Von Alexandra Feinler Eutingen. Millimetergroße Punkte bilden ihre Augen. Der Körper ist gerade einmal so groß wie ein Streichholz. Miniaturausgaben von Bergmann und Enges zieren ein Fenster von Alfreds Schachs Haus.Der Eutinger sammelt seit den 90er-Jahren Holzkunstwerke aus dem Erzgebirge, die zahlreiche Vitrinen zieren. In der Weihnachtszeit dekoriert er sein Zuhause mit Holzpyramiden, Räuchermännchen, Nussknackern und Schwingbogen. Dass die Liebe zur Holzkunst aus dem Erzgebirge groß ist, wird bereits an der Haustür des 71-Jährigen sichtbar. Kleine Bergmänner und der Engel zieren einen filigran gefertigten Holzbogen, der mit Steinelementen versehen wurde. Er steht am Fenster, direkt neben der Eingangstüre. Wie viele Wochen und Monate der Künstler des Bogens wohl gebraucht hat, lässt sich nur erahnen.

Diese zart ausgearbeiteten Figuren, alle aus Handarbeit, faszinieren Alfred Schach. Durch seine Schwiegereltern wurde er auf die Holzkunst aus dem Erzgebirge aufmerksam. "Immer wieder sind wir in die Gegend gefahren und haben uns die Arbeiten angeschaut", erklärt der gelernte Kaufmann. Einige der Erzgebirgsfiguren kaufte er für sich, Schränke, Vitrinen und Regale füllte er mit ihnen.

Seine Leidenschaft steckte an, und auf Weihnachtsmärkten stellte er die Holzkunstwerke aus. Es gibt die verschiedensten Figuren zu allen möglichen Themen und Schach hat eine ganze Reihe von ihnen. Ein Motorradfahrer-Räuchermännchen mit Reifen an der Kette, ein Nussknacker im blauen Skianzug und eine drehbare Pyramide mit Bärchen darauf – das sind nur ein paar Beispiele, die Alfred Schach stolz zeigt.

Räuchermännchen in bunten Farben gehen den unterschiedlichsten Arbeiten nach: Schornsteinfeger, Cellist, Bäcker und viele, viele mehr gehören zu Schachs Sammlung. Doch die Holzfiguren sehen nicht nur schön aus, für Schach spiegeln sie lang vergessene Geschichten wieder: "Der Holz-Nussknacker beispielsweise wurde nicht erfunden, um Nüsse zu knacken. Ihm würden auch alle ›Zähne‹ ausbrechen. Der Nussknacker war eine Nachbildung eines Menschen und wurde als Spielfigur hergestellt."

Ob Sagen von Zaren, die dem klassischen Nussknacker ähnlich sehen sollen, oder Märchen zur Entstehung zur Zeit von Aristoteles: Die Herkunft des Nussknackers ist nicht genau erwiesen. Dass er aber bis heute als Symbol für die Holzkunst aus dem Erzgebirge auf Weihnachten gilt, ist unumstritten.

Ebenso ist das Räuchermännle, erzgebirgisch auch als "Raachermannel" bekannt, eine Advents- und Weihnachtsfigur. Räucherkerzchen mit Düften verstärken den Weihnachtszauber, das weiß auch Alfred Schach. "Leider interessieren sich immer weniger Menschen für diese Kunst. Vor einigen Jahren war das noch anders", erinnert er sich.

Schade findet der Eutinger diesen Rückgang vor allem, weil viel Arbeit in der Fertigung der Holzfiguren steckt. Zur Verdeutlichung nimmt er ein Blumenmädchen, das auf einem Blatt steht, in die Hand. Feine Konturen wurden auf dem Figürchen gezogen. Man sieht sogar die feinen Blattadern. "Als die Manufaktur des Meißners Porzellans nach den 1990er-Jahren Personal reduzierte, wurden einige der Glasmalerinnen bei holzverarbeitenden Unternehmen im Erzgebirge angestellt. Sie bemalen heute noch die Holzfiguren", sagt Schach.

Dass nicht nur das Bemalen der Erzgebirgswerke eine Kunst ist, sondern schon alleine das Drechseln der Bestandteile, wird schnell klar. So trägt ein Räuchermännchen einen Lebkuchenmann sowie ein Körbchen mit sich und raucht eine Minipfeife. Die Welt der Erzgebirgs-Holzkunst ist vielfältig und unendlich groß.

Auch wenn Alfred Schach schon viele dieser Sammelstücke besitzt, will er nächstes Jahr wieder ins Erzgebirge fahren. Dann wird er diese zauberhafte Kunst vor Ort wieder erleben.