Freiburg - Die Stadt Freiburg beginnt ein großes Rad zu drehen: Bis in etwa acht bis zehn Jahren soll ein neuer Stadtteil Platz für rund 15.000 Menschen schaffen.

Damit will die Verwaltung den jüngsten Bevölkerungsprognosen Rechnung tragen, wonach die Stadt schneller und stärker wächst als lange Zeit angenommen. »Es geht nicht um die Frage, ob wir Innenverdichtung oder Außenentwicklung voranbringen«, betonte Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne) gestern. »Wir müssen einfach beides machen«.

Als mögliche Standorte kommen die Norderweiterung des in den 1990er-Jahren gebauten Stadtteils »Rieselfeld« oder eine Süderweiterung des Stadtteils St. Georgen in Frage. Letztere Variante hält Salomon für politisch schwer umsetzbar: »Damit würden wir die Bevölkerung auf einen Schlag in dem Stadtteil verdoppeln«. Offenhalten will man sich die Option im Rathaus jedoch auf jeden Fall, zumal die Lage in der »Dietenbachniederung« beim Rieselfeld größere technische Anforderungen mit sich bringt, wie Baubürgermeister Martin Haag (parteilos) betont: »Wir stehen hier vor vielen Fragen, haben aber noch keine Antworten.«

Beide Areale seien schwierig in der Umsetzung. Wichtig sei jedoch, für beide Flächen unabhängig von den folgenden Entscheidungen und Machbarkeitsprüfungen ein Vorkaufsrecht für die Stadt zu sichern, um Grundstücksspekulanten auszubremsen, ergänzt Finanzbürgermeister Otto Neideck (CDU). Der neue Stadtteil sei eine »Perspektive für die nächste Generation«. Denn: »Wir brauchen für die Entwicklung unserer Stadt junge Menschen in Freiburg«, so Neideck. »Und denen muss man relativ preiswerten Wohnraum bieten können«.

Denn Wohnraum ist in der südbadischen Großstadt traditionell knapp, »und zwar eigentlich schon seit 60 Jahren«, so Salomon. Die kurzfristige Entspannung am Wohnmarkt, die die neuen Stadtteile Vauban und Rieselfeld zunächst erbracht hätten, sei passé. »Wir müssen den aktuellen Preissteigerungen bei den Mieten wenigstens einen Dämpfungseffekt entgegen setzen«, so Neideck.

Das nun aufgelegte »Kommunale Handlungsprogramm Wohnen« soll Abhilfe schaffen. Und es bringt gleichzeitig eine Abkehr von der primär auf Innenverdichtung ausgerichteten Politik der vergangenen Jahre. Der Bedarf an neuem Wohnraum ist mittlerweile deutlich größer, als noch vor fünf Jahren vermutet, der Flächennutzungsplan 2020 ist mittlerweile überholt, bis 2030 geht man für Freiburg mittlerweile von knapp 230.000 Einwohnern aus. Das sind rund 15.000 mehr als noch vor Jahresfrist erwartet.

Der Leiter des Stadtplanungsamts, Roland Jerusalem, hat klare Vorstellungen von den Eckdaten des neuen Quartiers, das Wohnen, Gewerbe und eine passende Infrastruktur bieten soll: »Wir haben im Umkreis von sechs Kilometern ums Stadtzentrum gesucht, wir brauchen mindestens 35 Hektar Fläche und Platz für rund 5000 Wohneinheiten«.

Beide in Frage kommenden Flächen sind derzeit vor allem landwirtschaftlich genutzt und haben eine komplizierte Eigentümerstruktur. »Wir müssen hier wie dort mit über 400 Leuten sprechen«, so Salomon. Und, so ergänzt Martin Haag: »Wir stehen erst ganz am Anfang der Verfahren, bei denen neben der technischen Machbarkeit und Verfügbarkeit der Grundstücke auch die Bürgerbeteiligung eine Rolle spielen wird«.

Am 11. Dezember soll der Gemeinderat über das Vorhaben debattieren.
 

 
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