Eutingen Mehrere Generation lebten einst im Wallkamm-Haus
Schwarzwälder-Bote, 12.04.2012 18:15 Uhr
Da stand ein Teil des früheren Hauses von Familie Wallkamm, in der Eutinger Bergstraße noch. Jetzt ist der Platz geebnet und steht dem neuen Besitzer zur freien Verfügung. Foto: FeinlerFoto: Schwarzwälder-Bote
Von Alexandra Feinler Eutingen. Mit dem Abriss eines alten Hauses erlischt auch ein Teil der Geschichte des Ortes, hört man Historiker immer wieder sagen. Beim ehemaligen Haus der Familie Wallkamm in der Bergstraße 22 ist das anders. Dieses wurde zwar abgerissen, aber den ehemaligen Besitzern und Nachbarn bleibt die Geschichte in Erinnerung.
Das Haus muss vor 1829 erbaut worden sein, ist sich Gemeindehistoriker Willy Schaupp sicher. Er hat den ersten amtlichen Ortsplan von Eutingen vor sich liegen und kann von diesem einige Daten ablesen. Da es damals noch keine genaue Chronik gab, rätselt er, ob das Wallkamm-Gebäude die Hausnummer 222 oder 225 hatte. Die Zahl 222 trifft laut Plan eher zu.
Auch der letzte Eigentümer, Bernd Wallkamm, kennt die Geschichte seines Geburtshauses nicht von Anfang an. Er weiß jedoch, dass sein Urgroßvater Moritz Wallkamm das Haus erworben hat. In den Grundbüchern der Gemeinde liest man, dass das Grundstück bereits 1907 Moritz Wallkamm gehörte. Der damals nach Eutingen gezogene lebte mit seiner Familie in dem Wohnhaus, das ein Fachwerk zierte.
Wie die Familie das Haus damals nutzte, ist nicht sicher. Eines weiß Bernd Wallkamm aber: "Es war nie ein Bauernhaus im klassischen Sinne." Es wurden eine Zeit lang Tiere gehalten, aber für einen großen landwirtschaftlichen Betrieb hätte der Platz gefehlt.
1955 hatte die Gemeinde das Grundstück gekauft und einige Jahre später wieder verkauft. So steht es im Grundbuch. In den 1960er-Jahren erwarb Hans Wallkamm, der Vater von Bernd Wallkamm, das Gebäude. Wie es früher üblich war, lebten mehrere Generationen in diesem Haus.
So hatte das Gebäude zwei Eingänge. Der rechte, wenn man vor dem Haus stand, führte in ein kleines Zimmer. In diesem unteren Teil wohnte die Großmutter von Bernd Wallkamm, die im Alter zur Familie ins obere Geschoss zog. Dorthin gelangte man über eine zweite Türe, die sich auf der linken Seite befand. "Die Menschen waren früher nicht so groß und deshalb waren Türen und Decken niedriger als heute", sagt Wallkamm. Als seine Eltern das Haus übernommen hatten, renovierten sie es in den 1970er-Jahren. Ein frischer Putz wurde aufgetragen und auch das Dach musste neu gedeckt werden. Die Scheune wandelte Hans Wallkamm in eine Garage, über der Wohnräume für die vierköpfige Familie entstanden. "Als ich ein Kind war, hatten wir viel Wiese um unser Haus. Damals gab es die meisten Gebäude in der oberen Bergstraße nicht", so der letzte Eigentümer.
Die Nachbarn erinnern sich, dass man früher hinter dem Haus gut zur neuen Schule hochlaufen konnte. Das Haus war das letzte am damaligen sogenannten "Äscheberg". Weil die Straße nicht geteert war und man sie mit Asche streuen musste, erhielt sie den Namen.
Gerne blickt Bernd Wallkamm zurück in die Vergangenheit. Bis letztes Jahr war sein Geburtshaus noch bewohnt. Als dann die Mutter starb, überlegte die Familie, was mit dem Gebäude geschehen sollte. Nachbar Michael Kreidler zeigte sich interessiert und erwarb das Gelände. Er ließ das Haus abreißen und will die Fläche erst einmal so belassen. Eine Ära geht zu Ende, denkt vielleicht der eine oder andere Eutinger. Doch mit dem Erwerb des Grundstückes hat Kreidler einen großen Beitrag geleistet, denn so ist das Grundstück in der Bergstraße 22 wieder im Besitz einer Familie.


