Filderdialog Bahn über Pläne auf Fildern nicht einig
Konstantin Schwarz, 18.06.2012 10:37 UhrLeinfelden-Echterdingen - Beim ersten Filder-Dialog zu Stuttgart 21 haben viele Teilnehmer den Verzicht auf Fern- und Regionalzüge auf S-Bahn-Gleisen zum Flughafen gefordert. Was die Bahn will ist unklar. Beobachter machen zwei Fraktionen im Schienenkonzern aus. S-21-Gegner Hannes Rockenbauch hat den Dialog unter Protest verlassen.
Der erste Filder-Dialog brachte am Samstag 68 zufällig ausgewählte Bürger (darunter 30 Frauen) und 84 Experten oder Interessenvertreter (13 Frauen) in der Filderhalle in Leinfelden zusammen. In zwei weiteren Terminen sollen sie bis zum 7. Juli einen möglichst einvernehmlichen Vorschlag dazu finden, wie beim Projekt Stuttgart 21 die Züge der von Singen kommenden Gäubahn an den Flughafen geführt werden. Die Bahn plant bisher, dazu die bestehenden S-Bahn-Gleise zu nutzen.
„Wir stehen unter Beobachtung des ganzen Landes“
Gisela Erler, im Stab von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) Staatsrätin für Bürgerbeteiligung, atmete am Samstag auf. Der Start des Dialogs musste wegen mangelndem Interesse der Bürger vom 25. Mai auf den 16. Juni verschoben werden. „Sie wissen, wie viel Spott ich geerntet habe. Wir stehen unter Beobachtung des ganzen Landes“, sagte Erler. Die „Denkfabrik“ sei nun geöffnet. Erler forderte von allen Beteiligten „mentale Gelenkigkeit“.
In der Halle selbst waren die Beobachter auf dem Zuschauerrang allerdings Mangelware. Nur rund 20 wollten sich die Mammutsitzung von 10 bis 17 Uhr zumuten. Ähnlich viele Projektgegner hatten vor der Halle Infostände aufgebaut.
„Wer sich in die Bahn-Planung begibt, riskiert, darin umzukommen. Meine Stadt ist die Hauptbetroffene der Pläne“, zeigte OB Roland Klenk (CDU), dass er dem Dialog-Verfahren noch immer reserviert gegenübersteht. Die Bürger seien sich einig. Sie wollten „keine Gefährdung des S-Bahn-Takts und Schutz vor Lärm und Erschütterungen“, so der Verwaltungschef. Dafür erhielt er Beifall aus dem Plenum und von der Tribüne.
Was will die Bahn?
Klenks Beobachtung wurde in der ersten Runde des vom Bonner Moderator Ludwig Weitz geleiteten Dialogs bestätigt. „Was ist für sie, unabhängig von den konkreten Planungen und Varianten, von Bedeutung?“, fragte Weitz die Teilnehmer.
Die gemischten Runden an 20 Tischen notierten ihre vier Hauptforderungen. Diese heißen: Lärmschutz, gleiches oder besseres S-Bahn-Angebot, zukunftsfähige Planung, und keine Fernzüge auf den S-Bahn-Gleisen. Auch Sicherheit und der Verzicht auf Landverbrauch wurden häufig genannt. Zwar wurden an diesem Samstag sechs Alternativen zur Bahn-Planung vorgestellt, doch erst am 29. Juni wird über diese beraten.
Was will die Bahn? Hartmut Bäumer (Grüne), Amtschef im Verkehrsministerium, und Erler vernehmen aus dem Bahn-Konzern offenbar unterschiedliche Signale, was die Bereitschaft zu Planänderungen betrifft. „Wenn ich nicht Signale von Menschen hätte, die bei der Bahn ganz oben stehen, würde ich mich in diesen Dialog nicht so reinhängen“, sagte Erler unserer Zeitung am Rande der Veranstaltung.
Geplanter Mischverkehr soll bleiben
„Im Konzern ist vielen klar, dass der Filder-Anschluss bisher keine gute Lösung ist“, sagte Bäumer. Innerhalb der Bahn registriere er dazu „deutlich unterschiedliche Signale und Strömungen“. Die Projektplaner der Bahn, so Bäumer, „können nach zehn Jahren nicht plötzlich zu einem besseren Ergebnis kommen“. Die Bahn versucht seit Jahren, ihre Planung für die Filder bei der Genehmigungsbehörde, dem Eisenbahn-Bundesamt in Bonn, durchzubringen.




