Bremen - Der Frühling ist Fastenzeit. Nach wie vor sind es die sieben Wochen vor Ostern, in denen Verzicht geübt wird – was auf den kirchlichen Ursprung verweist. Seit Aschermittwoch sind Christen zur Entsagung aufgerufen, erst von Ostersonntag an dürfen die Gläubigen wieder schlemmen.

Doch es sind längst nicht mehr nur die Bibelfesten, die diesen Neustart für Körper und Geist wagen: Fasten ist zum Trend geworden. Von Jahr zu Jahr machen immer mehr Menschen mit beim Verzichtüben. Während die einen sich in Klöster oder Fastenkliniken zurückziehen, nehmen die anderen bei Fastenwanderungen in Mallorca teil oder fahren an den Bodensee zum Basenfasten. Umfragen zufolge will in diesem Jahr jeder Sechste fasten – und mit 21 Prozent sind es meist Frauen. Die damit verbundene Hoffnung: eineBefreiung von den sogenannten Schlacken, die sich im Winter angesammelt haben.Doch Studien zeigen, dass sich dies kaum erfüllen lässt.

Der Körper scheidet ständig Unverwertbares aus

So fehlen nämlich wissenschaftliche Belege für die Existenz von irgendwelchen Schlacken, bei denen es sich laut Heilfastenanhängern mal um die „Abbaustufen der Neutralfette“, mal um „Zwischenprodukte eines unvollständigen Eiweißstoffwechsels“ handeln soll. Tatsächlich jedoch scheidet der Körper, wie Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung betont, „unverwertbare Stoffwechselprodukte ständig über Haut, Niere, Darm oder Lunge aus“. Könnte er das nicht, wäre der Mensch im Laufe der Evolution längst ausgestorben.

Man muss und kann also gar keine Schlacken per Fastenkur entfernen. Im Gegenteil. Wer sein Fettgewebe herunterhungert, riskiert sogar eine Vergiftung. Ein kanadisches Forscherteam entdeckte in einer Untersuchung an extrem Fettleibigen, dass ein radikales Abspecken zu erhöhten Schadstoffwerten im Blut führte. „Die chlororganischen Verbindungen nahmen um 388 Prozent zu“, sagt der Studienleiter Normand Teas­dale von der Laval University in Québec.

Fettpolster sind Zwischenlager für fettlösliche Gifte

Dagegen untersuchte eine koreanische Forschergruppe die Gift- und Gewichtsdaten von insgesamt 1099 Probanden – und entdeckte, dass mit jeder Diät die Blutwerte an DDT, Dioxin und den als Weichmacher bekannten Polychlorierten Biphenylen deutlich anstiegen. Und zwar umso mehr, je übergewichtiger die Menschen und härter die Diäten waren.

Der mögliche Vergiftungscharakter von harten Abspeckkuren erklärt sich daraus, dass die Fettdepots im Körper evolutionär nicht nur als Kältepuffer und Reserven für nahrungsärmere Zeiten gedacht sind, sondern auch als Zwischenlager für fettlösliche Gifte. Wenn man folglich diese Depots angreift, gelangen die Gifte ins Blut und von dort aus zu anderen Organen, wo sie durchaus Schaden anrichten können. So gelten etwa DDT und andere Chlorchemikalien als mögliche Krebsauslöser. Und die Weichmacher-Biphenyle können aufgrund ihrer hormonähnlichen Wirkung bei Männern zu Unfruchtbarkeit führen.

 
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