Facebook-Party Albtraum in der Traumvilla
dpa, 26.06.2012 18:58 Uhr
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Frejus - Mit der schicken Villa an der Côte d’Azur wollten sich die Sprongs aus Holland einen Lebenstraum erfüllen. Jetzt stehen sie vor einem Trümmerhaufen. Das Unfassbare passiert am 19. Mai. Eine wilde Party in ihrem Ferienhaus, organisiert über Facebook, mündet in einer Orgie: Fensterscheiben gehen zu Bruch, Möbel und Matratzen landen im Pool, Waschbecken werden abgerissen, alles, was nicht niet- und nagelfest ist, wird geplündert. Jetzt hat eine Strafkammer in Draguignan die Übeltäter, zwei junge Franzosen, wegen „gemeinschaftlicher Sachbeschädigung“ bestraft: zu je einem Jahr Gefängnis, davon sechs Monate hinter Gittern, und zu 20 000 Euro Geldstrafe. Der Zivilprozess folgt im Dezember.
Einer der Verurteilten, ein 22 Jahre alter Gärtner, nennt sich bei Facebook „Allan“. Er und sein arbeitsloser Freund sind fasziniert von der amerikanischen Komödie „Project X“, die wenige Wochen zuvor im Kino lief. Teenager nutzen darin aus, dass die Eltern nicht zu Hause sind. Doch die Party in der „sturmfreien Bude“, zu der 2000 Leute strömen, endet in einer Orgie aus Gewalt, Drogen und Zerstörung.
„Allan“ mietet die Villa über eine Agentur vor Ort, die im Auftrag der Sprongs handelt. Die 500 Euro für die Miete haben „Alan“ & Co. schnell wieder in der Tasche. Denn an diesem Abend strömen nach Schätzungen der Polizei etwa 600 bis 1200 junge Menschen zu der Villa an der azurblauen Küste. Die meisten sind zwischen 16 und 20 Jahre alt. Die einzige Spielregel des Abends: jeder bringt eine Flasche Alkohol mit und zahlt zwei Euro Eintritt.
Das Motto des Abends lautet „No Limit“
Die Gegenleistung: Drinnen erwarten sie ein „wilder DJ“, Striptease-Tänzerinnen und lauter gleichgesinnte Gäste. Auf einem Flyer geben die Veranstalter die ausgelassene Parole dieses Katastrophen-Abends aus: „No Limit.“ Nachbarn begreifen sehr schnell, dass in der Villa etwas aus dem Ruder läuft. Die meisten Partygäste kommen aus der Umgebung, manche reisen sogar von weither an: aus Marseille, Nizza, ja sogar aus Lyon und dem fernen Paris. Als Dutzende Autos die Straßen im Viertel versperren und sich der Lärmpegel ins Unerträgliche steigert, alarmieren genervte Anwohner die Gendarmerie im benachbarten Fréjus. Der Einheit, die um 23 Uhr eintrifft, bietet sich ein apokalyptisches Bild. Die Straßen sind bevölkert mit Jugendlichen, die sich hemmungslos betrinken, drinnen hat die Mega-Party bereits ihren traurigen Höhepunkt erreicht: Die Villa ist geplündert, den Schaden beziffert die Polizei auf 80 000 Euro.
Der 22-jährige Angeklagte bestreitet vor Gericht, finstere Absichten gehabt zu haben, als er die Villa mit Pool mietete. Auch die Partygäste nimmt er in Schutz. Doch der Staatsanwalt kauft ihm die aufgetischte Version nicht ab. Das Ziel der Party sei der Rausch gewesen, erwidert er und fügt hinzu: „Am Ende war alles zerstört.“ Der Ankläger pocht auf fünf Jahre Gefängnisstrafe und 75 000 Euro Geldstrafe. Wie uneinsichtig und von sich eingenommen der Angeklagte ist, verrät er in den Tagen nach der Skandal-Party. Einer Lokalzeitung gibt er freimütig Interviews und rühmt sich darin, dass das ausgeflippte Partyvolk ständig seinen Namen skandierte. Auch in den USA hat der Film Nachahmer gefunden. In einem Fall, in Houston (Texas), kommt am 13. März ein Jugendlicher ums Leben. Als die Polizei die Party beenden will, greift ein Gast zur Pistole und feuert offenbar aus Versehen den tödlichen Schuss ab.




