Feldberg - Silvia Goetze aus Hausach im Kinzgtal ist richtig sauer: »Da machen die Jugendlichen endlich mal was anderes, als immer nur vorm Fernseher sitzen, und dann das.« Verursacher ihres Unmuts ist der Liftverbund auf dem Feldberg (Breisgau-Hochschwarzwald), der in diesem Winter seinen kostenlosen Aufwärmraum am Sechser Sessellift auf dem Seebuck geschlossen hat, weil er zum Spindraum umfunktioniert werden soll.

Der Aufwärmraum war ein beliebter Anlaufpunkt für junge Snowboarder wie ihren Sohn Robin: »Die Kids verabreden sich über Facebook, nehmen die lange Anfahrt auf den Feldberg auf sich und können dann nicht einmal mehr in einem Raum ihr mitgebrachtes Vesper verzehren«, schimpft Silvia Goetze. Zusammen mit anderen erbosten Müttern will sie nun eine Facebook-Aktion für den Erhalt des Raums starten.

Sie hat damit jedoch schlechte Karten, wie Katja Rombach, die Marketingassistentin des Liftverbunds durchblicken lässt: »Der Aufwärmraum soll zum Spindraum umfunktioniert werden«, erzählt sie. Viele Gäste wüssten nicht, wohin mit ihren Rucksäcken und Wertsachen, also müssten neue Spinde gebaut werden. Außerdem sei der Aufwärmraum immer wieder als Kiffertreff benutzt und verschmutzt worden.

Das bestätigt auch Bürgermeister Stefan Wirbser: »Schnapsflaschen, Red Bull Dosen und Joints: Wir mussten die Sauerei dann jeden Tag aufräumen.«

Vorwürfe, die Robin Goetze (18) und seine Mutter »maßlos übertrieben« finden. Im Gegenteil: Wenn man schon richtig viel Geld für ein Tagesticket im Liftverbund hinblättern muss, dann könne ein kostenloser Aufwärmraum nicht zu viel verlangt sein, finden Goetzes.

Anders als in den großen Skigebieten in der Schweiz ist der Raum auf dem Feldberg aber nicht vorgeschrieben, betonen im Gegenzug Katja Rombach und Stefan Wirbser. Dass es den Raum am Sechserlift gab, sei letztlich ein Nebenprodukt aus der Bauphase gewesen, so Wirbser. Im Zuge des geplanten Parkhausneubaus auf dem Feldberg könne man aber durchaus über einen solchen neuen Raum nachdenken. Der jetzige sei allerdings ohnehin nicht allzu gut angenommen worden, wie Katja Rombach ergänzt: »Und der Spindraum wird ja auch ein attraktives Angebot für unsere Gäste sein, da besteht eine echte Nachfrage.«

Dass jugendliche Snowboarder neben dem Ticketpreis für den Lift und den Kosten für die Anfahrt kaum noch Geld für einen Besuch in einem Wirtshaus aufbringen können, um sich die Füße bei einer Gulaschsuppe aufzuwärmen, ist Rombach und Wirbser zwar auch klar, aber die Entscheidung für den Umbau steht. »Man muss sich bei uns ja eh wetterfest anziehen«, so der Bürgermeister.

 
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