
Eutingen - Verträgt der Einzelhandel von Eutingen einen zentrumsnahen Discounter? Wie sieht die Zukunft des Handels in zehn Jahren aus? Fragen über Fragen, die im Arbeitskreis "Einzelhandel" in den letzten Monaten intensiv diskutiert wurden. Doch damit nicht genug: Sind Einzelhändler und Anbieter wie Friseur, Massagepraxis oder Apotheke bereit, an einem Strang zu ziehen? Was kann man tun, um die Kaufkraft zu halten?
Die Ergebnisansätze des Arbeitskreises stellten Moderator Stefan Gaier und Bürgermeister Armin Jöchle Einzelhändlern, Mitwirkenden des Arbeitskreises sowie Bürgern vor. Etwa 50 Personen – vom Kunden bis zum Bankdirektor – verfolgten die Diskussion, jedoch ein paar der wichtigsten Einzelhändler des Ortes fehlten. Ein Umstand, der zumindest erstaunte.
Aktuell konzentriert sich das Konzept, das in den Workshops erarbeitet und vom Steinbeis-Transfer-Zentrum aus betriebswirtschaftlicher Sicht optimiert wurde, auf fünf Schwerpunkte: ein gemeinsames Rabatt- sowie Gutscheinsystem, einheitliche Kernöffnungszeiten, ein Parkkonzept sowie die Ergänzung des Angebots zum Beispiel durch einen Discounter in Zentrumsnähe. Dass bei dem letzten Punkt die Emotionen hochkochten, ist nachvollziehbar. Die Argumente, dass ein Discounter Kaufkraft durch hohe Kundenfrequenz im Ort halte, leuchteten auf der einen Seite ein, jedoch scheint ein optimales Miteinander aus Sicht der Händler ausgeschlossen.
Matthias Digeser brachte es auf den Punkt: "Wenn ein Discounter kommt, dann kann der Landmarkt Schmollinger zumachen." Bürgermeister Armin Jöchle betonte, dass zukunftsorientierte Kommunalpolitik nicht immer per Schmusekurs gefahren werden könne. Hier müssten Überlegungen erlaubt sein, die von der gängigen Betrachtungsweise abweichen. So kann er sich vorstellen, den geplanten Kunstrasenplatz nicht beim jetzigen Sportgelände zu bauen und dafür dort einen Discounter anzusiedeln. "Wir müssen uns auch im Hinblick auf die Demografie der familiengeführten Einzelhandelsgeschäfte solche Gedanken machen, sonst stehen wir eines Tages ohne Nahversorgung und Alternative da", so seine Begründung zu solchen Planspielen. Diese und ähnliche Überlegungen will er ab Mitte des Jahres in die öffentliche Diskussion geben, wie er betonte.
Kontrovers wurde auch das elektronische Rabattsystem per "Eutinger Card" diskutiert. Einerseits wird befürchtet, dass sich Kunden weigern, ihre Daten herauszugeben, da sie dadurch zum "gläsernen Kunden" werden, andererseits brächte ein solches Bonussystem erhebliche Vorteile für Kunden und Anbieter.
Die Kunden könnten Bonuspunkte in jedem Laden einlösen und den Händlern stünde ein gerechtes Abrechnungssystem zur Verfügung. Viereinhalb Zusagen gab es, als Jöchle fragte, wer bereit sei, bei diesem System mitzumachen. Die halbe Zusage kam von Tobias Plaz, der in seiner Bäckerei bereits ein ähnliches System praktiziert und nur zum Umstieg bereit wäre, wenn alle in Frage kommenden Geschäfte einsteigen.
"Wenn wir den Start mit allen acht Einzelhändler nicht zusammenbringen, können wir’s sein lassen", so Jöchle, der nochmals mit allen Beteiligten sprechen möchte. Über ein Gutscheinsystem, einheitliche Kernöffnungszeiten und das bereits vorgestellte Parkkonzept soll in einem Workshop gesprochen werden, so Jöchle, dem daran gelegen ist, dass der Einzelhandel zu Ergebnissen kommt und man die Maßnahmen auf die Reise bringen kann.