Freiburg - Die Straftaten rund um Heimspiele des SC Freiburg sind laut Polizei in der Saison 2011/12 um 120 Prozent auf 268 Fälle gestiegen.

Besonders stark zugenommen haben Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz durch den Einsatz von Pyrotechnik. Zur Betreuung vor allem von jungen Fans soll in Freiburg ein Fanprojekt installiert werden, das es in vielen anderen Städten längst gibt.

Die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) hatte am Montag von deutschlandweit 8140 Straftaten rund um alle Bundesligaspiele berichtet – das sind im Schnitt 70 Prozent mehr als im Durchschnitt der vergangenen zwölf Jahre.

Nach Recherchen unserer Zeitung fällt die Zunahme der Straftaten in Freiburg sogar noch höher aus. Wie aus der Statistik der Freiburger Polizei hervorgeht, gab es in der Saison 2011/12 in 37 SC-Heimspielen in der Bundesliga, in der Regionalliga (SC Freiburg II) und in der Vorbereitung 268 Straftaten und damit mehr als doppelt so viele wie in der Spielzeit davor (119 Straftaten). Die Zunahme im Vergleich zur Spielrunde 2009/10 beträgt sogar 320 Prozent.

Die Zahl der Verletzten ist von 21 auf 29 gestiegen. Betroffen waren 16 Polizeibeamte (6 im Vorjahr), 9 Unbeteiligte (davor 6) und 4 sogenannte Störer (9). Die Zahl der Körperverletzungsdelikte immerhin ging von 58 auf 43 zurück. Aber: In der Spielzeit 2009/10 waren nur 15 Körperverletzungen registriert worden.

Gezählt wurden deutlich mehr Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz – hier geht es um den versuchten oder tatsächlichen Einsatz von Pyrotechnik im Stadion. In der Saison 2009/10 listete die Polizei nur 13 Fälle auf, 2010/11 waren es schon 24 und zuletzt in der Saison 2011/12 dann sogar 80 Fälle. In der Freiburger Statistik sind auch die Vergehen von Fans der Gastvereine erfasst.

"Dümmer kann man es nicht anstellen"

"Es gibt nichts schönzureden, die Zahlen sollten uns zu denken geben", sagt SC-Pressesprecher Rudi Raschke. Er verweist aber auch darauf, dass der SC bei den verhängten Strafzahlungen wegen Pyrotechnikeinsatz von Fans in der vergangenen Saison am Ende der Tabelle gelegen habe. Dennoch will der Verein reagieren. Vor Jahresende soll ein Fanprojekt vorgestellt werden, in dem sich Sozialarbeiter um die Betreuung von Fans kümmern.

53 solcher Fanprojekte gibt es heute schon in 47 Städten, etwa auch in Karlsruhe.

Finanziert werden könnte das Projekt von der Deutschen Fußballliga, Stadt Freiburg und Land Baden-Württemberg. Das Fanprojekt, so SC-Sprecher Raschke, soll eng an den Verein gebunden werden.

Die Juristin Angela Furmaniak, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Fananwälte, sieht in den stark gestiegenen Pyrotechnik-Verstößen auch eine Trotzreaktion der Ultraszene auf die ungeschickten Verhandlungen von Deutschem Fußballbund und Deutscher Fußballliga: "Dümmer kann man es nicht anstellen", so Furmaniak. DFB und DFL räumen mittlerweile auch Fehler ein.

 
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