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Freiburg Land lässt Retter im Regen stehen

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Nicht nur bei Lawinenabgängen, sondern auch nach Wanderunfällen zuverlässig zur Stelle: die Bergwacht. Wie lange noch? Foto: Olga v. Plate/Bergwacht Schwarzwald/Deckert

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Freiburg - Rettungskräfte, die mit ihrem Privatwagen zum Einsatzort fahren. Und die nicht mit der Polizei und dem Rettungshelikopter in Funkkontakt treten können, weil sie veraltete, analoge Funkgeräte haben, die nicht mehr zu den Digitalgeräten der Polizeikräfte passen. Bergretter, die ihre Hütten nicht mehr nutzen können, weil es dort an allen Ecken hineinregnet. Zustände, die man vielleicht in entlegenen Regionen des Himalaya-Gebirges erwarten würde. Die aber direkt vor unserer Haustür herrschen.

Denn das Land Baden-Württemberg lässt die ehrenamtlichen Retter der Bergwachten im Schwarzwald und in Württemberg seit Jahren sprichwörtlich im Regen stehen, wenn es um Investitionen in deren Ausrüstung geht. Nun schlagen die Retter mit drastischen Worten Alarm: Es werde "dumm aussehen", wenn in den Weihnachtsferien 2016 am Feldberg "die Patienten auf der Piste liegen bleiben", weil die Bergwacht nicht mehr ausrücken könne, malt der seit vergangenem Herbst amtierende Landesvorsitzende der Bergwacht Schwarzwald, Adrian Probst, (27) gestern in Freiburg ein Horror-Szenario an die Wand.

Die Retter der Bergwacht Schwarzwald in Freiburg und ihre schwäbischen Kollegen aus Stuttgart von der DRK-Bergwacht Württemberg stehen mit dem Rücken zur Wand: Seit Jahren beklagen sie gegenüber dem zuständigen Innenministerium in Stuttgart einen enormen Investitions- und Sanierungsstau bei der Ausrüstung mit Rettungsfahrzeugen und an ihren Gebäuden. Doch werde man von der Politik immer nur vertröstet und von einem Ansprechpartner zum nächsten geschickt, berichten Probst und der Freiburger Bergwacht-Sprecher David Vaulont (28). Dabei sei es vollkommen gleichgültig, welche Parteien in Stuttgart regierten, betont Vaulont.

Das Procedere in Stuttgart laufe immer nach dem gleichen Muster ab: Die Bergretter sprechen im Ministerium vor, um mehr Geld für Investitionen loszueisen. Das Ministerium reagiert betroffen. Dann, schildern Probst und Vaulont, werde man gebeten, eine Mängelliste vorzulegen und sich für Zuschüsse an die Tourismusverbände zu wenden, da die ja auch von der Arbeit der Bergwacht profitieren. Die Mängelliste habe man "bis auf den letzten Karabiner" längst mehrfach vorgelegt, sagt Vaulont. Und die Gespräche mit den Touristikern würden immer zum gleichen Ergebnis führen: Geld gibt es keins, denn zuständig für das Thema Rettungsdienst ist das Innenministerium.

Der Frust sitzt tief: "Und dann werden gleichzeitig 32 Millionen für das Besucherzentrum im Nationalpark eingeplant"

So laufe die Sache "seit vielen Jahren", nicht nur im Schwarzwald, sondern auch im schwäbischen Landesteil, wie Armin Guttenberg von der DRK-Bergwacht Württemberg bestätigt. Diese ist für die Schwäbische Alb, das Unterland und Teile des Allgäus zuständig. Guttenberg ist seit über 40 Jahren ehrenamtlich für die Bergwacht tätig. Auch bei ihm sitzt der Frust tief: "Im letzten Jahr hat das Land 150 000 Euro zusätzlich für die beiden Bergwachten und die DLRG in die Hand genommen. Ein Tropfen auf den heißen Stein. Und dann werden gleichzeitig 32 Millionen für das Besucherzentrum im Nationalpark eingeplant." Dass sich das ungerecht anfühlt, merkt man den Bergrettern im Gespräch in jeder Sekunde an.

