ein besonders frequentierter Ort. Die Poller müssen an die deutsche Außengrenze!"

Die Abgrenzung nach außen, territorial und kulturell, ist eines der Steckenpferde der AfD. "Liebe CDU", sagte von Storch, "für die Christen ist eigentlich nur noch die AfD wählbar und die anderen kaum noch." Und weiter: "Wir wollen unsere Kultur verteidigen." Die Partei lehne zum Beispiel ab, dass in Deutschland der Ruf eines Muezzin erklingen darf.

Bei der Frage, wie viele Flüchtlinge Deutschland aufnehmen könne, mutmaßte sie, dass selbst für die Großherzigsten bei 160 Millionen Flüchtlingen in Deutschland Schluss sei. "Der beste Gutmensch, der größte Christ muss zugeben, dann sind wir an einer Belastungsgrenze. Und dann?" Sie fuhr fort: "Ist dann alles gut? Oder ist es dann so, dass Probleme dort unten genau so groß sind wie vorher und bei uns Bürgerkrieg ist?"

Von Storch gibt sich siegessicher

Zur Einordnung: 2016 haben laut Bundesinnenministerium 280.000 Menschen in Deutschland Schutz gesucht. 2015 hatte es noch 890.000 Flüchtlinge gegeben. Beide Zahlen zusammen gerechnet entsprechen 0,7 Prozent der 160 Millionen Flüchtlinge, von denen von Storch sprach.

Auch an die Grünen wandte sie sich bei diesem Thema. "Liebe Grüne, denkt doch mal ganz kurz scharf nach, ihr seid ja gar nicht so doof." Die Flüchtlinge produzierten in Deutschland mit dem hiesigen Lebensstandart, den sie annehmen, mehr Kohlendioxid als in Afrika. Das müsse doch für die Grünen ein Argument gegen Zuwanderung von Afrikanern sein, sagte sie.

Einen kleinen Teil des Vortrags widmete sie noch der EU und ihren laut Storch "antidemokratischen Tendenzen". Bezüglich der Wahl gab sie sich siegessicher: Der Bundestag werde mit der AfD die Art von Opposition bekommen, die ihm derzeit "schmerzlich" fehle.

Einem 59-jährigen Wirtschaftsingenieur aus Glatten haben die Reden gefallen. Er habe früher CDU gewählt, sagte er nach den Vorträgen. "Die ist mir zu weit nach links abgewandert." Die AfD habe das dadurch entstandene Vakuum in der politischen Landschaft wieder gefüllt und ihm eine neue politische Heimat gegeben. Für radikal halte er die Partei keineswegs.

Ein Ehepaar aus dem Landkreis Freudenstadt, sie 50 und er 52 Jahre alt, hatte zum ersten Mal eine AfD-Veranstaltung besucht. "Die Werte im Programm sind uns wichtig, weil genau gesagt wird: Der Islam gehört nicht zu Deutschland." Dieser Satz sei den Deutschen von dem damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff übergestülpt worden. "Jetzt wird deutlich, dass das viele anders sehen." Es gehe ihnen dabei nicht um die Menschen, Muslime gehörten durchaus zu Deutschland, stellen die beiden klar.

Ein Russlanddeutscher ärgerte sich, dass nicht mehr Leute aus dieser Community zur Veranstaltung gekommen waren. "90 Prozent der Aussiedler wählen AfD", sagte er voraus. Er sei vor 25 Jahren nach Deutschland geflohen – "um hier das Deutsche weiterzuleben", sagte er. Ihn stört inzwischen die Anzahl der Muslime hierzulande. "Christen gehören alle zueinander, der Rest ist für mich Müll."

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