Eutingen Sport ist deutlich mehr als nur Bewegung

Schwarzwälder-Bote, 09.08.2012 21:30 Uhr

Von Lisanne Knoch Eutingen. Als es an der Tür klingelt und die Jungs das angenommene Paket öffnen, fangen die Augen von Tim und Micha Schamaitis an zu leuchten. Zum Vorschein kommen zwei nagelneue Laufshirts, die natürlich sofort anprobiert werden müssen.

Tim und Micha Schamaitis sind in ihrem Alter schon zwei Ausnahmeathleten. Das zeigten sie zuletzt beim "City-Lauf" in Ludwigsburg, wo sie den ersten und zweiten Platz im Zehn-Kilometer-Lauf in der Kategorie "Schülerwertung" belegten – und mit einer brillanten Zeit von unter 50 Minuten. Das Ganze ist noch unglaublicher, wenn man bedenkt, dass Tim und Micha erst zwölf und zehn Jahre alt sind und in der Schülerwertung auch 16-Jährige mitlaufen dürfen.

Vater kommt mit denJungs nicht mehr mit

Vater Harald Schamaitis bestätigt: "Es war absolut unglaublich! Ich bin ja selber in einer anderen Kategorie mitgelaufen, aber die Jungs haben mich einfach abgezogen. Wir sind unheimlich stolz auf sie". Nur in einem Punkt war die Familie enttäuscht: "Es war wirklich sehr schade, dass es keine Siegerehrung für die Schüler-Kategorie gab. Unsere Jungs waren schwer enttäuscht, keine Bestätigung für ihre herausragende Leistung zu bekommen. Es geht nicht darum, auf dem Treppchen zu stehen, sondern wenigstens eine Auszeichnung zu bekommen."

Tim ist zwölf Jahre alt und somit der ältere der beiden Brüder. Er spielte sechs Jahre Fußball in Eutingen und Bildechingen und nahm dabei alle erdenklichen Positionen ein. Neben Fußball, das er gerade wieder anfangen will, übt er noch viele andere Sportarten wie Karate, Reiten und Leichtathletik aus. Tim fügt hinzu: "Irgendwann ist der Terminplan aber auch mal voll, der Tag hat ja leider nur 24 Stunden. Man muss auch Grenzen setzen." Trotzdem lässt er es sich nicht nehmen, mal kurz vor dem Abendessen drei Kilometer zu laufen.

Obwohl Tim erst zwölf ist, wirkt er um einiges reifer und erwachsener als die meisten Kinder in seinem Alter. Sein Vater Harald Schamaitis bestätigt: "Tim ist unheimlich vernünftig und weiß, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen. Er geht mit seinem Erfolg sehr bescheiden um. Wenn Tim etwas anfängt, macht er es zu immer zu 100 Prozent, er ist unglaublich ehrgeizig und will immer der Beste sein, das zahlt sich natürlich aus."

Micha ist zehn und obwohl er zwei Jahre jünger ist, steht er seinem großen Bruder in nichts nach. Auch Micha spielt Fußball beim ASV Bildechingen – und das immer in vorderster Position. Neben Schwimmen, Judo, Laufen und Musizieren reitet Micha für sein Leben gerne. Er verrät: "Vielleicht werde ich später Springreiter, aber Leichtathletik macht mir auch sehr viel Spaß."

Auch die Eltern sind sportlich aktiv

Vater Harald Schamaitis und seiner Frau Susanne ist es sehr wichtig, zu betonen, dass die Kinder alles aus freien Stücken tun und zu nichts getrimmt werden. Susanne Schamaitis erklärt, dass sowohl sie als auch ihr Mann immer mit viel Leidenschaft sportlich aktiv waren und sind. Sie wollen ihren Kindern so viel ermöglichen, wie es nur geht. Es gehe darum zu probieren, die Neugier zu unterstützen und an seine Grenzen zu gehen.

Trotz alledem sei es extrem wichtig, dass man die Kinder niemals überfordere. Selbst wenn sie mit ihrem Campingwagen in den Urlaub fahren, seien sie ständig unterwegs. Harald Schamaitis fügt hinzu: "Die Jungs wollen alles ausprobieren. Wir haben uns extra ein Motorboot gekauft, damit die Jungs Wakeboard fahren können, worauf sie besonders stolz sind." Auch Kletter-, Boots-, und Kanutouren dürfen in ihrem Urlaub nicht fehlen, man merkt schnell, dass der Sport ein wichtiges Element in der Familie ist. Harald Schamaitis fügt hinzu: "Wir sehen die Schule und den Sport als Chance zu beweisen, was man kann. Ich sage ihnen immer, wenn mal etwas nicht klappt, dann hat man es wenigstens probiert und darauf kommt es an." Lachend erzählt er weiter, dass ihnen beim Einkaufen eine Verkäuferin eine Spielkonsole andrehen wollte, und sie dann feststellen musste, dass sie die auf der Konsole vorhanden Aktivitäten bereits im echt Leben ausführen.

Susanne Schamaitis betont, dass trotz dieser Bandbreite an Sport es den Kinder überlassen bliebe, was sie später mal machen.

Harald Schamaitis fügt hinzu: "Sie haben gelernt, dass ein ›Nein‹ keine Antwort, sondern eine Herausforderung ist. Meine Jungs sind sowohl Kämpfer als auch Querdenker und wir sind unbeschreiblich stolz auf sie."

 
 
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