Dabei geht es ihnen nicht einmal primär ums Geld, wie Geschäftsführer Lutz Scherer von der Bergwacht Schwarzwald betont: Es sei im Prinzip vollkommen okay, dass jeder Ehrenamtliche seine persönlichen Ausrüstungsgegenstände wie Skier, Klettergurte und Jacken selbst bezahle. "Wir wollen auch kein Geld für unsere Arbeit", beteuert Scherer. Was man aber nicht mehr wolle, sei es, für dumm verkauft zu werden, lässt der Geschäftsführer zwischen den Zeilen durchblicken. Adrian Probst spricht es aus: "Der Ehrenamtliche zahlt am Ende drauf. Wir werden ausgepresst wie eine Zitrone."

Das Schlimmste dabei: In den Gesprächen in Stuttgart werde immer wieder klar, dass die Landesregierung genau darauf zu setzen scheint in der Hoffnung, dass die Retter schon gutmütig genug sind und trotz mieser Bedingungen ihre wertvolle Arbeit in der Freizeit weitermachen.

Dabei ist klar: Auf Ehrungen und Sonntagsreden kann Adrian Probst gut verzichten. "Davon bekomme ich nämlich keinen Rettungswagen zum Laufen." Viele Fahrzeuge der Bergwacht Schwarzwald seien 15 bis 20 Jahre alt. In Menzenschwand (Kreis Waldshut) habe mittlerweile der Tüv sogar ein Auto der Bergwacht stillgelegt. "Seitdem fahren unsere Leute mit dem Privatauto zum Unfallort", so Probst.

Das Innenministerium zeigte sich gestern überrascht vom Vorpreschen der Bergwachten. Mit diesen sei abgesprochen, dass das Fördervolumen für den technischen Bedarf ermittelt und in die kommenden Haushaltsgespräche eingebracht werden solle. Schon heute bekomme die Bergwacht 13 Prozent der Mittel, die das Land für Rettungsdienste ausgebe, leiste aber nur ein Prozent der anfallenden Einsätze, so ein Sprecher.

Den Bergrettern reicht das aber nicht. Ihre Forderung: Mehr Geld muss her, um die Rettung am Laufen zu halten. Seit Jahren sei aber der Zuschuss für Investitionen vom Land bei 70 000 Euro im Jahr für die Bergwacht Schwarzwald gedeckelt. Die Kollegen in Württemberg bekämen sogar nur 50 000 Euro Investitionszuschuss im Jahr. Dabei koste schon ein neuer Rettungswagen 100 000 Euro.

Sämtliche Kosten seien in den letzten Jahren massiv gestiegen, sagt Lutz Scherer. Die Zahl der Einsätze im Schwarzwald habe sich seit 1990 sogar versechsfacht und liege mittlerweile bei rund 1500 im Jahr. Benötigen würde man angesichts dieses Trends vom Land 600 000 Euro für Investitionen im Jahr und ein einmaliges Soforthilfeprogramm in Höhe von drei Millionen Euro, um zum Beispiel Hütten gegen den Regen abzudichten und lebensrettende Defibrillatoren anzuschaffen. Auch neue, digitale Funkgeräte würden dringend gebraucht.

Die Zeit der Improvisation bei der Bergwacht sei vorbei: "Das haben wir viel zu lange gemacht", räumt Vaulont ein. "Wir hoffen auf die Haushaltsgespräche im Herbst", sagt Probst. "Für uns geht es um alles." Ohne deutlich höhere Zuschüsse drohe "der Crash" bei der Bergwacht. Das bestätigt Scherer: "Ohne Spenden wären wir schon im Februar pleite gewesen."

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