
Eutingen-Weitingen (hm). Die Kälte macht nicht nur den Menschen zu schaffen. Darauf weist Harald Dold hin, der Vorsitzende des Angel- und Naturschutzvereins und Naturschutzbeauftragte des Landesfischereivereins Südwürttemberg-Hohenzollern.
Das sich auf dem Neckar bildende Eis macht auch dem Eisvogel zu schaffen. Sein Name hat nichts mir der eisigen Kälte, sondern mit seiner stahlblauen Farbe zu tun, so Dold. Ein großer Teil der Eisvogelpopulation in unserer Region werde vermutlich Opfer der Kälteperiode werden. Durch die Kälte frieren deren Jagdbiotope wie Seen, Flüsse, Bäche und Kleingewässer zu.
Da die Eisvögel dann keine Nahrung – sie ernähren sich überwiegend von Fischen – erjagen können, verhungern sie. "Die geschlossene Eisdecke wird ihnen zum Verhängnis, auch kommt es zu Genick- und Schnabelbrüchen, wenn sie auf unerkannte klare Eisflächen prallen", so der ANV-Chef und Neckartal-Ranger.
Bereits im "Polarwinter" 1962/63 sein in Mitteleuropa 80 bis 95 Prozent aller Eisvögel umgekommen. Große Verluste gab es auch in den strengen Wintern 1991, 1997 und 1999. Doch die Natur hat vorgesorgt. Eine gesunde Population in einem ökologisch Intakten kann solche natürlichen Verluste in Jahren mit gutem Bruterfolg ausgleichen. Der Eisvogel kann bis zu drei Bruten aufziehen, das ergibt über acht Junge pro Brutpaar und Jahr.
Kälte allein kann heimischen Vogelarten nichts anhaben, denn das Gefieder hält warm. Das luftgefüllte Federkleid gilt als eines der besten Isolationsmaterialien. Deswegen kann man derzeit viele Vögel aufgeplustert auf Bäumen sitzen sehen. Wasservögel schützen sich zusätzlich mit einer Fettschicht unter der Haut. Die Organe im Körperinnern weisen eine Temperatur von 41 Grad auf, während die Temperatur in den äußeren Körperbereichen absinkt. Dadurch verringert sich der Temperaturunterschied zwischen Haut und Umgebung, und es wird verhindert, dass das Blut an der Körperoberfläche abkühlt und kalt zum Herzen zurückfließt.
Auch für Wasservögel ist es wichtig, dass ihre Überwinterungsgewässer nicht zufrieren. Im Extremfall können Wasservögel auf Eisflächen, Steinen oder Metallstangen festfrieren. Um das Geäst der Bäume und Sträucher bildet sich eine Eiskruste. Eier, Larven von Insekten, Käfer, Beeren und Samen, die an Zweigen haften, werden für Meisen, Kleiber, Baumläufer, Zeisige und andere Singvögel unzugänglich. Hält diese Situation an, fordert sie viele Opfer unter den Singvögeln. "Winterfütterung für unsere Singvögel ist bei so einer strengen Dauerfrostperiode sicherlich sinnvoll und kann Vogelleben retten", so Dold.