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Fettpolster Schadstoffe: Durch Diät vergiftet

Jörg Zittlau, vom 10.01.2011 11:05 Uhr
 Foto: dpa
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Stuttgart - Der 40-jährigen Laura ging es nicht gut. Sie musste sich mehrmals übergeben und hatte Atemnot. Schließlich wurde sie in die New York School of Medicine eingeliefert. Dort ergab ein Labortest: Lauras Blut war völlig übersäuert. Auf Nachfragen gab die übergewichtige Frau zu, gerade eine Atkins-Diät durchzuführen und einen Monat nur von Fleisch, Käse, Salat und Vitaminpillen gelebt zu haben. Ihr Stoffwechsel geriet dadurch aus den Fugen, es kam zu einer lebensbedrohlichen Übersäuerung, wie man sie von Diabetikern bei Insulinmangel kennt.

Laura hatte Glück und kam gerade noch einmal davon - und als Beispiel für das potenzielle Risiko von Diäten schaffte es ihr Fall sogar in die renommierte Fachzeitschrift "The Lancet". Dabei ist die übersäuerte US-Amerikanerin keine Ausnahme. Immer öfter thematisieren Wissenschaftler, wie gefährlich Diäten sein können, auch wenn man sie weniger extrem betreibt.

Den Körper entschlacken - wissenschaftlich nicht bewiesen

So kursiert unter Diät- und Fastenkur-Fans hartnäckig die Entgiftungstheorie, wonach man den Körper durch Kalorienentzug oder eine radikale Nahrungsumstellung von sogenannten Schlacken befreien könnte. Wissenschaftliche Belege für die Existenz dieser Stoffe sind jedoch Mangelware. Unverwertbare Stoffwechselprodukte scheidet der Organismus über Haut, Niere, Darm oder Lunge aus. Könnte er das nicht, wäre der Mensch schon ausgestorben.

Umgekehrt kann das Abspecken eine regelrechte Giftdröhnung zur Folge haben. Ein kanadisches Forscherteam entdeckte bei extrem Fettleibigen, die sich einer Magenverkleinerung unterzogen und damit innerhalb eines Jahres rund 45 Prozent ihres Körpergewichts verloren hatten, deutlich erhöhte Schadstoffwerte im Blut. "Die chlororganischen Verbindungen nahmen um 388 Prozent zu", berichtet Studienleiter Normand Teasdale von der Laval University in Québec. Bei Patienten, die sich lediglich einer kalorienreduzierten Diät unterzogen hatten, fielen sowohl Gewichtsverlust als auch Schadstoffbelastung mäßiger aus. Doch auch bei ihnen waren die Giftwerte um 20 bis 50 Prozent erhöht - je nachdem, wie viel Gewicht sie verloren hatten.

Fettdepots speichern Giftstoffe

Der Südkoreaner Duk-Hee Lee von der Kyungpook National University in Daegu und seine Kollegen untersuchten die langfristigen Gift- und Gewichtsdaten von 1099 US-Amerikanern im Alter ab 40. Dabei zeigte sich, dass mit jeder Diät die Werte von DDT, Dioxin und der Weichmacher Polychlorierte Biphenyle im Blut anstiegen. Umgekehrt hatten diejenigen, die an Gewicht zulegten, deutlich niedrigere Werte.

Der potenziell toxische Charakter von Diäten erklärt sich daraus, dass die Fettdepots im Körper evolutionär nicht nur als Kältepuffer und Reserve für nahrungsärmere Zeiten gedacht sind, sondern auch als Zwischenlager für fettlösliche Gifte. Greift der Körper auf die Fettdepots zurück, gelangen diese Schadstoffe ins Blut und von dort aus zu Organen, wo sie Schaden anrichten können. So gelten DDT und andere Chlorchemikalien als Auslöser von Krebs, während Weichmacher aufgrund ihrer hormonähnlichen Wirkung bei Männern zu Unfruchtbarkeit führen können.

Vor diesem Hintergrund fällt es schwer, an einen lebensverlängernden Effekt von Diäten zu glauben. Und dieser Zweifel wird durch eine skandinavische Studie erhärtet, in der die Diätanwender ein um 86 Prozent erhöhtes Sterberisiko aufwiesen. Epidemiologe Meir Stampfer von der Harvard School of Public Health rät: "Am besten achtet man auf sein Gewicht." Und hält es konstant.

 

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