Eutingen Keine Angst vor dem Drogenkrieg
Schwarzwälder-Bote, 28.07.2012 00:00 Uhr
Franziska Bulling hat sich bereits zuhause in Rohrdorf intensiv auf ihr Mexiko-Abenteuer vorbereitet. Foto: DoldFoto: Schwarzwälder-Bote
Von Lisanne Knoch Eutingen-Rohrdorf. Banden- und Drogenkriege, Morde und Entführungen: Nicht selten bringt man diese Begriffe mit Mexiko in Zusammenhang. Trotzdem zieht es die 19-jährige Abiturientin Franziska Bulling aus Rohrdorf genau dort hin. Sie wird dort ein Freiwilliges Soziales Jahr bei einer kirchlichen Organisation absolvieren. Sie wirkt gelassen, denn es ist nicht das erste Mal, dass sie sich nach Mittelamerika begibt. Franziska Bulling erzählt: "Ich habe Verwandte in Mexiko, außerdem war ich dort schon ein halbes Jahr aufgrund eines Schüleraustausches." Der Reiz in die Ferne zu ziehen, liegt in der Familie, denn auch schon ihr Bruder absolvierte ein Auslandsjahr.
Franziska Bulling erzählt weiter, dass sie nach dem Abitur am Rottenburger St. Meinrad-Gymnasium studieren möchte, erst aber einmal andere Erfahrungen sammeln will. Durch eine Freundin wurde sie auf die Organisation "Bund der deutschen katholischen Jugend" aufmerksam und schon bald erhielt sie auf eine Anfrage hin eine Einladung zu einem Auswahlseminar. Dort versammelten sich mehrere Kandidaten, die ein Jahr im Ausland verbringen möchten. Obwohl sie nicht selbst entscheiden durfte, in welches Land sie gehen darf, wünschte sie sich nichts mehr, als nach Mexiko zu reisen. Mit Erfolg, ihr Wunsch ging in Erfüllung.
Schon bald erfuhr sie, dass sie Cuernavaca, eine Stadt mit 300 000 Einwohnern, 70 Kilometer entfernt von Mexiko-City, für ein Jahr ihr neues Zuhause nennen darf. Sie wird im Rahmen einer kirchlichen Organisation ein Straßenkinderprojekt begleiten und sich dabei um die Freizeit- und Hausaufgabenbetreuung der Kinder kümmern.
Franziska Bulling fühlt sich gut vorbereitet, sie erklärt, dass sie neben dem von der Organisation angebotenen Sprachkurs bereits Spanisch in der Schule hatte und auch der Schüleraustausch wesentlich zu ihren guten Spanischkenntnissen beigetragen habe. "Ich habe in dem halben Jahr sehr gut Spanisch gelernt, das ist definitiv ein Vorteil", ist sie sich sicher.
Sie freut sich auf ihr Projekt, denn die Jungen und Mädchen, die sie dort betreuen wird, sind allesamt Straßenkinder ohne ein Zuhause bei den Eltern. Zudem gibt es auch viele Waisenkinder. Sie ist sich sicher, dass sie dort neben vielen schönen auch harte Erfahrungen sammeln wird. Während dem Schüleraustausch hatte sie bereits den großen Unterschied zwischen Arm und Reich in Mexiko am eigenen Leib erfahren, da sie das halbe Jahr in einem Dorf mit eher ärmlichen Verhältnissen verbracht hatte. Deswegen ist sie sich sicher, dass sie "keinen richtigen Schock erleben wird."
Die verschiedenen gesellschaftlichen Schichten leben in Mexiko voneinander abgegrenzt. Über den dort herrschenden Drogenkrieg oder Entführungen macht sich die 19-Jährige weniger Sorgen. Sie ist sich sicher: Wenn sie sich an die Anweisungen ihrer Gastfamilie hält, wird ihr nichts passieren. "Ich glaube eher, dass ich mit der Kleinkriminalität in Berührung kommen werde. Uns wurde geraten, immer nur wenig Geld bei uns zu tragen und das auch sofort herauszurücken, wenn wir überfallen werden."
Weiter erklärt sie, dass sie durch Solidaritätskreise in Mexiko Spenden sammeln wird, mit denen sie ihren Sprachkurs und das Visum bezahlen kann. "Das restliche Geld wird in andere kirchlichen Projekte investiert", erklärt sie.
Franziska Bulling ist nicht zum ersten Mal in der Kirche tätig, denn sie leitete bereits mit viel Freude für die evangelische Kirchengemeinde eine Jungschar in Eckenweiler. Obwohl die Freude auf das bevorstehende Abenteuer groß ist, fällt der Abschied von Familie und Freunden natürlich sehr schwer. Auch die Freiheiten, die sie hier besitzt, werden ihr fehlen, denn es ist klar, dass sie in Mexiko nicht so einfach alleine mit Zug oder Bus wegfahren kann. Mit einem Lächeln fügt sie hinzu: "Aber entweder mein Bruder oder meine Oma werden mich besuchen kommen – das hoffe ich zumindest."


