Eutingen Der König der Lüfte in schickem Gewand
Schwarzwälder-Bote, 08.08.2012 20:02 UhrVon Alexandra Feinler
Eutingen. Seine braunen und hellen Federn schimmern im Sonnenlicht. Nur noch ein paar Minuten, dann hat Merlin seinen großen Auftritt.
Die Kinder sind schon gespannt und freuen sich auf Falkner Jürgen Meyer und vor allem auf seinen Gerfalken Merlin. Diszipliniert und zugleich nachdenklich sitzen sie im Garten des Kinderhauses "Fantadu" in Eutingen, sie fragen sich, was so ein Falkner überhaupt macht. "Vielleicht kümmert er sich um kranke Vögel", mutmaßt ein Junge. Welche Vögel, will er bei der Präsentation von Meyer in Erfahrung bringen.
Der Experte erklärt den Zwei- bis Neunjährigen anhand von Bildern seinen Beruf. Dass man dafür ein ungemeines Wissen im Reich der Vögel haben muss, wird den Kindern von Minute zu Minute klar. Am Kinderlied "Alle Vöglein sind schon da" zeigt der Falkner wie Amsel, Drossel, Fink und Star zu erkennen sind. Da staunen auch die Erzieherinnen.
Viele Fragen hätten nämlich auch sie nicht beantworten können. Zum Beispiel wie die Federn eines Mäusebussards genau aussehen. "Die sind nicht nur weiß-braun gestreift. Ein Mäusebussard hat einen weißen Kiel und die Federn haben nach etwa zehn bis zwölf Zentimetern dunkle Streifen", erklärt Meyer. Ganz anders dagegen der Gerfalke Merlin.
Zum Staunen aller Kinder hatte Peter Meyer das Tier mitgebracht. Der Gerfalke ist weltweit die größte Falkenart, die Körperlänge beträgt zwischen 48 und 61 Zentimeter. Merlin ist zwar erst ein dreiviertel Jahr alt, aber bereits schon ausgewachsen. Er kommt ursprünglich aus Bayern, doch Verständigungsprobleme zwischen dem Falkner und dem Tier gibt es deshalb keine.
Mit großen Augen und offenem Mund schauen sich die Kinder den Gerfalken an. Mancher hat einigen Respekt von dem "König der Lüfte" und betrachtet ihn lieber aus sicherer Entfernung. Die Kinder müssen jedoch keine Angst haben, denn Merlin ist gut erzogen und folgt auf Meyers Worte. Um das Wissen der Kinder noch stärker zu erweitern, kommen die Mitbringsel aus dem Wald ins Spiel. Die Kinder waren vor einigen Tagen mit Förster Josef Dennochweiler unterwegs und haben Mäusebussard-, Tauben-, Krähen-, Graureiherfedern und viele mehr gefunden. Ein buntes Programm mit Besuch der Landesgartenschau in Nagold, einem Bauernhof in Ahldorf und der Erlebnistour durch den heimischen Wald haben die Kleinen hinter sich.
"Das ist aber eine große Ausbeute", lobt der Falknermeister die fleißigen Sammler und erklärt ihnen, welche Tiere hinter den Federn stecken. Je nachdem, ob die Feder aus dem Rücken- oder Brustbereich ist, sieht sie anders aus. Manche Federn sind ganz flauschig und andere wiederum eng gefächert. Auf spielerische Art wird den Kindern das Wissen zum Thema Vögel vermittelt. Dabei hat es Meyer heute nicht leicht, er muss sowohl Kindergarten- als auch Schulkindern sein Fachgebiet vermitteln.
Am Schluss testet er in einem spielerischen Quiz, was die Zuhörer gelernt haben. "Welcher Vogel ist der größte Singvogel?" Die Finger gehen hoch. "Kolkrabe", verkündet ein Kind stolz. Weitere Fragen folgen, an denen die Erwachsenen erkennen, wie erfolgreich der Besuch des Falknermeisters war.
Mit diesem Tierkunde-Tag endet das Sommerferienprogramm des Kinderhauses Fantadu. Abschied nehmen heißt es jetzt. Im September startet die Gemeinde dann das neue Programm. Dann werden die Schulkinder in der nahe gelegenen Grundschule Eutingen betreut und im Kinderhaus Fantadu gibt es dann ein Betreuungsangebot für Kleinkinder ab dem ersten Lebensjahr.


