Universitäten, Hochschulen und andere Bildungseinrichtungen entdecken Familienunternehmen als besonderes Thema. Formal bedeutet der Begriff Familienunternehmen lediglich, dass Kapital und damit Risiko von Unternehmern getragen wird. Teilweise sind sie ins nicht mehr operative Geschäft eingebunden, teilweise fungieren Familienmitglieder als Geschäftsführer. Viel wich­tiger aber sind die Soft Skills dieser Unternehmen. So findet Dirk Zupancic: 'Es gibt tatsächlich oft ein größeres Zusammen­gehörigkeitsgefühl.' Gerade Krisen managen sie besser, weil es über Generationen ein Familienwissen um die Aufs und Abs gibt, so der Präsident der Heilbronner German Graduate School (GGS): 'Sie agieren oft gelassener als angestellte Manager, die erstmals eine schwierige Marktlage erleben.'

Das bestätigt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers: Trotz Euro-Schuldenkrise und Fachkräftemangel gehen 82 Prozent der befragten Familienunternehmen im kommenden Jahr von weiterem Wachstum aus. Sie seien innovativ, flexibel und regional stark diversifiziert. Knapp ein Drittel ihres Umsatzes erwirtschaften sie im Export. Das Wortungetüm 'German Mittelstand' ist im Ausland nicht nur ein fester Begriff, sondern auch ein Ausdruck für Qualität. So kommen zur GGS-Sommerakademie mit dem Titel Germany's Mittelstand companies regelmäßig 40 englische und amerikanische Teilnehmer. Eine eigene Ausbildung für Familienunternehmen gibt es in Heilbronn zwar nicht, aber unterschiedliche Unternehmensformen werden gegenübergestellt und viele Fallbeispiele analysiert. 'Wer an starken Marken, Karriere und Glamour interessiert ist, sollte seinen Job lieber in einem Konzern suchen', urteilt Zupancic. Wer dagegen Verantwortung übernehmen möchte, sich für vielfältige Aufgaben interessiert und eher ein Generalist ist, der ist in kleinen oder mittelständischen Betrieben besser aufgehoben.

Kosten für Gewinne sofort begleichen

So einer ist Matthias Kirch. Der Abgänger des Masterstudiengangs für Familienunternehmen an der Otto Beisheim School of Management (WHU) ist Europapark-Fan. Seine Begeisterung ist so groß, dass er seit seinem betriebswirtschaftlichen Studium in Rust arbeitet und der Geschäftsleitung des familiengeführten Freizeit- und Familienparks Mack OHG assistiert. 'Die Junioren der Inhaberfamilie schlugen mir vor drei Jahren vor, ob ich mich mit dem neuen Master für Familienunternehmen weiterbilden möchte', erzählt der 31-Jährige. Im rheinland-pfälzischen Vallendar eignete er sich spezielles Knowhow und das Selbstverständnis von Familienunternehmen an.

Wirtschaften ohne Kredite. Kosten für Gewinne sofort begleichen. Vormals war das Grundlage jedes Betriebes. Doch in den vergangenen Krisen scheint dieses Handeln abhandengekommen zu sein. Um diese Entwicklung aufzuhalten und langsames, aber gesundes Wirtschaften wieder hoffähig zu machen, gibt es seit wenigen Jahren Master- und Bachelorkurse, die sich an Familienunternehmen orientieren. Etwa in den Familienunternehmen-Kursen für Bachelor, Master oder Doktoranden der WHU. Oder auch im Master of Arts in Family Entrepreneurship an der Zeppelin Universität (ZU) in Friedrichshafen, den seit 2010 rund 50 Berufstätige absolviert haben. 'Eltern und Kinder spüren Verantwortung gegenüber einander. Genauso wie Chefs sie manchmal gegenüber ihren Mitarbeitern, Lieferanten und Kunden verspüren', sagt Sabine Rau. Dadurch entstünde Vertrauen und als Folge meist hohes Eigenkapital, sagt die WHU-Lehrstuhlinhaberin: 'Deshalb gehören Familienunternehmen zu den erfolgreichsten, solidesten und ältesten Firmen.'

