Von Alexandra Feinler

Eutingen. Als die amerika-nische Wirtschaft 1929 an Geldknappheit litt, zahlte der Eutinger Darlehens-kassenverein seinen Mitgliedern eine Dividende von über zehn Prozent.

Die Geschichte der ersten Bank in Eutingen ist keineswegs eine trockene Buchhaltung, sondern vielmehr ein Spiegel des Ortsgeschehens seit dem 19. Jahrhundert.

Zwei Banken haben momentan in der Eutinger Marktstraße ihren Hauptsitz, aber nur eine von ihnen ist mit dem Darlehenskassenverein verwurzelt. Wer die Geschichte der Volksbank Horb kennt, weiß, dass sie 1975 mit der Genossenschaftsbank aus Eutingen fusionierte. Ihren Sitz hatte die erste Bank in Eutingen auch nicht immer in der Marktstraße, im Erdgeschoss des neuen Rathauses. In der Schillerstraße wurde 1941 ein Gebäude für die Darlehenskasse gekauft. Dieses erinnert heute jedoch nicht mehr an ein Kassengebäude, da es nach der Fusion der Banken als Wohnhaus genutzt wird.

Vor der Gründung des Darlehenskassenvereins gaben vor allem Viehhändler und Kaufleute Kredite, die oft mit einem Zinssatz von fünf Prozent und mehr festgesetzt waren. "Zu dieser Zeit gab es schon Rating, denn die Kreditgeber machte eine Risikoeinschätzung mit dem Ziel einer Gewinnmaximierung für sich selbst und kümmerten sich weniger um die Belange ihrer Kunden", ist aus der Geschichte des Darlehenskassenvereins herauszulesen. Viele Eutinger waren Ende des 19. Jahrhunderts, damals zählte man 1040 Einwohner, Landwirte. Vor allem diese Gruppe war oft dem "Preis- und Zinsdiktat der Kreditgeber ausgeliefert". Aus Missmut und Misstrauen entstand die Idee, Darlehenskassenvereine zu gründen. Da Vollmaringen bereits eine solche Institution hatte, ließen sich Eutingens Schultheiß Kläger, Gemeinderat Ferdinand Platz und Dekan Eiberger davon überzeugen.

Zwei Mark als Eintrittsgeld erhoben

Eine Zeitung berichtet von der Versammlung am 12. November 1900 folgendes: "Gestern Abend versammelten sich in der Linde eine Anzahl hiesiger Bürger, um die ersten Schritte zur vielseits längst gewünschten Gründung einer Darlehenskasse zu tun und es ist, nachdem vollste Einigung in allen Punkten erzielt wurde, zu hoffen, dass die fernen Schritte zum segensreichen Erfolg führen." Und das taten sie auch am 26. November 1900 im Gasthaus zum Goldenen Engel. Dort referierte der Vollmaringer Pfarrer Reiter und die Zeitung schrieb: "(…) Seine Ausführungen fanden vollste Zustimmung und zwar in einer Weise, dass der Redner anerkennen konnte: noch nirgends habe er bei der Gründung dieses Vereins so wenig Zweifel zu lösen und so wenig Bedenken zu überwinden gehabt." Am 29. November 1900 wurde der Darlehenskassenverein Eutingen mit 42 Mitgliedern gegründet. Innerhalb von drei Tagen, kann man den Unterlagen entnehmen, erhöhte sich die Mitgliederzahl auf 78. Zum Vorstandsvorsitzenden wurde Daniel Seele, zum Aufsichtsratsvorsitzenden wurde Dekan Eiberger sowie zum Rechner Josef Krespach, der eine Landwirtschaft betrieb, ernannt. Als Eintrittsgeld wurden zwei Mark erhoben, der Geschäftsanteil war auf 100 Mark festgesetzt. Die Entgegennahme von Einlagen, Vergabe von Krediten und Genossenschaftlicher Wareneinkauf gehörten zu der Leistung "der ersten Bank in Eutingen". Durch den genossenschaftlichen Wareneinkauf konnten günstigere Preise für beispielsweise Kohle oder Holz erzielt werden. Auch die vorherigen Wucherzinsen gehörten mit der Gründung der Vergangenheit an. Die Verantwortlichen des Darlehenskassenvereins waren bei den Bürgern so beliebt, dass sie im Jahr 1906 für das Amt des Bürgermeisters vorgeschlagen wurden. Daniel Seele, Vorstehender des Darlehenkassenvereins, wurde dann auch zum Bürgermeister gewählt und blieb 20 Jahre in seinem Amt.