Von Martin Göker Eschbronn. "Die Arbeit hat mir Spaß gemacht", sagte der Eschbronner Chronist und Archivar Helmut Lehmann.In diesem Jahr war er ehrenamtlich mit dem Erfassen und der Dokumentation von Kleindenkmalen zu deren Schutz in der Gemeinde Eschbronn befasst. Diese Tätigkeit hatte er ehrenamtlich für den Landkreis Rottweil erledigt.

In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats Eschbronn berichtete er über seine Tätigkeit und präsentierte einen interessanten Bilderdurchlauf. Wie zu erfahren war, waren im Kreisgebiet insgesamt 145 ehrenamtliche Helfer im Einsatz. Für die Projektleitung und für die Organisation zeichneten das Kreisarchiv und das Landesamt für Denkmalpflege verantwortlich.

Wie aus der Stellungnahme der Gemeinde Eschbronn hervorgeht, werden Kleindenkmale, deren Vielfalt groß ist, als wichtige Bestandteile der Kulturlandschaft bezeichnet. Im Ortsbereich sind sie genauso anzutreffen wie in Wald, Feld und Flur. Sie unterscheiden sich nach Erscheinungsform und Material, nach ihrer Zweckbestimmung, nach der künstlerischen Gestaltung bis hin zu speziellen handwerklichen Techniken.

Auf der Gemarkung Locherhof wurden zwölf Kleindenkmale erfasst, auf der Gemarkung Mariazell 24 sowie 41 Grenzsteine. Nach Auswertung der Erfassungsdokumente erhalten die jeweiligen Gemeinden eine Gesamtdokumentation, die für kommunale Planungen und heimatkundliche Arbeiten herangezogen werden kann. Die kreisweiten Ergebnisse sollen dann auch in Buchform unter dem Titel "Kleindenkmale im Landkreis Rottweil" publiziert werden.

Wie Helmut Lehmann in der Sitzung zu verstehen gab, sind Kleindenkmale klein, ortsfest, freistehend, von Menschenhand geschaffen und aus dauerhaftem Material. Mit dieser Definition seien die vielen ehrenamtlichen Helfer des Landesdenkmalamts in baden-Württemberg auf die Suche geschickt worden, bewaffnet mit Bürste, Kreide, Fotoapperat, Meterstab und Erfassungsbogen. Eine ältere Liste mit einschlägigen Erhebungen habe ihm Bürgermeister Ziegler mit auf den Weg gegeben.

In Eschbronn, so Helmut Lehmann weiter, lagen unterschiedliche Verhältnisse vor. In Mariazell, der ehemaligen württembergischen Randgemeinde zu Baden, markierten rund 40 Grenzsteine noch teilweise den Verlauf der alten Grenze. Alle Steine trügen das eingemeißelte Staatswappen des Königreichs Württemberg auf der einen und Wappen des Großherzogtums Baden auf der anderen Seite. Alle diese Steine stammten aus der Zeit um 1820 bis 1860. In der katholischen Gemeinde Mariazell gebe es 16 Flurkreuze, schöne Bildstöckchen sowie Flur- und Hofkapellen.

Anders in Locherhof, einer frühen Industriegemeinde mit dem Gräberfeld der Gründerfamilie Härdtner. Hier gebe es ein altes Backhäusle, das früher als Kapelle gedient hat, und einen Geisterstein im Wald in Richtung Schönbronn, Ansonsten seien in Locherhof in Feld und Flur nur wenige Kleindenkmale zu sehen.

Helmut Lehmann: "Erstaunlich für mich war die Vorgabe, dass auch neu geschaffene Werke, die der Definition klein, ortsfest, und freistehend entsprechen, schon als Denkmale gelten. So kamen neue Flurkreuze und auch der Nachbau einer so genannten Grubbank, auf der wandernde Händler ihre schwere Rückenlast abstellen konnten, auf die neue Liste". Wie Helmut Lehmann weiter zu verstehen gab, musste von allen Kleindenkmalen ein Foto gemacht werden. Zuvor mussten die Grenzsteine abgebürstet und die Gravuren mit Kreide nachgezogen werden. Dann wurde fotografiert und der Erfassungsbogen ausgefüllt. Zum Schluss musste der jeweilige Standort in eine Karte 1:10 000 eingezeichnet werden. Nach Auskunft von Helmut Lehmann waren die Grenzsteine am zeitaufwendigsten, nicht zuletzt deshalb, weil man sie nur zu Fuß suchen und erreichen konnte.

Helmut Lehmann: "Ich habe aber meine Heimatgemeinde dadurch noch ein Stückchen näher kennengelernt".

Bürgermeister Walter E. Ziegler überreichte dem Chronisten und Archivar für dessen Arbeit ein Buchgeschenk, nämlich das von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg herausgegebene Buch "Baden-Württembergische Erinnerungsorte".