Eine Erfolgsgarantie sei das Modell Familienbetrieb allerdings nicht. Denn langfristige Beziehungen, egal ob zwischen Metallverarbeiter und Teilelieferant oder Senior und Junior, können sich vor- wie nachteilig auswirken. 'Ob sich Betriebsblindheit einschleicht oder sich enorme Innovationen aus der Zusammenarbeit entwickeln, entscheidet das eingesetzte Knowhow', so Rau. Deshalb regt sie zu interdisziplinärem Denken an, wenn ihre Studenten untersuchen, wie Markt- und Familien­mechanismen sich auf die Marktposition auswirken. Auch gestandene Unternehmer finden sich in diesen Kursen.

Die 24.900 Euro Studiengebühr zahlte sein Arbeitgeber

Miriam Nolte (Name von der Redaktion geändert) leitet seit 15 Jahren eine metallverarbeitende Firma in dritter Generation. Etwa die Hälfte der Studieninhalte kannte die Betriebswirtin, ein gutes Drittel war für sie neu. Durch ihre Masterarbeit über das Innovationsklima in Familienbetrieben kann die 48-Jährige allerdings von einem echten Mehrwert sprechen: 'Es ist dafür wichtig, von Zeit zu Zeit den Blick von außen zu haben. Das Rüstzeug, um Kennzahlen und objektive Größen zu erstellen und zu vergleichen, habe ich im Studium erhalten.' Jedes Wochenende, zehn Präsenz­wochen und zwei Auslandswochen investierte Kirch über anderthalb Jahre. Die 24 900 Euro Studiengebühr zahlte sein Arbeitgeber. 'Dafür habe ich freiwillig auf einen Teil meines Urlaubs verzichtet, und Überstunden haben wir ebenfalls verrechnet', sagt der Badener. Jede Sekunde habe sich gelohnt. Noch während des Studiums wurde Kirch zum Personalleiter befördert. Auch, weil er trotzdem im Betrieb stark präsent war. Und seine drei Studienprojekte, etwa zu Arbeitszeitmodellen, halfen dem Unternehmen, sich besser aufzustellen, begründet der Jahrgangsbeste.

Karriereplanung in mittelständischen Betrieben bezeichnet GGS-Präsident Zupancic als 'Freestyle'. Das sei keine Wertung. Denn im Gegensatz zu den festen Karrierestrukturen von Konzernen kann es mal recht schnell gehen, aber auch seine Zeit dauern. Sicherer und langfristiger gehe es auch bei Gehaltserhöhungen zu, stimmt ZU-Professor Marcel Tyrell seinem Heilbronner Kollegen zu. Arbeitsplätze, Eigenkapital und Wachstum seien beständig angelegt. Nicht selten bleiben Familienunternehmen wie die Mack OHG deshalb erfolgreich und werden 200 Jahre alt.

Ein Wirtschaften nach Quartalserfolgen wie in AGs sei zwar dynamischer, aber viel unsicherer und risiko­behafteter. 'Familiengeführte Unternehmen überleben, wenn sie ihrer Kernidee treu bleiben', sagt Tyrell. Doch nicht, wenn sie zu schnell wachsen und dann Fremdinvestoren benötigen. Oder wenn es keine klaren Regeln für die Eigentümerstruktur und Nachfolge gibt. 'Dann sind riskante Kreditaktionen und Interessenkonflikte vorprogrammiert, die immer gefährlich sind, besonders, wenn Eigentum und Management in einer Hand sind', erklärt Tyrell. Diesen Gefahren wollen die Dozenten mit Kursen zu Corporate Governance, Finanz- und Innovations­management vorbeugen.